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Elisabeth Decultot
Untersuchungen zu Winckelmanns Exzerptheften
Ein Beitrag zur Genealogie der Kunstgeschichte im 18. jahrhundert
Klappentext
Aus dem Französischen übersetzt von Wolfgang von Wangenheim und Mathias Rene Hofter.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.03.2005
Beeindruckt zeigt sich Henning Ritter von Elisabeth Decultots "Untersuchungen zu Winckelmanns Exzerptheften", das die Winckelmann-Forschung auf eine neue Grundlage stelle und viele "aufregende Einsichten" biete. Die Autorin zeige die außerordentliche Bedeutung der Exzerpthefte, die Winckelmann sein Leben lang führte, für sein eigenes Werk auf, indem sie die Genese des Winckelmannschen Werkes aus den Exzerptheften darlegt. Deutlich wird nach Ansicht Ritters, dass Winckelmann viel tiefer in der Welt der alten Gelehrsamkeit steckte, als er selbst ahnte: "Sein Originalitätspathos", so Ritter, "verschleierte seine Verwicklung mit seinen Quellen". Selbst Winckelmanns berühmte "Edle Einfalt und stille Größe" stamme aus den Schätzen seiner Exzerpte, was Ritter zu dem Bonmot veranlasst im Blick auf den großen Gelehrten von "exzerpierter Größe" und "edler Originalität" zu sprechen. Freilich sei bei Winckelmann neben der lautstark verkündeten Originalität auch ein stilleres Bemühen um ursprüngliche Einsichten am Werk. Seine "eigentliche Originalität" sieht Ritter in seiner Werkstrategie, in den unermüdlichen Neuanfängen, im Feinschliff des Erborgten. Eines steht für Ritter jedenfalls fest: Nach Decultots Arbeit wird man Winckelmann "neu lesen müssen". Man werde erkennen, dass es nicht jenes klassische Bild mit klaren Konturen zeige, das von seinem Gegenstand suggeriert werde, sondern ein bewegliches Gebilde sei: "das Argonautenschiff, das während der Fahrt ständig erneuert wird".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.02.2005
Eine "Sternstunde" sieht Rezensent Jens Bisky in Elisabeth Decultots "Untersuchungen zu Winckelmanns Exzerptheften", die nun endlich auf Deutsch vorliegen. Die Bedeutung Winckelmanns, der als Pionier, als Mann des Anfangs, als Revolutionär des Geschmacks und der Kunstbetrachtung gilt, steht für Bisky außer Frage. Nichtsdestoweniger begrüßt er Decultots Buch, das die Legende, Winckelmann habe in der Geschichte des Geschmacks wie der Wissenschaft einen Bruch vollzogen, "endgültig verabschiedet". Die Autorin zeige, wie stark Winckelmann tatsächlich der Tradition verhaftet blieb, auch wenn er sich als Revolutionär inszenierte. Seine Originalität sehe Decultot nicht in der Formulierung einer kohärenten Lehre, so Bisky die Autorin zitierend, "sondern im faszinierenden Kollagieren von Texten und Denkweisen, in der erkennbaren Ablagerung von fremden Vorstellungen, die eine neue und eigene Ordnung erhalten." Dies zeige Decultot detailliert anhand von Winckelmanns umfangreichen Exzerptheften. "Alt und neu, Übernahme und Variation, Fremdes und eigenes sind in Winckelmanns Schriften stets ineinander verschachtelt und verwoben", schließt Bisky. "Als Figur des Übergangs, der Synthese, nicht des Bruchs, in seinen Widersprüchen also scheint Winckelmann größer und lebendiger als je."
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