Aufstände im Ostblock

Zur Krisengeschichte des realen Sozialismus
Cover: Aufstände im Ostblock
Ch. Links Verlag, Berlin 2004
ISBN 9783861533283
Kartoniert, 344 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Im Auftrag des Instituts für Zeitgeschichte München/Berlin und des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam herausgegeben von Hendrik Bispinck, Jürgen Danyel, Hans Herman Hertle und Hermann Wentker. Ausgehend von neuen Erkenntnissen zum Aufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR und seinem unmittelbaren historischen Umfeld ordnen die Autoren die vielfältigen Protestaktionen in den anderen ost- und mitteleuropäischen Staaten in eine Krisengeschichte des realen Sozialismus ein.So werden die Juni-Erhebung und ihre Nachwirkungen mit anderen Konflikt- und Krisenkonstellationen in Beziehung gesetzt. Dies reicht vom Volksaufstand in Ungarn 1956 über den Prager Frühling 1968, die Streikbewegungen in Polen bis zu den friedlichen Revolutionen 1989/90.Behandelt werden die Fehlentscheidungen in der Wirtschaftspolitik, die Vernachlässigung wichtiger sozialer Gruppen, das fehlende Instrumentarium einer tauglichen Krisenprävention, die inneren Auseinandersetzungen in den kommunistischen Führungsgremien, die Rolle der Sicherheitsdienste und die Schlußfolgerungen der Moskauer Zentrale mit den sich daraus ergebenden neuen Strategien. In einem gesonderten Teil wird nach der Einflußnahme durch den Westen gefragt und die Rolle der Medien untersucht, auch die Reaktionen im Westen finden hier Eingang. Mit dem vorliegenden Band wird ein Versuch unternommen, die Ereignisse in der DDR aus ihrer bislang isolierten Betrachtung zu lösen und in einen vergleichenden historischen Kontext zu stellen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.07.2005

Aufschlussreich findet Rezensent Joachim Scholtyseck diesen Sammelband, der die Aufstände im Ostblock in vergleichender Perspektive untersucht. Wie er berichtet, betrafen die Krisen der Jahre 1953, 1956, 1968 und 1980/81 nicht nur das jeweilige Land, sondern waren, wie die Herausgeber betonen, zugleich "Krisen des gesamten sowjetischen Imperiums". Die einzelnen Beiträge werden nach Ansicht Scholtysecks ihrer Absicht gerecht, die nationalgeschichtliche Perspektive zu überwinden und die Aufstände stärker in den europäischen Kontext der Nachkriegszeit einzuordnen. Etwas verwundert zeigt er sich allerdings über Überlegungen zum schwierigen Verhältnis zwischen der SED und den Schwerbeschädigten in der DDR, die er im Kontext des Band deplatziert findet. Er hebt hervor, dass der Band trotz der ausufernden Literatur zum Thema "einige neue Erkenntnisse" liefert, etwa in Bezug auf den Aufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR. Hermann Wentker zeige in einem grundlegenden Beitrag, dass die alles entscheidende militärische Macht der Sowjetunion im Lauf der Zeit immer zögerlicher eingesetzt wurde. Jürgen Danyel zeige auf, dass die kommunistischen Machthaber in der DDR, in der Tschechoslowakei und in Ungarn durchaus lernfähig waren. Einem Wunsch Scholtysecks kommen die Beiträge nicht nach - einer kritischeren Untersuchung des Anteil der Aufständischen am Niedergang und Fall des kommunistischen Systems.

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