Die Motive auf Bill Jacobsons Fotografien entziehen sich dem Begehren des Betrachters: Unscharf, diffus und extrem atmosphärisch, vermögen wir auf ihnen nur mehr die Umrisse von Straßenszenen, Landschaften oder menschlichen Figuren zu erkennen. In dunklem oder hellem Nebel verschwindend, widersprechen diese Schemen dem Diktum, Fotografie hätte abzubilden, was ist und sei eine verlässliche Gedächtnisstütze. Jacobsons Bilder sprechen dagegen von der nur mehr vagen Erinnerung, von Verschwinden und Vergessen, von Endlichkeit und dem Aufgehen des Körpers in seiner Umgebung. Bill Jacobsons jüngste Arbeiten, die der Band vorstellt, beziehen sich zwar auf zwei frühere Serien aus den 1990er Jahren, die als direkte Reaktionen auf die Aids-Epidemie entstanden sind; die Grundhaltung dieser neuen Fotos ist jedoch offener und universeller. In englischer Sprache.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 29.06.2005
Rezensent Daniel Kothenschulte kann seine überschwängliche Begeisterung für Bill Jacobsens "Photographs" nur in Worte malen. Er nennt ihn einen "Lichtbildner, wie es nur je einen gegeben hat" und führt große Namen der Malerei und der Fotografie ins Feld, um Jacobsens spezifische Kunst der "Unschärfe" scharf zu stellen. Edward Hopper, William Eggleston, Alfred Stieglitz und "insbesondere" Karl Strauss mit seiner "Liebe zum Dämmerlicht" werden vors geistige Auge geführt als Assoziationen für den gewissen "Blick nach innen", der Jacobsen auszeichne. Dem Hörensagen nach habe der Künstler eine Neigung zur ostasiatischen Philosophie, kolportiert Kothenschulte. "Was sonst nur die Maler hinbekommen" könne der Leser bei diesem "grandiosen Bildband" betrachten, wenn der "Moment durch Dauer ersetzt" wird.
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