Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.07.2005
Überzeugend findet Robert Jütte dieses Buch über "Medizin und Christentum in Spätantike und frühem Mittelalter", das Christian Schulze vorgelegt hat. Schulze zeige, wie weit verbreitet der Arztberuf im frühen Christentum war. Jütte hebt hervor, dass das Buch ein Verzeichnis medizinisch tätiger Christen enthält, das alle bisherigen Quellenzusammenstellungen ersetze. Insgesamt 190 Funde in griechischen, lateinischen und koptischen Inschriften sowie in Papyri und der antiken Literatur verdeutlichten, dass die ärztliche Tätigkeit nicht zu den Berufsfeldern zählte, mit denen das junge Christentum moraltheologische Probleme hatte. Der Autor räume mit der Legenden auf, das Ansehen des Arztes im Alten Rom sei niedrig gewesen. Zudem betone er die Rolle von Christen bei der Vermittlung der griechischen Medizin in den arabischen Kulturkreis. "Dieser Perspektivwechsel", resümiert Jütte, "ist angesichts der weitverbreiteten orientalistischen Sicht erfrischend".
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