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zuletzt aktualisiert 09.02.2010, 16.23 Uhr

Bücher der Saison

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Rainer Werner Fassbinder

Im Land des Apfelbaums

Gedichte und Prosa aus den Kölner Jahren 1962/63

Cover: Im Land des Apfelbaums

SchirmerGraf Verlag, München 2005
ISBN-10 3865550193
ISBN-13 9783865550194
Gebunden, 192 Seiten, 19,80 EUR

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Klappentext

Herausgegeben von Juliane Lorenz und Daniel Kletke. Rainer Werner Fassbinder, würde am 31. Mai 2005 sechzig Jahre alt werden. Aus diesem Anlass erscheinen erstmals die Gedichte und Prosastücke, die er als Sechzehnjähriger im Kölner Exil geschrieben hat.

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Rezension Perlentaucher

Wer den noch jüngeren Fassbinder kennen möchte, der wird seine Gedichte und Prosatexte aus den Jahren 1962 und 1963 lesen, die in dem Band "Im Land des Apfelbaums" versammelt sind. Fassbinders Texten sind ergreifende Zeilen von Susan Sontag vorangestellt, in denen es heißt: "Der eindringliche Stil, die reine und nahezu einzigartige Sprache des jungen Fassbinder, der in seinen Gedichten und Kurzgeschichten nach einem eigenen Ausdruck ringt, haben mich tief beeindruckt. Ich bedaure es, nicht mehr Zeit zu haben, um meinen Gedanken Ausdruck zu verleihen. Im Angesicht meiner eigenen Sterblichkeit werde ich, entgegen meiner Absicht, am Ende doch nicht in der Lage sein, der endgültigen Übersetzung beratend zur Seite zu stehen. Ich wünschte, ich könnte mich weiterhin an Fassbinders unglaublichem Talent als Dichter und Erzähler erfreuen. Meine Gedanken gehören den zukünftigen Lesern und Cineasten, die ich ermuntere, seine ersten literarischen Schätze zu lesen...
Lesen Sie mehr in Arno Widmanns 'Vom Nachttisch geräumt'

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.08.2005

Aufmerksam hat Dorothea Dieckmann die Aufzeichnungen und Bilder des jugendlichen Rainer Werner Fassbinder gelesen und erkennt darin nicht nur ein Sprachrohr für alle verwirrten und ungestümen Teenager, sondern das überdauernde "Genie" des 1982 verstorbenen Regisseurs. Das von Juliane Lorenz, Leiterin der Fassbinder-Foundation, und Daniel Kletke herausgegebene Buch enthält zwei Hefte, die Fassbinder mit 16 und 17 Jahren als Weihnachtsgeschenk für seine Mutter aufwändig zusammengestellt und illustriert hat. Hefte, wie wir lesen, voller Wut, Rebellion, Trauer und Liebe. Die Rezensentin ist nachsichtig gegenüber den unsauberen Versmaßen und "verunglückten Bildern" und ahnt die Motive der zukünftigen Werke des Pubertierenden, findet aber am Ende "doch nur das Erwartete: das 'Noch-nicht' eines vollen jugendlichen Herzens". Aber trotz dieser Erkenntnis ist dieses Buch nicht nur ein weiteres Objekt für den Altar aller Fassbinder-Anhänger, betont Dieckmann. Ganz im Gegenteil, erfährt sie nämlich etwas über "die Entstehung der Kunst diesseits von Literaturinstitutionen" und ist, abgesehen von Susan Sontags Vorwort rundum zufrieden.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.06.2005

Rezensent Daniel Kothenschulte fragt sich vor der Lektüre dieser frühen Gedichte und kurzen Texte Rainer Werner Fassbinders, ob es überhaupt Sinn macht, sich mit einem Frühwerk zu beschäftigen, das eigentlich, bei einer "vernünftigen" Lebenserwartung, nur der Auftakt zu etwas weit Bedeutenderem gewesen wäre. Die Lektüre des 17/18-jährigen Fassbinders lohne sich aber dann doch, auch wenn es sich um "Pennälerlyrik" handele. Denn der spätere Regisseur sei darin durchaus schon zu erkennen: Kothenschulte erspäht auch in diesen Texten die "real existierende Melodramatik", mit denen der Filmemacher Jahre später sein Publikum aus dem "coolen Spätmodernismus" aufschrecken wollte.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.05.2005

Als Entdeckung und Geschenk für die Leser feiert Rezensent Albert Ostermaier diesen Band mit Gedichten, Hörspielen und Prosatexten, die Rainer Werner Fassbinder als Sechzehn- bzw. Siebzehnjähriger verfasst und in einer selbstgebundenen Sammlung seiner Mutter geschenkt hat. Darin hat sich Fasssbinder dem Eindruck des Rezensenten zufolge seinen frühen Hass, die Wut, Liebeskrankheit, Leidenschaft und fressende Angst von der Seele geschrieben. Zwar seien manche Reime noch kreuzbrav und manches Gedicht "ohne Fassbinderbrille" einfach nur Jugendlyrik. Auch sieht er die Vorbilder noch mitschreiben, am meisten den jungen Brecht. Trotzdem beeindruckt Fassbinders frühe Lyrik den Rezensenten immer wieder durch ihre schlampige Lässigkeit. Der Titel ist in seinen Augen ein Meisterwerk. Die eigentliche Sensation des Bandes aber sind für ihn die Prosatexte, und deren "rauhe Nüchternheit", Präzision, verstörende Kälte, Brutalität und Zärtlichkeit. Auch die Briefe der Mutter konnten ihn mit ihrer bewegenden Einfühlsamkeit beeindrucken. Die Herausgeber werden für die liebevolle Edition gelobt, die "wunderbar ausgewählten" und faksimiliert abgedruckten Typoskripte und Manuskriptseiten sowie einige "großartige" Fotografien des jungen Fassbinder.

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