Bücher der Saison
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Klappentext
Aus dem Englischen von Giovanni und Ditte Bandini. Colm Toibin schildert das Leben von Henry James: Enttäuscht vom mittelmäßigen Erfolg seiner Romane wendet er sich der Bühne zu. Ein Theaterskandal in London ist die Folge. Henry James verlässt England, geht auf Reisen und lebt in Rom, Venedig und Paris. Ein Buch über die Einsamkeit und Sehnsucht eines Mannes, der Zeit seines Lebens unfähig war, seine Träume von der großen Leidenschaft mit seiner eigenen Fragilität in Einklang zu bringen.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.01.2006
In höchsten Tönen spricht Rezensentin Angela Schader über diese literarische Hommage des irischen Schriftstellers Colm Toibin an seinen berühmten Kollegen Henry James. Toibin nähere sich seinem Gegenstand nämlich mit der angemessenen Subtilität, beschränkt sich auf vier Jahre im Leben des Autors - von 1895 bis 1899 - , um von dort aus allerdings "ausgedehnte Tauchgänge" in die Vergangenheit zu unternehmen. Kapitel für Kapitel widmet sich Toibin dabei anderen Abschnitten in James' Leben, zentralen Figuren vor allem wie der schmählich von ihm im Stich gelassenen Schriftstellerin und Freundin Constance Fenimore Woolson. Großes Gewicht legt Toibin auf "Loyalitäten und Abhängigkeiten im Hause James" - aber auch in der Schilderung von James' Homosexualität beweist er nach Ansicht der Rezensentin einen beeindruckenden Sinn für Genauigkeit in der Schilderung von Seelenlagen, ohne sich je den Ansprüchen unseres "enthüllungs- und bettgeschichtenfreudigen Zeitalters" zu beugen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.12.2005
Schon in den früheren Büchern von Colm Toibin klang seine Sprache, meint Ulrich Sonnenschein durchaus wertschätzend, "mehr nach 19. als nach 21. Jahrhundert". Toibin macht Henry James seine Aufwartung, widmet ihm einen Roman und keine Biografie, lässt dessen Denken, Fühlen und Sprechen wiederauferstehen, erkundet weniger die Person als eine Autorschaft, formuliert Sonnenschein. James, der unter seiner nicht ausgelebten Homosexualität litt, war ein Typ, der im Verborgenen lebte, erklärt der Rezensent, alles kaschierte, "chiffrierte", schreibend verkleidete, der das, was ihn bewegte, verschwieg und sein Schweigen sprechen ließ - in 20 Romanen, 112 Erzählungen und 12 Theaterstücken. Ein Meister der Umschreibung. Das Schöne an Toibins "Portrait des Meisters in mittleren Jahren" sei, schwärmt der Rezensent, wie er einerseits sprachlich James’ Welt einfange, ihm andererseits in der "Wahrhaftigkeit der Wahrnehmung" so nah wie eben möglich käme. So gelänge es Toibin, James’ großer Tragik auf die Spur zu kommen, wie sich dieser dem Leben entzogen, verweigert hätte - um weiter schreiben zu können. Wie Literatur entsteht, lasse sich in der wissenschaftlichen Literatur wohl kaum annähernd so klar beschreiben und nachvollziehen wie das hier geschehen ist, schließt der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.11.2005
Einen Roman, keine Biografie hat Colm Toibin über sein Vorbild, den großen amerikanischen Stilisten Henry James verfasst, aber er tut dies so kenntnisreich und "voll Empathie", schwärmt Rezensentin Verena Auffermann, dass sein Buch jeder Biografie überlegen sein wird. Toibin konzentriert sich auf die Zeitspanne zwischen James' 52. und 56. Lebensjahr, und was ihn dabei vornehmlich interessiert, ist die "Ursachenforschung in Sachen Kreativität", schreibt Auffermann: der "Kampf des Autor mit und gegen sich selbst", natürlich auch James' neurotischer Familienhintergrund, überhaupt die "Wahrnehmungsstrategien" des Schriftstellers. Und all dies, daran lässt sie keinen Zweifel, holt Toibin auch zutage. Zum Gefallen von Auffermann spart er dabei nicht mit dem entsprechenden Kolorit und lehnt sich auch stilistisch ziemlich gekonnt an James' Eleganz an.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.08.2005
Rezensent Paul Ingendaay ist begeistert von diesem Buch über den amerikanischen Schriftsteller Henry James. Denn seiner Ansicht nach ist dem irischen Schriftsteller Colm Tolbin hier etwas geglückt, woran andere sonst scheitern: einen biografischen Roman über einen Schriftsteller zu schreiben und damit "eine Schriftstellerfantasie über einen Schriftsteller". Tolbin sei sogar gelungen, schreibt Ingendaay ganz im Sog des "intensiven Genusses", den ihm die Lektüre bereitet hat, den biografischen Roman als "ergreifenden Studie über das wechselseitig parasitäre Verhältnis von Einsamkeit und Kreativität" auszuweiten. Tolbin benutze alle bekannten Quellen, aber er wähle klug daraus aus, lasse weg, und benutze auch Zitate eher unauffällig. Trotzdem meint der Rezensent, hier dem "wahren Henry James" zu begegnen. Auch bewundert Ingendaay Tolbins Fähigkeit, in seiner Schilderung auch die Atmosphäre zu erschaffen, aus der James Bücher und Erzählungen geworden sind. Selbst das diffizile Erotikthema bewältige der Autor ohne den Schatten der Indiskrtetion. Die "zwei, drei homoerotischen Szenen" des Buches sind für den Rezensenten sogar von "rätselhafter Schönheit". Peinlich wirke nicht mal, was eigentlich immer peinlich sei - nämlich den Autor beim Vornamen zu nennen. Hier führt es sogar dazu, dass "Henry" schon im zweiten Kapitel das Herz des Rezensenten gewinnen kann. Auch die Übersetzung wird in den allgemeine Jubel miteingeschlossen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.08.2005
Der Rezensent Lothar Müller zeigt sich hingerissen von Colm Toibins "Porträt des Meisters in den mittleren Jahren", das fünf Jahre (von 1895 bis 1899) im Leben des Schriftstellers Henry James nachzeichnet und sich dabei besonders für James als krisenbehaftete "Figur des Interieurs" interessiert. Dabei, so der Rezensent, schwebe Toibin jedoch nicht vor, eine klassische Henry-James-Biografie zu schreiben, sondern, wie der Rezensent es nennt, "etwas Vermesseneres", nämlich so von Henry James erzählen, als sei er einem seiner eigenen Romane entsprungen. Wie der Rezensent klarstellen möchte, betreibe Toibin jedoch keinerlei stilistische "Mimikry", seine Sprache sei aber dennoch, in ihrer "Neigung zur Akzentuierung alles Dramatischen durch seine scheinbare Dämpfung", eine Hommage an James. Toibin, so das Fazit des Rezensenten, verstehe sich vorzüglich darauf, James' spezielle Kunst, "das Verschwiegene des Lebens - und das nicht gelebte Leben", darzustellen, zu würdigen und für den Leser zu beschwören.
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