Herausgegeben von Werner Morlang. Als der junge Elias Canetti 1921 in Zürich, wo er fünf Jahre lang das Gymnasium besucht hatte, verlassen musste, empfand er diese Zumutung als Vertreibung aus dem Paradies. Fünfzig Jahre später ist er in diese "Stadt, an der ich sehr hänge", zurückgekehrt und hat in ihr bis zu seinem Tod 1994 gelebt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.07.2005
Rezensentin Pia Reinacher hat einen leicht zwiespältigen Eindruck von diesem Erinnerungsband, den der Germanist Werner Morlang zusammengetragen hat. Zwar hat sie unter den vierundzwanzig Erinnerungsprotokollen "witzige Anekdoten, scharfsinnige Beobachtungen" und "amüsante Schilderungen" von Alltagsbegegnungen verschiedenster Personen mit Elias Canetti gelesen. Aber eben auch "verschwommene Bilder", deren Relevanz sich aus ihrer Sicht in Grenzen hält und weniger der Wahrheitsfindung, sondern einer nicht sonderlich begrüßenswerten Heiligsprechung des Nobelpreisträgers dient. Auch verdecken Wünsche und Projektionen verschiedener Zeitgenossen aus der Sicht der Rezensentin eher den Blick auf den Dichter, anstatt ein "authentisches Bild" von ihm zu vermitteln. Im Übrigen stört sie stellenweise die redundanten Charakterbeschreibungen Canettis, die "Registrierung des bereits hinlänglich Bekannten", und der zum Ausdruck kommende "schlichte Hang", einen so vielschichtigen Autor auf ein paar "eindeutige Konturen" festzulegen.
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