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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 14.50 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Marina Zwetajewa

Molodec. Skazka

Ein Märchen

Cover: Molodec. Skazka

Wallstein Verlag, Göttingen 2004
ISBN-10 3892448272
ISBN-13 9783892448273
Broschiert, 192 Seiten, 15,00 EUR

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Klappentext

Russisch - Deutsch. Herausgegeben und aus dem Russischen übersetzt von Christiane Hauschild. Die russische Dichterin Marina Zwetajewa (1892-1941), im deutschsprachigen Raum bisher vor allem durch ihre Lyrik und ihren Briefwechsel mit Rainer Maria Rilke und Boris Pasternak bekannt, kann zu Recht als eine der bedeutendsten Dichterinnen des 20. Jahrhunderts gelten. Die vorliegende zweisprachige Edition macht mit dem Versmärchen "Molodec" (1922) erstmals einen zentralen Text Marina Zwetajewas auf Deutsch vollständig und ausführlich kommentiert zugänglich.
Das Märchenpoem "Molodec" geht auf ein russisches Volksmärchen zurück. Im Märchen tötet der Vampir aus Liebe zu seinem Opfer Marusja deren Familie und schließlich sie selbst, sie entkommt jedoch durch Wiedergeburt als Zauberblume, die auf ihrem Grab wächst, und heiratet einen Bojarensohn. In dem avantgardistischen Poem Zwetajewas verlässt die Heldin Marusja den irdischen Bräutigam für den teuflischen Molodec. Aus der Verneinung des Märchens entfaltet sich im Poem ein polemischer Dialog mit grundlegenden abendländischen Textraditionen. An der Figur der Teufelsbünderin Marusja verhandelt Zwetajewa in aktueller Weise Fragen der Legitimität gesellschaftlicher Macht.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.07.2005

Beeindruckt zeigt sich Rezensent Ulrich M. Schmid von Marina Cvetaevas Märchenpoem "Molodec". Deren Lyrik nennt er "Lektüre für Anspruchsvolle". Cvetaevas Sprache transportiere nicht einfach einen außerliterarischen Sinn, sondern sei die Essenz der Poesie selbst. Dass Christiane Hauschild ihre "sorgfältige" Übersetzung in einer zweisprachigen Ausgabe vorlegt, findet Schmid daher nur konsequent. Wie er darlegt, ist das Märchenpoem "Molodec" eine poetische Adaption eines russischen Volksmärchens, das von der unbändigen Liebe eines jungen Mädchens zu einem Vampir handelt, also von der "dämonischen Kraft der Liebe". Die entscheidende Umdeutung, die Cvetaeva am Volksmärchen vornimmt, erblickt Schmid in ihrem Insistieren auf dem amour fou: Bei Cvetaeva opfere das Mädchen ihrer Liebe zum Vampir sehenden Auges ihre Mutter, ihren Vater, ihren Bruder - und dieses gewaltige Opfer erscheine durch die geheimnisvolle Apotheose am Schluss des Poems sogar gerechtfertigt.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.03.2005

Kerstin Holm stellt die bekannte russische Lyrikerin Marina Zwetajewa als das weibliche Pendant zu Wladimir Majakowski vor; für Holm beides Protagonisten eines "poetischen Krieges gegen das Weltspießertum". Zu diesem Krieg gehörten auch erotische Hochgefühle, die sich mit den materiellen Bedingungen des Lebens teilweise nur schwer vereinbaren ließen, berichtet Holm und weiß, dass die Zwetajewa einen hohen Preis für ihre Radikalität zahlte: Emigration und Selbstmord. Im tschechischen Exil entstand auch das Versmärchen "Melodec", eine Neu- oder Umdeutung einer alten Vampirgeschichte durch Zwetajewa: statt den Dämon zu vernichten, vereine sich die weibliche Heldin mit ihm, fasst Holm den Stoff zusammen. "Melodec" sei heute Bestandteil der klassischen russischen Avantgarde-Poesie, so die Rezensentin, die den Umstand einer so prachtvollen zweisprachigen Ausgabe als verlegerische Großtat preist. Die Übersetzerin Christiane Hauschild habe darüber hinaus ihre Übersetzung mit einem aufwendigen Kommentar versehen, der einerseits die Märchenvorlage erklärt und andererseits das Verswerk als "Psychogramm der Dichterseele als auch des revolutionären Russland" interpretiert, schreibt die Rezensentin anerkennend, auch wenn ihr die Linearübersetzung Hauschilds recht holprig erscheint.

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