Perlentaucher - Das Kulturmagazin

| Folgen Sie uns auf Twitter | Folgen Sie uns auf Facebook | Anmelden | Mobil | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 21.04 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Hans-Peter Wittwer

Vom Leben der Kunst

Jacob Burckhardts Kategorien Existenzbild und Existenzmalerei und ihre historischen Voraussetzungen. Diss.

Cover: Vom Leben der Kunst

Schwabe Verlag, Basel 2004
ISBN-10 3796520197
ISBN-13 9783796520198
Gebunden, 391 Seiten, 47,50 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Im Zentrum der vorliegenden Studie steht Jacob Burckhardts kunsthistorisches Schaffen. Burckhardt unterscheidet bei den Werken der bildenden Kunst, vor allem der Malerei, eine mehr die Erzählung betonende und eine eher das Dasein herausstellende Auffassungsweise, wodurch die bei Giorgio Vasari überlieferte Gegenüberstellung von disegno und colore abgelöst werden sollte. Wie Vasari siedelt auch Burckhardt die beiden Darstellungsprinzipien in den Städten Florenz und Venedig an: Florenz (bei Vasari Stadt des disegno oder der Zeichnung) verkörpere die erzählende Malerei, Venedig (für Vasari Zentrum des colore oder der Farbe) die Heimat der Existenzmalerei. Und wie sein Vorgänger weist Burckhardt den beiden Malweisen ein bestimmtes Verhältnis zu geistigen Dingen zu. Allerdings erweitert er das Spektrum der Kriterien und untersucht bei Kunstwerken nicht nur ihr Verhältnis zur Realität und zum Verstehen wie Vasari, sondern verbindet sie auch mit der Ruhe (nach Winckelmann), der Freiheit, dem Glück, der Poesie oder dem Pathos.
Beim Nachzeichnen dieser dualistischen Kunstgeschichte, die in Burckhardts Schriften immer im Hintergrund bleibt und wohl auch deshalb wenig Aufmerksamkeit auf sich zog, entdeckte der Autor die zentrale Bedeutung des Begriffs Leben für Burckhardts kunsthistorische Darstellung.
Nach Untersuchungen zur literarischen Gattung von Burckhardts kunsthistorischen Texten und zu ihren der (musealen) Seherfahrung oder der Literatur entnommenen Voraussetzungen beleuchtet Wittwer Burckhardts Urteile über drei Maler des venezianischen Existenzbildes: Giovanni Bellini, Giorgione und Tizian. Der Leser kann hier mitverfolgen, wie sich Burckhardts Einschätzungen aufgrund seiner unermüdlichen Forschungstätigkeit gewandelt haben, und er erhält einen Hinweis auf eine mögliche Anregung zur prinzipiellen Unterscheidung von erzählender Malerei und Existenzmalerei durch einen Briefwechsel der Hochrenaissance.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.02.2005

Recht angetan zeigt sich Rezensent Axel Christoph Gampp von Hans-Peter Wittwers Versuch, den roten Faden in Jacob Burckhardts nicht gerade systematisch gegliedertem Gesamtwerk aufzuspüren. Wittwer folge der Idee von Zentralbegriffen, Begriffen, die sich einerseits durch ihrer Offenheit, andererseits durch ihre spezifische Bedeutung auszeichneten, mittels derer er die zugrundeliegende Systematik in Burckhardts aufdecken möchte. In den Termini "Leben" und "Existenzbild" erblicke Witwer zwei derartige Begriffe. Wie Gampp erklärt, wollte Burckhardt mit diesen Begriffen einen Zusammenhang von Ästhetik und Ethik herstellen. Die Malerei sei für Burckhardt nämlich dort am besten, wo sie aus ihrem ästhetischen Erscheinungsbild heraus eine ethische Dimension gewinne. Diesen Versuch einer ästhetisch begründeten Ethik erachtet Gampp als geradezu "frappant". Er lobt den Autor dafür, dass er sich dieser Ethik in "eleganter Weise" nähere, "ohne sie zu banalisieren. " Alles in allem scheint ihm Wittwer das Denken Burckhardts eher zu rekonstruieren, als nachzuzeichnen. Ob die genannten Begriffe wirklich den Schlüssel für eine Systematik Burckhardts darstellen, lässt Gampp offen. "Der Leser mag sich seine eigene Meinung bilden", resümiert der Rezensent. "Anregend ist dieser Versuch allemal."

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Mailen | Drucken | Merkzettel | Empfehlen auf Facebook | Twittern |

blog comments powered by Disqus

Archiv: Bücherschauen

Uangenehm plausibel

11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Joan Didion: Blaue Stunden

09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen

Maria Sonia Cristoff: Unbehaust

06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen

Lisa Kränzler: Export A

02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren