Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Klappentext
Deutsch - Englisch. Essays von Alfred Lichtblau und Margit Zuckrigl.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.03.2005
Eine einzige Fotoserie katapultierte den jungen Fotografen Ernst Haas in die Riege der international gefragten Fotoreporter, berichtet Freddy Langer. Es waren Bilder vom Wiener Bahnhof, wo die Heimkehrer aus der russischen Kriegsgefangenschaft zermürbt und hoffnungsfroh zugleich eintrafen, wo vor allem Ehefrauen, Mütter und Kinder erwartungsvoll den müden Gesichtern entgegenblickten. Diese berühmte Fotoserie steht am Ende des nun vorliegenden Bildbandes "Eine Welt in Trümmern", als Schlusspunkt, resümiert Langer, als hätte nun die Normalität beginnen können. In welchem Umfang Haas diese Nachkriegsjahre dokumentiert hat, war laut Langer über die internationalen Haas'schen Aktivitäten für die Fotoagentur Magnum, deren Mitglied er wurde, in Vergessenheit geraten. Haas selbst soll ein Buch zur "Stunde Null" im Kopf bewegt haben, für das er in den 70er Jahren Bilder zusammenzustellen anfing und dessen Konzept nun im vorliegenden Band posthum verwirklicht wird. Den Auftakt des Bandes bilden abstrakt wirkende Aufnahmen zerstörter Häuserfassaden aus dem Jahr 1945, ästhetisch ziemlich verspielt, die zeigen, meint Langer, dass Haas nicht auf Anhieb die richtige Mischung aus "ästhetischem Konzept und humanitären Anliegen" getroffen hätte.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.02.2005
Rezensent Ulf Erdmann Ziegler ist beeindruckt: Ernst Haas breitet in seinem Bildband über Wien nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges die Geschichte als psychische Collage aus. Seine Fotografien zeigen die zerstörte Stadt Wien als Ruine, in der sich menschliche Szenen, etwa das Warten auf die Russlandheimkehrer am Bahnhof, abspielen. Beides verknüpft Haas so, als sei das Ganze choreografiert, lobt der Rezensent. Zugleich ist er erleichtert darüber, dass Haas, ganz im Gegenteil zu Kollegen in Köln, München und Dresden, auf "barocke Metaphern" verzichtet und wie ein von fern angereister Reporter die Stadt unter die Lupe nimmt: die Trümmer, die Heimkehrer, die Obdachlosen, die Hamsterer, die Verkrüppelten. Dennoch bleibe die Verdrängung der Schuld in den Bildern permanent spürbar, die Leidenden werden nicht entlastet durch ihr Leiden. So erinnert auch der Anhang folgerichtig daran, dass hier nicht die tatsächlichen Opfer des Krieges gezeigt würden, deren Rückkehr viel weniger fotografische Aufmerksamkeit erregte.
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