Aus dem Amerikanischen von Ursula Locke-Gross und Sabine Hübner. Sie kam 1933 als 24jährige Tochter des amerikanischen Botschafters nach Berlin - und Martha Dodd fand die Nazis wunderbar. Sie lernte die Führungsriege der Herrenmenschen bei den Botschaftsempfängen aus ganz anderer Perspektive kennen als offizielle Diplomaten, sie verkehrte privat mit Hitlers Pressechef Ernst "Putzi" Hanfstaengl und Rudolf Diehls, dem Chef der Gestapo. Hitler wurde sie vorgestellt, als der auf Brautschau war - doch da hatte Martha Dodd die Wahrheit über das faschistische Deutschland längst entdeckt. Die Botschaft wurde abgehört, Bekannte verschwanden in den Kerkern der Gestapo, das kulturelle Leben verödete völlig - und Martha Dodd wandelte sich zur entschiedenen Gegnerin der Nazis. In ihrem 1939 auf englisch erschienenen Buch sagte sie klar voraus, was die Nazis wollen: den Krieg und ein völlig judenfreies Europa.
Unser Rezensent Volker Ullrich begrüßt diese erstmals vollständige deutsche Ausgabe von Martha Dodds Berliner Erlebnissen aus den dreißiger Jahren, auch wenn er sie mitnichten als - er zitiert den Verlag - "'einzigartiges Dokument der Zeitgeschichte'" eingestuft wissen will. Marthas Vater, William Edward Dodd, war von 1933 bis 1937 US-Botschafter in Deutschland, sie selbst eine 24-jährige Literaturkritikerin, die mit ihren hier vorliegenden "pointierten Impressionen ... ihr literarisches Talent unter Beweis stellen wollte", wie Ullrich mitteilt. Am interessantesten seien Dodds Schilderungen von Pressevertretern und Diplomaten, die sie näher kennengelernt hatte. Hier paare sich ein "scharfer Blick für äußere und charakterliche Eigenarten" mit einer "gewissen Lust an der Indiskretion", heißt es in der Rezension. Insgesamt aber sei das Buch von einer derartigen Naivität, mitunter gar von "stupenden Fehlwahrnehmungen" durchdrungen, dass sich ein vorsichtiger Genuss empfehle. Doch geht Ullrichs Kritik hier weniger an die Adresse der Autorin als an die des Eichborn Verlags, der den Text unverzeihlicherweise unkommentiert gelassen und nicht einmal die gröbsten Fehler und Irrtümer korrigiert habe.
Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Florian Illies: Träume aus Feuer Tauchen wir ein in die großen Träume eines großen Mannes: Johannes Kunckel ist ein Magier und Alchemist, der daran glaubt, Gold zaubern zu können. Der brandenburgische Kurfürst…