Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Die Liebe - sie umgarnt, verführt, stürzt ins Verderben, sie lockt, lässt die Welt aufleuchten in einem jähen Schein, dann dreht sich die Kugel, und wir fallen ins Dunkel zurück. Seit es Literatur gibt, wird die Liebe in allen ihren Facetten besungen, den sehnsüchtigen und glutvollen, den zarten und rasenden, doch kaum je so grandios, wie Shakespeare es in seinen Sonetten getan hat. In immer neuen Bildern bannt er das Flüchtige: Schönheit, Glück, Erfüllung, hebt es so auf in der Dichtung, für die Ewigkeit. Auf jedes Wort kommt es dabei an, denn aus den einzelnen Leitwörtern entfaltet sich das Sonett, sein Gedanke. Klaus Reichert wagt es in dieser zweisprachigen Ausgabe als erster Übersetzer, auf den Endreim zu verzichten, um so feine und feinste Sinnnuancen zu retten.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.12.2005
Im Gegensatz zu Wolf Biermanns lyrisch-freien Nachdichtungen der Shakespeare-Sonette "begnügt" sich der emeritierte Anglistikprofessor und "renommierte" Übersetzer Klaus Reichert mit einer nah am Original orientierten Prosaübertragung, informiert Stefana Sabin. Reichert beschäftige sich mit den diversen Bedeutungen des englischen Originalvokabulars und versuche die Sprachmelodie zu bewahren, indem er mit der deutschen Sprache arbeitet und "invertiert, elidiert und kontrahiert". Reichert wolle die Sonette nicht nur übertragen, sondern dem Leser auch kulturgeschichtliche und philologische Erkenntnisse rund um Shakespeares Sonette vermitteln, was ihm mit seinen Anmerkungen laut Sabin wohl auch gelingt. Mit seinem "philologischen Ehrgeiz" habe Reichert zwar keine lyrische Wiedergeburt Shakespeares im Deutschen vollbracht, aber - und das schätzt die Rezensentin als keineswegs gering ein - die "sprachliche Komplexität" und die "Nüchternheit" der Vorlage erhalten.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.08.2005
Die erste vollständige Prosa-Übersetzung aller 154 Sonette Shakespeares bietet vorliegender Band des renommierten Anglisten und Übersetzers Klaus Reichert, berichtet Rezensent Kurt Tetzeli von Rosador. Als das vorrangige Ziel Reicherts nennt er dessen Intention, den Texten relative Eigenständigkeit zu verleihen, um ein entautomatisiertes Lesen und Verstehen zu erreichen und die Texte "dem Unerhörten und Fremden, dem Widerspenstigen und Unruhigen" (Reichert) zu öffnen. Diese Intention sieht Tetzeli von Rosador bei Reichert durch Zweierlei zumindest teilweise durchkreuzt. Zum einen durch die Druckanordnung des Textes - zweisprachig, Shakespeare links, Reichert rechts -, durch die die Lektüre automatisch vergleichend wird, womit die Übersetzung an Eigenständigkeit verliert. Zum anderen durch Reicherts Rhetorik, den Einsatz von Inversionen, Elisionen, Emphasen, erlesenen Wörter und nicht zuletzt Reimen. Der Rezensent sieht darin genau die Mittel, "mit denen die Epigonen der Romantiker ihre Texte gefühliger gemacht, sie 'poetisiert' haben". Sie schafften jenes Wohlgefühl, "das sich im Wissen suhlt, Poesie vor sich zu haben, und das den Verstand benebelt." Allerdings räumt Tetzeli von Rosador ein, dass Reicherts Übersetzungen als Gegengewicht auch "ausreichend Sperriges" in Wortwahl, Syntax und Rhythmus zu bieten haben. Mit der Antwort auf die Frage, für wenn denn nun diese Übersetzungen gedacht seien, schließt der Rezensent: "Für niemand, der Fertiges will, sei es Verständnishilfe oder Prosagedicht. Für alle, denen Sprachexperimente wichtig sind, denen auch das Unzulängliche Ereignis zu werden vermag."
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