Karl Viktor von Bonstetten (1745-1832) ist Goethe durch seine Lebensdaten wie durch die Universalität seines Geistes und sein weltweites Beziehungsnetz ähnlich. Sainte-Beuve hat ihn als esprit cosmopolite, europeen porträtiert. Seiner Mehrsprachigkeit, seiner Kultur der Konversation, dem weiten Horizont seines Intellekts sowie seiner geistigen und politischen Liberalität ist es zu verdanken, dass Bonstetten in höherem Alter in Genf von ganz unterschiedlichen Menschen aus aller Welt aufgesucht wurde und dass seine Briefkorrespondenz ins Unermessliche wuchs. Er gilt heute als Leitfigur für die Erforschung der europäischen Übergangszeit zwischen dem Ancien regime und der Moderne.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.04.2005
Wie immer in "gediegener Ausstattung" und "hervorragend kommentiert" kommen zwei neue Bände der Korrespondenz von Karl Viktor von Bonstetten daher, aus den Jahren vor der Französischen Revolution, endend mit Bonstettens Beförderung zum Landvogt von Nyon, seinem höchsten Amt. Ursula Pia Jauch hat folgende Schwerpunkte ausgemacht: Bonstettens Ärger über die oligarchische Ignoranz der Berner Stadtoberen, seine konzpetuellen Bemühungen um eine Schweizer "Nationalbildung" und das Auf und Ab der freundschaft zum Historiker Johannes von Müller, dem er erst auf die Beine half, bevor dieser schließlich mit ihm brach. Alles in allem: die Briefe eines sensiblen und klugen politischen Kopfes.
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