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Mihail Sebastian
Voller Entsetzen, aber nicht verzweifelt - Tagebücher 1935-44
Klappentext
Aus dem Rumänischen von Edward Kanterian und Roland Erb. Es war eine literarische Sensation, als Mihail Sebastians Tagebücher 1935 - 44 Mitte der neunziger Jahre in Rumänien und bald darauf in Frankreich, England und den USA erschienen. Das lang vergessene Hauptwerk des rumänischen Dichters ist ein einzigartiges, aufwühlendes Zeugnis der Menschlichkeit, das, den Tagebüchern Victor Klemperers gleich, das Leben in der Verfolgung und unter wachsender Todesgefahr dokumentiert.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.12.2005
Die Tagebücher des rumänisch-jüdischen Schriftstellers Mihail Sebastian, in denen er sich mit den Jahren 1935 bis 1944 auseinandersetzt, haben in Rezensent Peter Hamm ein Gefühl der Beklemmung ausgelöst, so deutlich spüre man, "wie furchtbar Mihail Sebastian Kälte und Dunkelheit fühlt." Der Leser erfährt, wie der junge Autor am um sich greifenden Antisemitismus fast zerbricht, wie er aus dem Kreis der Schriftsteller ausgeschlossen und sogar von den eigenen Freunden mit rassistischen Ausfällen attackiert wird. Tragisch findet der Rezensent, dass sich Sebastian von eben diesen Freunden "nie ganz befreien kann", dass er sich nicht eindeutig abwendet von seinem Professor und Vorbild Nae Ionescu, der ein Vorwort zu Sebastians erstem Roman schreiben soll und dieses als "Plattform für einen krassen antijudaischen Ausfall benützt". Den Vergleich Sebastians mit Anne Frank und Victor Klemperer findet der Rezensent zu kurz gegriffen. Ihn erinnern die Tagebücher angesichts ihres literarisch-intellektuellen Werts auch an Andre Gide und Jules Renard. Von der Selbsteinschätzung des Autors, der sich als klein und unfähig beschreibt, solle man sich nicht täuschen lassen, meint der Kritiker. Die Lektüre der Tagebücher belehren den Leser schnell eines besseren.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.06.2005
Markus Bauer preist die Tagebücher von Mihail Sebastian als ein herausragendes Beispiel für den Wert der subjektiven Perspektive eines wachen, empathischen Geistes, der zudem über die sprachlichen Mittel verfügt, präzise Wahrnehmungen in literarischen Ausdruck zu verwandeln. Sebastian legt Zeugnis ab von seiner zunehmenden intellektuellen Desillusionierung und - als Jude - gesellschaftlichen Verächtung und Illegalisierung im Bukarest der 30er und 40er Jahre, als das Land seine Entwicklung zum Faschismus vollzog. Politik, schreibt Bauer, steht neben Persönlichem, wobei letzteres immer auch die Perspektive des bloß privaten Zeitzeugens überschreitet, da Sebastian mit den wichtigsten Figuren der intellektuellen und künstlerischen Elite im Bukarest jener Zeit bekannt war. Fazit: ein "besonderer Blick aus dem Südosten auf die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs", vorgelegt in einer "gut lesbaren, mustergültig durch Anmerkungen, Zeittafel und Vorwort ergänzten Übersetzung".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 25.05.2005
"Mitreißend" empfand Katrin Hillgruber die Lektüre von Mihail Sebastians Tagebüchern der Jahre 1935-1944. Die Rezensentin hat den Autor spürbar ins Herz geschlossen. Dargestellt werden - neben den alltäglichen Sorgen erotischer und künstlerischer Art - die antisemitischen Repressionen, denen sich der Jude Sebastian, geboren als Iosif Hechter, während des Krieges ausgesetzt sah. Philip Roth hat wegen der Eindringlichkeit dieser Darstellung, aber auch wegen der Unbeugsamkeit des Schriftstellers, der es ablehnte, zum Katholizismus zu konvertieren, diese Tagebücher mit den Aufzeichnungen Anne Franks verglichen. Sogar seine einstigen Förderer fielen Sebastian mit Hetzartikeln in den Rücken. Gleichwohl hielt er durch. Und wurde dann, bitterböse Pointe, wenige Tage nach Kriegsende, als alle Not vorbei zu sein schien, von einem Lastwagen überfahren. Er war auf dem Weg zu einer Vorlesung, die er halten sollte, über Balzac.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.05.2005
Bewegt und manchmal erschüttert legt Rezensent Malte Herwig deutschen Lesern die Tagebücher des rumänisch-jüdischen Philosophen und Schriftstellers Mihail Sebastian aus den Jahren 1935-1945 ans Herz, die er als "einzigartiges und ergreifendes Dokument des moralischen Verfalls einer Gesellschaft" durch den Faschismus gelesen hat. Bisweilen lese sich das Tagebuch wie ein medizinisches Protokoll einer langsam einsetzenden, immer radikaler wuchernden Krankheit. Sein Erscheinen im Jahr 1996, über fünfzig Jahre nach dem Tod Sebastians, sei in Rumänien eine literarische Sensation gewesen und habe Debatten über die Rolle führender Intellektueller wie Mircea Eliade oder E. M. Cioran im Faschismus ausgelöst. Vieles in diesen Aufzeichnungen hat den Rezensenten auch an die Berichte von Anne Frank oder Victor Klemperer erinnert. Als schockierend empfand er besonders die unverhohlene Direktheit mit der Freunde wie Mircea Eliade Sebastian gegenüber Sympathien für Hitler und den Antisemitismus bekundet hätten.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.02.2005
Als "überwältigendes Dokument" rühmt Richard Wagner das nun ins Deutsche übertragene Tagebuch des rumänischen Juden und Schriftstellers Mihail Sebastian. Schon ins Französische und Englische übersetzt, hat es vor allem seit der Veröffentlichung 1996 in Rumänien Bedeutung erlangt, wo die vorherrschende Tendenz zu Verharmlosung der antisemitischen und nationalsozialistischen Auswüchse mit diesem Dokument "überwältigender Authentizität" konfrontiert wurde. Sebastian hatte trotz der zunehmenden Ausgrenzung immer noch Zugang zu seinem alten Freundeszirkel der "Jungen Generation", die sich immer offener faschistisch gerierten, und erreicht damit eine seltene Beobachtungstiefe. Wagner findet das Tagebuch gleich in mehreren Dimensionen bedeutend. Zum Einen sei es eine "lohnende Lektüre" für alle, die sich für die frühen ideellen und politischen Grundlagen von rumänischen Intellektuellen der "Zwischenzeit" wie Mircea Eliade oder E.M. Cioran interessieren. Andererseits dokumentiere es die "Verquickung des intellektuellen Größenwahns mit dem politischen Totalitarismus". Und schließlich sei es ein exemplarischer Fall für die Ausgrenzung des osteuropäischen Judentums seit den dreißiger Jahren. Lob geht außerdem an den Herausgeber und Übersetzer Edward Kanterian und seine Mitarbeiter, die "sehr brauchbares" Zusatzmaterial beigefügt haben.
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