Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Amerikanischen übersetzt von Judith Schwab. Eine Tochter aus gutem Hause entdeckt die Welt - das Haus liegt inmitten von Hibiskus, Tempelbäumen und hohen Mauern, die Welt dahinter ist das von politischen Unruhen geprägte Nigeria. Die 15jährige Kambili erzählt von dem Jahr, in dem ihre Familie auseinanderfiel, ihr Land im Terror versank und ihre Kindheit zu Ende ging.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.05.2005
Ins Schwärmen gerät Ludwig Fels bei diesem Roman der nigerianischen Autorin Chimamanda Ngozi Adichie, Jahrgang 1977, die mal nicht das gewohnte Klischeebild vom armen oder exotischen Afrika bedient, wie er aufatmend schreibt, sondern, auch nicht viel erbaulicher, das ganze "zwischenmenschliche Elend" einer nigerianischen Upper Class-Familie aus Perspektive eines heranwachsenden Mädchens erzählt. Der Vater ist ein Psychopath, ein Tyrann, der nach außen als Systemkritiker auftritt, aber die Familie mit pseudoreligiösen Vorschriften und Gewaltandrohungen quält. Schinderei, die sich als Liebe, Quälerei, die sich als Erziehung ausgibt, so sieht es Fels, der froh ist über dieses anrührende und verstörende Buch, das mit seiner Wärme, Lebendigkeit, Dramatik und Ambitioniertheit "streckenweise verstummen macht". Einerseits rufe Adichie die Sinnlichkeit der Kindheit in Erinnerung, freut er sich, während sie zugleich die innerfamiliären Beziehungen genau unter die Lupe nehme und uns ein durchaus realistisches Bild vom heutigen Nigeria vermittele.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.03.2005
Kritisch geht Rezensent Tobias Döring mit Chimamanda Ngozi Adichies Debüt-Roman "Blauer Hibiskus" ins Gericht. Angesiedelt in den frühen neunziger Jahren im christlichen Süden Nigerias erzähle Adichie aus der Perspektive einer wohlerzogenen Tochter aus gutem Haus über das Erwachsenwerden in einer Familie, deren erzkatholisches Oberhaupt ein brutaler Tyrann ist. Nun gehen Geschichten über häusliche Gewalt nach Ansicht Dörings jedem an die Nieren. Im vorliegenden Fall aber stört ihn, dass die Autorin dies "ganz gezielt in ihr Kalkül aufnimmt". Die junge Nigerianerin, Jahrgang 1977 und seit 1998 in den Vereinigten Staaten lebend, habe in den Creative-Writing-Seminaren zwar gut aufgepasst und sich genau gemerkt, wie man so eine Sache angeht, befindet Döring. Ihre erzählerischen Mittel aber blieben hinter der gefühlten Absicht weit zurück. Das Handlungsschema kritisiert Döring als voraussehbar, die Konfliktlinien als "schnittmusterhaft", den Einsatz von Symbolischen als "lehrbuchmäßig", die Charaktere als "holzschnittartig". Dass die Autorin "unübersehbar" Anschluss an die große Romankunst ihres Landes sucht, kann ihren Roman nach Einschätzung Dörings auch nicht retten: "Welten trennen die subtilen Erzählgeflechte und Figurenkonstellationen eines Achebe und anderer nigerianischer Autoren auch der jüngeren Generation von der kunstgewerblichen Collage Adichies, die darauf angelegt zu sein scheint, das Erwartungsrepertoire an afrikanische Romane - Masken, Mütter, Mythen und Gewalt - artig zu bedienen."
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Von Lesern empfohlene Bücher
Homer: Die Odyssee
Die "Mutter aller Erzählungen" - in der Prosafassung von Christoph Martin, erzählt von Dieter ...
Jan Philipp Reemtsma: Vertrauen und Gewalt
Warum sich die Soziologie mit den Phänomenen der Gewalt so schwer tut, ist eine der zentralen Fragen, mit ...
Archiv: Bücherschauen
Dressierte Geschichten über dressierte Gefühle
09.02.2012: Großes Ereignis: Peter Nadas' Jahrhundertroman "Parallelgeschichten" liegt vor und beendet damit das Sandkastenspiel der bürgerlichen Literatur. Die Zeit ist überwältigt. Auch Christian Krachts Roman "Imperium" über den Begründer eines Kokusnussreichs kommt bei ihr sehr gut an. Die FAZ liest Hanna Kralls Erinnerungen "Rosa Straußenfedern". Die NZZ lernt in Bernd Stieglers "Belichtete Augen" alles über die Wunder der Optografie. Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Joan Didion: Blaue Stunden
09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
Maria Sonia Cristoff: Unbehaust
06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen








