Was garantiert den Bestand des Staates und das Fortleben der Gesellschaft? Dieser heute wieder so drängenden Frage hat der italienische Philosoph und Theologe Antonio Rosmini (1797-1855), "der Görres Italiens", sein politisches Hauptwerk "Philosophie der Politik" gewidmet. Er entwickelt das Modell der zivilen Gesellschaft, die freiheitlich, aber auch bindungsfähig, fortschrittlich, aber auch traditionsbewusst sein soll. Vor allem erinnert Rosmini daran, dass Staat und Politik keinen anderen Zweck haben, als dem Glück des Menschen zu dienen, indem sie die Rahmenbedingungen für dessen Entfaltung sicherstellen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.04.2005
Überzeugend findet Rezensent Gerd Roellecke diese Studie über Antonio Rosmini-Serbatis (1797-1855) "politische Philosophie der zivilen Gesellschaft", die Christiane Liermanns vorgelegt hat. Liermanns Intention, die Bedeutung des in Italien als "italienischen Kant" geltenden, in Deutschland kaum bekannten Theologen aufzuzeigen, ist ihr nach Roelleckes Einschätzung "vortrefflich gelungen" - "auch handwerklich und formal". Bei der Argumentation Rosminis fühlt sich Roellecke immer wieder an Hegel und die Systemtheorie erinnert. Er betont Rosminis strikte Trennung zwischen Kirche und Staat. Als "Hirtenwort an die deutschen Bischöfe" bezeichnet er dessen Auffassung, der Staat dürfe der Kirche nur die gleichen Rechte gewähren wie allen anderen Bürgern, da eine staatliche Förderung der Religion eher schade. Überaus modern erscheint Roellecke auch Rosminis Kritik des Gleichheitsdogmas, des Mehrheitsprinzips, des Nutzenkalküls und damit des Fortschrittsglaubens.
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