Perlentaucher - Das Kulturmagazin

Anmelden | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 20.03.2010, 13.13 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Renate Meinhof

Das Tagebuch der Maria Meinhof

April 1945 bis März 1946 in Pommern - Eine Spurensuche

Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2005
ISBN-10 3455094252
ISBN-13 9783455094251
Gebunden, 189 Seiten, 15,95 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Das Dorf Ducherow - zehn Kilometer südlich von Anklam, 50 Kilometer nordwestlich von Stettin. Von 1931 bis 1951 hatten dort Ernst und Maria Meinhof die Pfarrstelle inne. Nachdem ihre sechs Söhne in den Krieg gezogen waren, begann Maria Meinhof im April 1945 Tagebuch zu führen, um für ihre Kinder aufzuschreiben, was im Haus und im Dorf geschah, während sie an der Front waren. Knapp 58 Jahre später entdeckt ihre Enkeltochter Renate Meinhof, Redakteurin der Süddeutschen Zeitung, diese Aufzeichnungen im Hause ihres Vaters wieder. Sie liest dieses "Tagebuch aus schwerer Zeit", wie Maria Meinhof es genannt hat, das in großer Nüchternheit davon berichtet, wie Hitlers Verbrechen auf die Deutschen zurückschlugen und die Rote Armee den Ducherowern Schrecken brachte, den sie nie vergaßen.

Möchten Sie dieses Buch kommentieren?

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.03.2005

"Solch ein Buch kann man nicht vergessen", glaubt Ulrich Wickert. Das liege zu gleichen Teilen an der Verfasserin Maria Meinhof wie an ihrer Enkelin Renate Meinhof, die das Tagebuchmanuskript um eigenen Recherchen und Schilderungen erweitert. In "alltäglichem Ton" beschreibt Erstere, wie im Frühling 1945 der Krieg in ihr Dorf Ducherow kommt, erst in Gestalt fliehender deutscher Soldaten, dann mit den russischen Besatzern. Wickert beeindruckt die Art, wie Meinhof dabei auf dem Boden bleibe, "keine großen Gefühle, keinen Schmerz und erst recht keinen Hass" zulasse. Mit "außerordentlichem Feingefühl und ungewöhnlichem literarischen Talent" ergänze Renate Meinhof die Aufzeichnungen ihrer Großmutter mit den eigenen Reportagen und Recherchen und erschaffe so ein "Gemälde a la Hieronymus Bosch aus den Tagen des Untergangs". Zudem hilft der Band dem Rezensenten, zwei deutsche Nachkriegsphänomen zu verstehen: warum sich zwischen sowjetischen Soldaten und DDR-Bürgern nie Freundschaften entwickelt haben und warum die Befragung der Tätergeneration im Westen mit so viel Dringlichkeit geführt wurde. 

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Bücher von Lesern empfohlen

Buch: Eine iranische Liebesgeschichte zensierenShahriar Mandanipur: Eine iranische Liebesgeschichte zensieren
Aus dem Englischen von Ursula Ballin. Ein iranischer Schriftsteller ist es leid, immer nur düstere Romane ...

Buch: Dein Gesicht morgenJavier Marias: Dein Gesicht morgen
Aus dem Spanischen von Elke Wehr. "Wollte Gott, dass niemand uns jemals um etwas bittet oder auch nur fragt, ...

Archiv: Bücherschauen

Vexierspielkünstler

20.03.2010: Die FAZ hat Denis Johnsons Thriller "Keine Bewegung!" gelesen und freut sich über das Gespür des Autors für kriminelle Loser. Die FR folgt der zehnjährigen Dora durch Jacques Roubauds Abenteuer und Geheimnis verheißenden "Verwilderten Park". Sehr anregend findet die NZZ Eric Hobsbawms Buch über "Globalisierung, Demokratie und Terrorismus". Die taz spürt einen Hauch von Erlösung in Don DeLillos Roman "Der Omega-Punkt". Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Francois Walter: Katastrophen

15.03.2010: Für die Natur gibt es keine Katastrophen, nur für die Menschheit. Der Schweizer Historiker Francois Walter hat eine Kulturgeschichte ihrer Bewältigung geschrieben und der Sinnsuche des Menschen: Strafe Gottes, Prüfung der Gottesfürchtigen sowie Ansporn zu neuen technischen Entwicklungen. Hier eine Leseprobe aus "Katastrophen". Mehr lesen

Betina Gonzalez: Nach allen Regeln der Kunst

11.03.2010: Im Erstlingsroman der Argentinierin Betina Gonzalez begibt sich eine Tochter auf die Suche nach den Spuren ihres Vaters, eines mittelmäßigen Bildhauers, und nimmt Kontakt mit seinen Geliebten auf. Hier eine Leseprobe aus "Nach allen Regeln der Kunst". Mehr lesen

Necla Kelek: Himmelsreise

08.03.2010: Passend zum 8. März: Necla Kelek kämpft in ihrem neuen Buch für eine aufgeklärte Lesart des Koran, informiert über Entstehung und Hintergründe und stellt fest: Auf den Koran kann sich nicht berufen, wer für Kopftuch und fünf Pflichtgebete am Tag plädiert. Lesen Sie hier ein Kapitel aus "Himmelsreise". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren