Perlentaucher - Das Kulturmagazin

Anmelden | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 20.03.2010, 13.13 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Colm Toibin

Porträt des Meisters in mittleren Jahren

Roman

Cover: Porträt des Meisters in mittleren Jahren

Carl Hanser Verlag, München 2005
ISBN-10 3446206647
ISBN-13 9783446206649
Gebunden, 432 Seiten, 24,90 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Aus dem Englischen von Giovanni und Ditte Bandini. Colm Toibin schildert das Leben von Henry James: Enttäuscht vom mittelmäßigen Erfolg seiner Romane wendet er sich der Bühne zu. Ein Theaterskandal in London ist die Folge. Henry James verlässt England, geht auf Reisen und lebt in Rom, Venedig und Paris. Ein Buch über die Einsamkeit und Sehnsucht eines Mannes, der Zeit seines Lebens unfähig war, seine Träume von der großen Leidenschaft mit seiner eigenen Fragilität in Einklang zu bringen.

Möchten Sie dieses Buch kommentieren?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.01.2006

In höchsten Tönen spricht Rezensentin Angela Schader über diese literarische Hommage des irischen Schriftstellers Colm Toibin an seinen berühmten Kollegen Henry James. Toibin nähere sich seinem Gegenstand nämlich mit der angemessenen Subtilität, beschränkt sich auf vier Jahre im Leben des Autors - von 1895 bis 1899 - , um von dort aus allerdings "ausgedehnte Tauchgänge" in die Vergangenheit zu unternehmen. Kapitel für Kapitel widmet sich Toibin dabei anderen Abschnitten in James' Leben, zentralen Figuren vor allem wie der schmählich von ihm im Stich gelassenen Schriftstellerin und Freundin Constance Fenimore Woolson. Großes Gewicht legt Toibin auf "Loyalitäten und Abhängigkeiten im Hause James" - aber auch in der Schilderung von James' Homosexualität beweist er nach Ansicht der Rezensentin einen beeindruckenden Sinn für Genauigkeit in der Schilderung von Seelenlagen, ohne sich je den Ansprüchen unseres "enthüllungs- und bettgeschichtenfreudigen Zeitalters" zu beugen.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.12.2005

Schon in den früheren Büchern von Colm Toibin klang seine Sprache, meint Ulrich Sonnenschein durchaus wertschätzend, "mehr nach 19. als nach 21. Jahrhundert". Toibin macht Henry James seine Aufwartung, widmet ihm einen Roman und keine Biografie, lässt dessen Denken, Fühlen und Sprechen wiederauferstehen, erkundet weniger die Person als eine Autorschaft, formuliert Sonnenschein. James, der unter seiner nicht ausgelebten Homosexualität litt, war ein Typ, der im Verborgenen lebte, erklärt der Rezensent, alles kaschierte, "chiffrierte", schreibend verkleidete, der das, was ihn bewegte, verschwieg und sein Schweigen sprechen ließ - in 20 Romanen, 112 Erzählungen und 12 Theaterstücken. Ein Meister der Umschreibung. Das Schöne an Toibins "Portrait des Meisters in mittleren Jahren" sei, schwärmt der Rezensent, wie er einerseits sprachlich James’ Welt einfange, ihm andererseits in der "Wahrhaftigkeit der Wahrnehmung" so nah wie eben möglich käme. So gelänge es Toibin, James’ großer Tragik auf die Spur zu kommen, wie sich dieser dem Leben entzogen, verweigert hätte - um weiter schreiben zu können. Wie Literatur entsteht, lasse sich in der wissenschaftlichen Literatur wohl kaum annähernd so klar beschreiben und nachvollziehen wie das hier geschehen ist, schließt der Rezensent.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.11.2005

Einen Roman, keine Biografie hat Colm Toibin über sein Vorbild, den großen amerikanischen Stilisten Henry James verfasst, aber er tut dies so kenntnisreich und "voll Empathie", schwärmt Rezensentin Verena Auffermann, dass sein Buch jeder Biografie überlegen sein wird. Toibin konzentriert sich auf die Zeitspanne zwischen James' 52. und 56. Lebensjahr, und was ihn dabei vornehmlich interessiert, ist die "Ursachenforschung in Sachen Kreativität", schreibt Auffermann: der "Kampf des Autor mit und gegen sich selbst", natürlich auch James' neurotischer Familienhintergrund, überhaupt die "Wahrnehmungsstrategien" des Schriftstellers. Und all dies, daran lässt sie keinen Zweifel, holt Toibin auch zutage. Zum Gefallen von Auffermann spart er dabei nicht mit dem entsprechenden Kolorit und lehnt sich auch stilistisch ziemlich gekonnt an James' Eleganz an.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.08.2005

