Perlentaucher - Das Kulturmagazin

Anmelden | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 09.02.2010, 14.07 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Chimamanda Ngozi Adichie

Blauer Hibiskus

Roman

Cover: Blauer Hibiskus

Luchterhand Literaturverlag, München 2005
ISBN-10 363087181X
ISBN-13 9783630871813
Gebunden, 318 Seiten, 21,90 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Aus dem Amerikanischen übersetzt von Judith Schwab. Eine Tochter aus gutem Hause entdeckt die Welt - das Haus liegt inmitten von Hibiskus, Tempelbäumen und hohen Mauern, die Welt dahinter ist das von politischen Unruhen geprägte Nigeria. Die 15jährige Kambili erzählt von dem Jahr, in dem ihre Familie auseinanderfiel, ihr Land im Terror versank und ihre Kindheit zu Ende ging.

Möchten Sie dieses Buch kommentieren?

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.05.2005

 Ins Schwärmen gerät Ludwig Fels bei diesem Roman der nigerianischen Autorin Chimamanda Ngozi Adichie, Jahrgang 1977, die mal nicht das gewohnte Klischeebild vom armen oder exotischen Afrika bedient, wie er aufatmend schreibt, sondern, auch nicht viel erbaulicher, das ganze "zwischenmenschliche Elend" einer nigerianischen Upper Class-Familie aus Perspektive eines heranwachsenden Mädchens erzählt. Der Vater ist ein Psychopath, ein Tyrann, der nach außen als Systemkritiker auftritt, aber die Familie mit pseudoreligiösen Vorschriften und Gewaltandrohungen quält. Schinderei, die sich als Liebe, Quälerei, die sich als Erziehung ausgibt, so sieht es Fels, der froh ist über dieses anrührende und verstörende Buch, das mit seiner Wärme, Lebendigkeit, Dramatik und Ambitioniertheit "streckenweise verstummen macht". Einerseits rufe Adichie die Sinnlichkeit der Kindheit in Erinnerung, freut er sich, während sie zugleich die innerfamiliären Beziehungen genau unter die Lupe nehme und uns ein durchaus realistisches Bild vom heutigen Nigeria vermittele.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.03.2005

Kritisch geht Rezensent Tobias Döring mit Chimamanda Ngozi Adichies Debüt-Roman "Blauer Hibiskus" ins Gericht. Angesiedelt in den frühen neunziger Jahren im christlichen Süden Nigerias erzähle Adichie aus der Perspektive einer wohlerzogenen Tochter aus gutem Haus über das Erwachsenwerden in einer Familie, deren erzkatholisches Oberhaupt ein brutaler Tyrann ist. Nun gehen Geschichten über häusliche Gewalt nach Ansicht Dörings jedem an die Nieren. Im vorliegenden Fall aber stört ihn, dass die Autorin dies "ganz gezielt in ihr Kalkül aufnimmt". Die junge Nigerianerin, Jahrgang 1977 und seit 1998 in den Vereinigten Staaten lebend, habe in den Creative-Writing-Seminaren zwar gut aufgepasst und sich genau gemerkt, wie man so eine Sache angeht, befindet Döring. Ihre erzählerischen Mittel aber blieben hinter der gefühlten Absicht weit zurück. Das Handlungsschema kritisiert Döring als voraussehbar, die Konfliktlinien als "schnittmusterhaft", den Einsatz von Symbolischen als "lehrbuchmäßig", die Charaktere als "holzschnittartig". Dass die Autorin "unübersehbar" Anschluss an die große Romankunst ihres Landes sucht, kann ihren Roman nach Einschätzung Dörings auch nicht retten: "Welten trennen die subtilen Erzählgeflechte und Figurenkonstellationen eines Achebe und anderer nigerianischer Autoren auch der jüngeren Generation von der kunstgewerblichen Collage Adichies, die darauf angelegt zu sein scheint, das Erwartungsrepertoire an afrikanische Romane - Masken, Mütter, Mythen und Gewalt - artig zu bedienen."

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Mehr Bücher aus dem Themengebiet

Bücher von Lesern empfohlen

Buch: Havanna im SpiegelAlma Guillermoprieto: Havanna im Spiegel
Aus dem Spanischen und Englischen von Matthias Wolf. 1970 verließ die junge Mexikanerin Alma Guillermoprieto ...

Buch: Klar bin ich eine Ost-Frau!Martina Rellin: Klar bin ich eine Ost-Frau!
Martina Rellin hat sich mit Frauen aus dem Osten darüber unterhalten, was sie wirklich bewegt, wie sie ihr ...

Archiv: Bücherschauen

Das Gegenglück, der Geist

09.02.2010: Großer Bahnhof für J.M. Coetzee: Zu seinem Siebzigsten preisen FAZ, FR, NZZ und SZ den neuen autobiografischen Roman "Sommer des Lebens" als "grandios", "raffiniert" und "wahrste, kühnste und unterhaltsamste Literatur". Sehr lieb ist der NZZ die Anti-Hysterie von Arno Geigers Eheroman "Alles über Sally". Die taz feiert Amir Hassan Cheheltans großartigen Roman "Teheran Revolutionsstraße". Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Christopher Isherwood: Löwen und Schatten

08.02.2010: Großartig erzählt Christopher Isherwood in "Löwen und Schatten" von seiner Schul- und Studienzeit in London und Cambridge in den zwanziger Jahren, von seinen ersten Schreibversuchen und seinen ersten Freunden und Liebhabern. Hier eine Leseprobe. Mehr lesen

Miljenko Jergovic: Freelander

01.02.2010: Karlo Adum heißt der Held in Miljenko Jergovics neuem Roman "Freelander". Er ist ein pensionierter Lehrer und begibt sich eher widerwillig auf eine Irrfahrt durch Kroatien nach Bosnien und Herzegowina. Zu einer Testamentseröffnung. Lesen Sie hier einen Auszug.
Mehr lesen

Alain Mabanckou: Black Bazar

25.01.2010: Alain Mabanckou erzählt in seinem Roman "Black Bazar" sehr selbstironisch von den Träumen afrikanischer Männer, die in Paris ihr Glück suchen. Und hin und wieder auch einen Rückschlag verschmerzen müssen. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen

Archiv: Buchautoren