Aus dem Italienischen von Victoria Lorini. Tizians Lebensbeschreibung ist innerhalb der Vite Vasaris ungewöhnlich: Sie behandelt einen (damals etwa 70jährigen) Lebenden, freilich einen berühmten, den Ariost wie Aretino priesen, der für viele Päpste arbeitete, für die della Rovere wie die Gonzaga, vor allem aber für Kaiser Karl V., den er immer wieder porträtierte, auch als Ganzfigur. Wohl vermerkt Vasari - als Toskaner - mit Genuss Michelangelos kritische Äußerung nach einem Besuch in Tizians Atelier, "dass man in Venedig nicht gut zeichnen lerne". Aber zugleich rühmt er sein Talent, seine reichen Farben und besonders seine Porträtkunst: "Auf diesem Gebiet ist er wirklich herausragend."
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.08.2005
Erfreut zeigt sich Andreas Tönnesmann über diese Ausgabe von Giorgio Vasaris Biografie Tizians, die jetzt als weiterer Band in der neuen deutschen Vasari-Edition neben der Autobiografie und auf demselben editorischen Niveau erschienen ist. Deutlich gibt Tönnesmann zu verstehen, dass er an Vasaris Biografie Tizians mehr Gefallen findet als an seiner Autobiografie. Was insbesondere daran liegt, dass Vasari im Blick auf Kollegen oft die "zwanglosere, mitunter gar elegante Vermittlung" seiner Botschaft gelinge. In der Vita Tizians sieht er denn auch ein "konkurrenzlos schönes Beispiel für Vasaris Kunst des versteckten Tadels". So hebe Vasari etwa hervor, Keiner male Porträts wie Tizian. "Aber eben nur Porträts, soll sich der Leser denken", kommentiert Tönnesmann, "nicht Historienbilder, die in Vasaris Gunst viel höher rangieren".
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