Rezensent Paul Ingendaay ist begeistert von diesem Buch über den amerikanischen Schriftsteller Henry James. Denn seiner Ansicht nach ist dem irischen Schriftsteller Colm Tolbin hier etwas geglückt, woran andere sonst scheitern: einen biografischen Roman über einen Schriftsteller zu schreiben und damit "eine Schriftstellerfantasie über einen Schriftsteller". Tolbin sei sogar gelungen, schreibt Ingendaay ganz im Sog des "intensiven Genusses", den ihm die Lektüre bereitet hat, den biografischen Roman als "ergreifenden Studie über das wechselseitig parasitäre Verhältnis von Einsamkeit und Kreativität" auszuweiten. Tolbin benutze alle bekannten Quellen, aber er wähle klug daraus aus, lasse weg, und benutze auch Zitate eher unauffällig. Trotzdem meint der Rezensent, hier dem "wahren Henry James" zu begegnen. Auch bewundert Ingendaay Tolbins Fähigkeit, in seiner Schilderung auch die Atmosphäre zu erschaffen, aus der James Bücher und Erzählungen geworden sind. Selbst das diffizile Erotikthema bewältige der Autor ohne den Schatten der Indiskrtetion. Die "zwei, drei homoerotischen Szenen" des Buches sind für den Rezensenten sogar von "rätselhafter Schönheit". Peinlich wirke nicht mal, was eigentlich immer peinlich sei - nämlich den Autor beim Vornamen zu nennen. Hier führt es sogar dazu, dass "Henry" schon im zweiten Kapitel das Herz des Rezensenten gewinnen kann. Auch die Übersetzung wird in den allgemeine Jubel miteingeschlossen.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.08.2005

Der Rezensent Lothar Müller zeigt sich hingerissen von Colm Toibins "Porträt des Meisters in den mittleren Jahren", das fünf Jahre (von 1895 bis 1899) im Leben des Schriftstellers Henry James nachzeichnet und sich dabei besonders für James als krisenbehaftete "Figur des Interieurs" interessiert. Dabei, so der Rezensent, schwebe Toibin jedoch nicht vor, eine klassische Henry-James-Biografie zu schreiben, sondern, wie der Rezensent es nennt, "etwas Vermesseneres", nämlich so von Henry James erzählen, als sei er einem seiner eigenen Romane entsprungen. Wie der Rezensent klarstellen möchte, betreibe Toibin jedoch keinerlei stilistische "Mimikry", seine Sprache sei aber dennoch, in ihrer "Neigung zur Akzentuierung alles Dramatischen durch seine scheinbare Dämpfung", eine Hommage an James. Toibin, so das Fazit des Rezensenten, verstehe sich vorzüglich darauf, James' spezielle Kunst, "das Verschwiegene des Lebens - und das nicht gelebte Leben", darzustellen, zu würdigen und für den Leser zu beschwören.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Bücher von Lesern empfohlen

Buch: Die Anatomie der SchwermutRobert Burton: Die Anatomie der Schwermut
Aus dem Englischen und mit einem Essay von Ulrich Horstmann. Burtons Riesenwerk handelt von einem Leiden, das jeder ...

Buch: KeeperMal Peet: Keeper
Aus dem Englischen von Eike Schönfeld. In einer Zeitungsredaktion sitzen sich zwei Männer gegenüber: ...

Archiv: Bücherschauen

Vexierspielkünstler

20.03.2010: Die FAZ hat Denis Johnsons Thriller "Keine Bewegung!" gelesen und freut sich über das Gespür des Autors für kriminelle Loser. Die FR folgt der zehnjährigen Dora durch Jacques Roubauds Abenteuer und Geheimnis verheißenden "Verwilderten Park". Sehr anregend findet die NZZ Eric Hobsbawms Buch über "Globalisierung, Demokratie und Terrorismus". Die taz spürt einen Hauch von Erlösung in Don DeLillos Roman "Der Omega-Punkt". Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Francois Walter: Katastrophen

15.03.2010: Für die Natur gibt es keine Katastrophen, nur für die Menschheit. Der Schweizer Historiker Francois Walter hat eine Kulturgeschichte ihrer Bewältigung geschrieben und der Sinnsuche des Menschen: Strafe Gottes, Prüfung der Gottesfürchtigen sowie Ansporn zu neuen technischen Entwicklungen. Hier eine Leseprobe aus "Katastrophen". Mehr lesen

Betina Gonzalez: Nach allen Regeln der Kunst

11.03.2010: Im Erstlingsroman der Argentinierin Betina Gonzalez begibt sich eine Tochter auf die Suche nach den Spuren ihres Vaters, eines mittelmäßigen Bildhauers, und nimmt Kontakt mit seinen Geliebten auf. Hier eine Leseprobe aus "Nach allen Regeln der Kunst". Mehr lesen

Necla Kelek: Himmelsreise

08.03.2010: Passend zum 8. März: Necla Kelek kämpft in ihrem neuen Buch für eine aufgeklärte Lesart des Koran, informiert über Entstehung und Hintergründe und stellt fest: Auf den Koran kann sich nicht berufen, wer für Kopftuch und fünf Pflichtgebete am Tag plädiert. Lesen Sie hier ein Kapitel aus "Himmelsreise". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren