Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Russisch - Deutsch. Herausgegeben und aus dem Russischen übersetzt von Christiane Hauschild. Die russische Dichterin Marina Zwetajewa (1892-1941), im deutschsprachigen Raum bisher vor allem durch ihre Lyrik und ihren Briefwechsel mit Rainer Maria Rilke und Boris Pasternak bekannt, kann zu Recht als eine der bedeutendsten Dichterinnen des 20. Jahrhunderts gelten. Die vorliegende zweisprachige Edition macht mit dem Versmärchen "Molodec" (1922) erstmals einen zentralen Text Marina Zwetajewas auf Deutsch vollständig und ausführlich kommentiert zugänglich.
Das Märchenpoem "Molodec" geht auf ein russisches Volksmärchen zurück. Im Märchen tötet der Vampir aus Liebe zu seinem Opfer Marusja deren Familie und schließlich sie selbst, sie entkommt jedoch durch Wiedergeburt als Zauberblume, die auf ihrem Grab wächst, und heiratet einen Bojarensohn. In dem avantgardistischen Poem Zwetajewas verlässt die Heldin Marusja den irdischen Bräutigam für den teuflischen Molodec. Aus der Verneinung des Märchens entfaltet sich im Poem ein polemischer Dialog mit grundlegenden abendländischen Textraditionen. An der Figur der Teufelsbünderin Marusja verhandelt Zwetajewa in aktueller Weise Fragen der Legitimität gesellschaftlicher Macht.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.07.2005
Beeindruckt zeigt sich Rezensent Ulrich M. Schmid von Marina Cvetaevas Märchenpoem "Molodec". Deren Lyrik nennt er "Lektüre für Anspruchsvolle". Cvetaevas Sprache transportiere nicht einfach einen außerliterarischen Sinn, sondern sei die Essenz der Poesie selbst. Dass Christiane Hauschild ihre "sorgfältige" Übersetzung in einer zweisprachigen Ausgabe vorlegt, findet Schmid daher nur konsequent. Wie er darlegt, ist das Märchenpoem "Molodec" eine poetische Adaption eines russischen Volksmärchens, das von der unbändigen Liebe eines jungen Mädchens zu einem Vampir handelt, also von der "dämonischen Kraft der Liebe". Die entscheidende Umdeutung, die Cvetaeva am Volksmärchen vornimmt, erblickt Schmid in ihrem Insistieren auf dem amour fou: Bei Cvetaeva opfere das Mädchen ihrer Liebe zum Vampir sehenden Auges ihre Mutter, ihren Vater, ihren Bruder - und dieses gewaltige Opfer erscheine durch die geheimnisvolle Apotheose am Schluss des Poems sogar gerechtfertigt.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.03.2005
Kerstin Holm stellt die bekannte russische Lyrikerin Marina Zwetajewa als das weibliche Pendant zu Wladimir Majakowski vor; für Holm beides Protagonisten eines "poetischen Krieges gegen das Weltspießertum". Zu diesem Krieg gehörten auch erotische Hochgefühle, die sich mit den materiellen Bedingungen des Lebens teilweise nur schwer vereinbaren ließen, berichtet Holm und weiß, dass die Zwetajewa einen hohen Preis für ihre Radikalität zahlte: Emigration und Selbstmord. Im tschechischen Exil entstand auch das Versmärchen "Melodec", eine Neu- oder Umdeutung einer alten Vampirgeschichte durch Zwetajewa: statt den Dämon zu vernichten, vereine sich die weibliche Heldin mit ihm, fasst Holm den Stoff zusammen. "Melodec" sei heute Bestandteil der klassischen russischen Avantgarde-Poesie, so die Rezensentin, die den Umstand einer so prachtvollen zweisprachigen Ausgabe als verlegerische Großtat preist. Die Übersetzerin Christiane Hauschild habe darüber hinaus ihre Übersetzung mit einem aufwendigen Kommentar versehen, der einerseits die Märchenvorlage erklärt und andererseits das Verswerk als "Psychogramm der Dichterseele als auch des revolutionären Russland" interpretiert, schreibt die Rezensentin anerkennend, auch wenn ihr die Linearübersetzung Hauschilds recht holprig erscheint.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Von Lesern empfohlene Bücher
Petur Gunnarsson: punkt punkt komma strich
Aus dem Isländischen von Benedikt Grabinski. Eine isländische Kindheitsgeschichte, die am Ende des Zweiten ...
Moti Kfir, Ram Oren: Sylvia Rafael
Als bei den Olympischen Spielen in München im September 1972 elf israelische Sportler von einer palästinensischen ...
Archiv: Bücherschauen
Uangenehm plausibel
11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Joan Didion: Blaue Stunden
09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
Maria Sonia Cristoff: Unbehaust
06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen








