Perlentaucher - Das Kulturmagazin

Anmelden | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 09.02.2010, 16.23 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Philipp Blom

Das vernünftige Ungeheuer

Diderot, d'Alembert, de Jaucourt und die Große Enzyklopädie

Cover: Das vernünftige Ungeheuer

Die Andere Bibliothek/Eichborn, Frankfurt am Main 2005
ISBN-10 3821845538
ISBN-13 9783821845531
Gebunden, 466 Seiten, 27,50 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Aus dem Englischen von Michael Bischoff. Ein paar junge Leute machten sich anno 1750, um ihre Miete zu bezahlen, an eine bescheidene Arbeit: sie übersetzten ein simples Lexikon aus dem Englischen. Im Lauf der Zeit wuchs sich dieses Vorhaben zum größten verlegerischen Unternehmen des Jahrhunderts aus, zu einem Werk, das derart gefährlich und subversiv war, dass seinen Urhebern das Gefängnis, wenn nicht gar die Hinrichtung drohte. Die Zensur war ihnen ständig auf den Fersen, und der Papst belegte es mit dem Kirchenbann. Am Ende lagen 27 Bände mit 72.000 Artikeln, 16.500 Seiten, 2.900 Illustrationen und 17 Millionen Wörtern vor. Die Autoren der Encyclopedie zählten zu den größten Geistern ihrer Zeit. Neben den Herausgebern Diderot, d'Alembert und de Jaucourt waren Voltaire, Rousseau und hunderte von andern mit von der Partie.

Möchten Sie dieses Buch kommentieren?

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.12.2005

Philipp Blom biete keine neuen Hintergrundsgeschichten und Erkenntnisse, so Rezensentin Sonja Asal, dafür aber eine "leichthändig" und zugleich "spannend" geschriebene Darstellung zur Entstehung der Großen Enzyklopädie. Die ursprünglich eigentlich ganz klein geplant gewesen sei, als nur zwei Bände umfassende Übersetzung eines englischen Lexikons. Der Autor, so Asal, erzähle die Geschichte der Enzyklopädie und damit der Aufklärung mit Fokus auf die hohen und niederen Motivationen von Einzelpersonen. Darüber gerate zwangsläufig der Blick auf "die Ideengeschichte" in den Hintergrund, beispielsweise das Denken von Jean-Jaques Rosseau. Seine Person tauche gleichwohl auf, jedoch als eine von vielen "schablonenhaft gezeichneten Gestalten". Dagegen gebe der Autor ein überaus "kunstvolles" Panorama der Stadt Paris. Als Orientierungshilfe für Schubladenliebhaber oder Bibliothekare beschreibt die Rezensentin Bloms Buch als "Synthese" von Biografie (Denis Diderot), Entstehungsgeschichte und Darstellung des Verlagswesens.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.07.2005

Rezensentin Ursula Pia Jauch wirft zunächst die Frage in den Ring, ob die Geschichte der Enzyklopädie überhaupt noch einmal mit Gewinn erzählt werden könne, um sie dann mit ihrer Besprechung als einziges großes "Ja" zu beantworten. Denn Philip Blom bereichere die bereits immense Enzyklopädie des Wissens über die große Enzyklopädie um die "seelischen Narben" und kleinen Alltagsdetails derjenigen, die sie geschrieben hätten. So seien auch neue Gewichtungen entstanden wie bei der Frage nach der Freilassung Diderots. Nicht allein die bekannten wirtschaftspolitische Sachzwänge seien hier Ausschlag gebend gewesen, sondern auch, dass Diderot "schwach" und "geständig" geworden sei. Solche Details, berichtet die Rezensentin, machten aus Bloms Darstellung eine "Art Wissenschaftsroman". Schon im Untertitel hebe Blom außerdem den "verkanntesten Hauptlieferanten" Chevalier de Jaucourt hervor, der über siebzehntausend Artikel geschrieben habe, insbesondere den legendären über die Sklaverei. Nur manchmal, zückt die Rezensentin zuletzt doch den Kritikerstift, verliere sich Bloms "leicht und spannend" zu lesende Darstellung in "allzu sehr Bekanntem".

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Bücher von Lesern empfohlen

Buch: Havanna im SpiegelAlma Guillermoprieto: Havanna im Spiegel
Aus dem Spanischen und Englischen von Matthias Wolf. 1970 verließ die junge Mexikanerin Alma Guillermoprieto ...

Buch: Klar bin ich eine Ost-Frau!Martina Rellin: Klar bin ich eine Ost-Frau!
Martina Rellin hat sich mit Frauen aus dem Osten darüber unterhalten, was sie wirklich bewegt, wie sie ihr ...

Archiv: Bücherschauen

Das Gegenglück, der Geist

09.02.2010: Großer Bahnhof für J.M. Coetzee: Zu seinem Siebzigsten preisen FAZ, FR, NZZ und SZ den neuen autobiografischen Roman "Sommer des Lebens" als "grandios", "raffiniert" und "wahrste, kühnste und unterhaltsamste Literatur". Sehr lieb ist der NZZ die Anti-Hysterie von Arno Geigers Eheroman "Alles über Sally". Die taz feiert Amir Hassan Cheheltans großartigen Roman "Teheran Revolutionsstraße". Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Christopher Isherwood: Löwen und Schatten

08.02.2010: Großartig erzählt Christopher Isherwood in "Löwen und Schatten" von seiner Schul- und Studienzeit in London und Cambridge in den zwanziger Jahren, von seinen ersten Schreibversuchen und seinen ersten Freunden und Liebhabern. Hier eine Leseprobe. Mehr lesen

Miljenko Jergovic: Freelander

01.02.2010: Karlo Adum heißt der Held in Miljenko Jergovics neuem Roman "Freelander". Er ist ein pensionierter Lehrer und begibt sich eher widerwillig auf eine Irrfahrt durch Kroatien nach Bosnien und Herzegowina. Zu einer Testamentseröffnung. Lesen Sie hier einen Auszug.
Mehr lesen

Alain Mabanckou: Black Bazar

25.01.2010: Alain Mabanckou erzählt in seinem Roman "Black Bazar" sehr selbstironisch von den Träumen afrikanischer Männer, die in Paris ihr Glück suchen. Und hin und wieder auch einen Rückschlag verschmerzen müssen. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen

Archiv: Buchautoren