Bücherschau der Woche
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All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
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- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Klappentext
Aus dem Englischen von Manfred Allie und Gabriele Kempf-Allie. In einem epischen Roman macht Louis de Bernieres eine vergessene Stadt im Südwesten Anatoliens zur Mitte der Welt. Mit schillernden Farben erschafft er einen Kosmos, in dem vor 100 Jahren Türken und Griechen, Christen und Muslime in Frieden nebeneinander lebten. Louis de Bernieres lässt Iskander den Töpfer auftreten, dessen skurrilen Sprichworte als weise gelten, Georgio den Händler, der sein Glück sucht und einen Brunnen stiftet, Rustem Bey, der osmanische Landbesitzer, der eine Frau verliert und in Istanbul eine Mätresse findet, und schließlich die schöne Philotei, an deren Liebe zu Ibrahim sich die Stadt entzweit.
An ihrer Leidenschaft zerreißt das fragile Gewebe aus gemeinsamer Not und karger Freundschaft, aus kleinen Betrügereien und großen Heldentaten. Hatte man bis vor kurzem noch Türkisch mit griechischen Buchstaben notiert, stirbt die Toleranz über Nacht und werden Nachbarn zu Mördern, bis im Untergang des Osmanischen Reiches ganze Völker ihr Land verlieren. Die Stadt wird zerstört und schließlich leben nur noch Eidechsen in den Ruinen.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.06.2005
Hervorragend und ganz und gar "nicht süßlich" wie den Vorgängerroman findet Thomas Leuchtenmüller "Traum aus Stein und Federn" von Louis de Bernieres, einem Briten, der im Nahen Osten aufgewachsen ist. Der polyglotte Autor (Jahrgang 1954), der seine Romanhandlung in Anatolien Anfang des 20. Jahrhunderts spielen lässt, hat die Geschichte dieses Landstrichs und seiner Bewohner, die im Osmanischen Reich vor Staatsgründung der Türkei in multikultureller Koexistenz lebten, gut recherchiert, versichert Leuchtenmüller. Im Mittelpunkt des Romans stünde die Liebesgeschichte einer "schönen Christin" und eines "sensiblen Muslims", drumherum rankten sich die Geschichten der Dorfgemeinschaft, durchbrochen von etwa zwanzig Abschnitten über den Staatsgründer der Türkei: Kemal Atatürk. Leuchtenmüller betont, dass trotz dieses etwas schematisch oder klischeehaft wirkenden Romanaufbaus dieser sehr lebendig geraten sei, weil Bernieres', "Figuren aus Fleisch und Blut" zu schaffen, imstande sei. Diese Kunstfertigkeit des Autors macht den Roman in Leuchtenmüllers Augen regelrecht "bedeutsam"; nie ergreife de Bernieres Partei für die Türken oder Griechen, für die eine oder andere Religion, lobt er.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.06.2005
Kristina Maidt-Zinke ist total erledigt. Was Louis de Bernieres auf knapp 700 Seiten ausbreitet, erscheint ihr allerdings nicht als geeignetes Ruhekissen, sondern als die Ursache ihrer Erschöpfung. Kein Wunder. Musste die Rezensentin doch rund 200 Figuren begegnen und sich durch unzählige Handlungsstränge ackern, die allesamt um das Ende des Osmanischen Reiches und die Geburt der Türkischen Republik kreisen. Dabei findet Maidt-Zinke das Ansinnen des Autors, einen ethischen und religiösen Melting-Pot darzustellen, zunächst mal höchst zeitgemäß. Nur erscheint ihr die Trauer des Autors über das Ende dieser Vielfalt eben ein bisschen dick aufgetragen und mit zu viel "pseudo-orientalischer" Erzählkunst angereichert.
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