Die "Weimarer Kultur" stand als Metapher für ein modernes und offenes Deutschland: Dies waren überzeugende Grundlagen für die zu Beginn der zwanziger Jahre im Auswärtigen Amt neu konzipierte auswärtige Kulturpolitik. Die Arbeit geht der Frage nach, wie sich die Zusammenarbeit der Kulturabteilung im Auswärtigen Amt mit den Auslandsvertretungen gestaltete und in welchem Maße es dabei gelang, Grundsätze für die auswärtige Kulturarbeit zu definieren und umzusetzen. Dabei werden auch die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Gastland berücksichtigt. Am Beispiel der amtlichen Kunst- und Kunstgewerbeausstellungen in Frankreich, Italien und Großbritannien sowie einiger ausländischer Kunstausstellungen in Deutschland wird deutlich, daß sich mit der auswärtigen Kulturpolitik ein Instrument in der deutschen Außenpolitik durchsetzte, das einen neuen Stil der Begegnung mit und Annäherung gegenüber dem Ausland ermöglicht hat. Aus dem Inhalt: Die Gründung der Kulturabteilung im Auswärtigen Amt - Johannes Sievers und das Kunstreferat - Die Rolle des Preußischen Kultusministeriums - Die Kultur der Weimarer Republik: Kunstausstellungen als Mittel auswärtiger Kulturpolitik - Die Ausgangslage für kulturpolitische Aufgaben an den deutschen Auslandsvertretungen - Die deutschen Botschaften in Paris, Rom und London - Die Kunstgewerbeausstellung in Paris von 1930 - Die Biennalen in Venedig - Die Kunstgewerbeausstellungen in Monza - Zäsur für die Arbeit des Kunstreferates: die nationalsozialistische Machtergreifung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.03.2005
Nicht ganz zufrieden ist Christian Welzbacher mit dieser Dissertation von Carolin Schober, die sich mit der Kulturpolitik in der Weimarer Republik befasst, genauer gesagt, mit der 1920 gegründeten Kulturabteilung des Außenministeriums. Die war vor allem deshalb nicht unbedeutend, da die Weimarer Republik durch Versaille in ihren "herkömmlichen Mitteln politischer Machtausübung" stark eingeschränkt war und die Kultur neben der Diplomatie den Part übernehmen musste, der traditionell der Wirtschafts- oder Rüstungspolitik vorbehalten ist, wie Welzbacher bemerkt. Einen besonderen Erfolg dieser frühen Imagepolitik verzeichnet die Autorin mit der Pariser Kunstgewerbeausstellung aus dem Jahr 1930 mit dem sensationellen Auftritt von Walter Gropius. Hier setzt Welzbachers Kritik an, der sich vor allem daran zu stören scheint, dass die Autorin nicht die Rolle des Werkbundes hinterfragt, der etwa die Karrieren von "radikalen Avantgardisten" wie Gropius und Mies van der Rohe beflügelt habe, ohne totalitäre Wurzeln in den staatlichen Kultur-Institutionen bloßzulegen.
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