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Klappentext
Aus dem Türkischen von Christoph K. Neumann. Ein Fremder kommt nach Kars, eine türkische Provinzstadt, um eine merkwürdige Serie von Selbstmorden zu untersuchen: Junge Mädchen haben sich umgebracht, weil man sie zwang, das Kopftuch abzulegen. Plötzlich kommt es zu einem Putsch, inszeniert von einem Schauspieler. Ein Theatercoup? Doch es fließt echtes Blut, es intervenieren echte Soldaten, keiner kann die Stadt verlassen, weil es unaufhörlich schneit.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.05.2005
Zunächst ist Ulrich Greiner in seiner Besprechung des Romans "Schnee" von Orhan Pamuk voll des Lobes. Der türkische Autor erzählt davon, wie der im deutschen Exil lebende Dichter Ka in seine Heimat, eine anatolische Provinzstadt reist, wo er sich in die schöne Ipek verliebt. Bis dahin erschien dem Rezensenten das Buch als "wunderbare Romanze" und ein "modernes Märchen", in dem der Schnee die Welt verzaubert, so Greiner eingenommen. Dann aber schildert der Autor die politische Wirrungen der Stadt, in deren Verlauf ein Militärputsch stattfindet und ein Kampf zwischen Islamisten und bürgerlichen Liberalen entbrennt, in den Ka verwickelt wird, die den Roman zu einem sehr "engagierten Bild eines zerrissenen Landes" werden lassen, lobt der Rezensent. Für ihn entsteht ein besonderer Reiz dadurch, dass hauptsächlich aus der Perspektive des Dichters erzählt wird und durch dessen "seltsam verschleierte Wahrnehmung" auch das "Tragische" mitunter äußerst komische Züge annimmt, wie er betont. Dennoch gibt es für Greiner in diesem Buch, von dessen rasanten Dramaturgie er beeindruckt ist, ein "großes Aber". Stilistisch lässt der Roman seiner Ansicht nach sehr zu wünschen übrig, und es drängt sich ihm der Verdacht auf, dass dies nicht nur in der ungelenken Übersetzung ins Deutsche, sondern bereits im türkischen Original angelegt ist. Denn der Rezensent beklagt sich nicht nur über allzu sehr ans Türkische angelehnte Satzkonstruktionen, sondern auch über die langen Schachtelsätze, deren Bezüge oftmals unklar bleiben. Greiner vermutet, dass hier "nachlässig geschrieben" wurde. Dennoch betont er, dass dieser Umstand "von der Lektüre nicht abhalten" sollte.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.03.2005
Wie alle großen Romane funktioniert auch Orhan Pamuks "Schnee" nicht als "Ideenroman", obwohl er sich mit dem "widersprüchlichen Erbe des Kemalismus" in der Türkei auseinandersetzt, schreibt Tobias Rapp durchaus angetan. Damit ist die tiefgreifende Wirkung der säkulären und westorientierten Reform gemeint, der Staatsgründer Atatürk sein Land in den Zwanziger Jahren unterzog. In "Schnee" kehre der Dichter Ka aus dem Frankfurter Exil in die Türkei zurück und erhalte den Auftrag, in der anatolischen Stadt Kars eine Serie von Selbstmorden junger Frauen zu recherchieren, von denen einige der Gruppe der militanten "Kopftuch-Mädchen" angehören. Ka, berichtet der Rezensent, taucht ein in die anatolische Welt, die fest in islamistischer Hand ist, und wird, als die Stadt zuschneit und daraufhin von der Umwelt abgeschnitten ist, Zeuge eines kemalistischen Putschversuchs. Pamuk sei es gelungen, lobt Rapp, in der Verunsicherung des Dichters inmitten einer "surrealen Landschaft" von vielfach verflochtenen Ost-West-Konflikten das "nationale Drama der Türkei" darzustellen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.03.2005
Jörg Plath ist von diesem Roman zutiefst beeindruckt und er preist den türkischen Autor Orhan Pamuk als "Zauberer", dem es gelingt, "diszipliniert Kapriolen" zu schlagen, an denen andere Schriftsteller scheitern würden. Der Roman handelt vom Lyriker Ka, der mit dem Auftrag in das anatolische Kars reist, für eine Zeitung über die rätselhaften Selbstmorde junger Frauen wegen des Kopftuchverbots an der Universität zu berichten. Dort wird er für drei Tage durch unaufhörlichen Schneefall festgehalten und gerät in einen "unerklärlichen Bürgerkrieg um Kopftücher", wie der Rezensent erklärt. Dieses Buch ist "voller Extreme" und verzichtet dennoch vollständig auf "marktschreierische Effekte", vielmehr ist er vom gedämpften Ton des Schneefalls geprägt, so Plath angetan. Der Held spricht in Kars mit allen Seiten, mit Islamisten, "feurigen Jugendlichen" und von Angst beherrschten Staatsvertreten, und unversehens wird aus dem reinen Beobachter ein Vermittler. Zudem hat Ka in Kars ein mystisches Glückserlebnis, das ihm das "Geheimnis seiner Existenz" in einer Schneeflocke enthüllt, so der Rezensent. Er spürt deutlich die "Schmerzen", die der Autor angesichts seiner "zwischen Moderne und Tradition zerrissenen" Heimat empfindet. Dabei wechselt der "realistische Roman" immer wieder ins Allegorische, vorgetragen von einer Erzählerstimme mit "undurchdringlichem Gentlemanlächeln", schreibt Plath fasziniert.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.02.2005
Es gibt bei Orhan Pamuk indirekte Verweise auf Thomas Mann und Turgenjew, meint Monika Carbe; mit ihnen teile der türkische Schriftsteller die ironische Haltung und den "bitteren Humor eines Moralisten". Und es gibt noch einen Verweis, nämlich auf Franz Kafka, dessen "K." bei Pamuk "Ka" heißt und der ebenfalls in einer völlig verschneiten Stadt landet. Aber da hörten die Gemeinsamkeiten auch schon auf, meint Carbe, denn Pamuks Ka muss sich mit ganz realen und keineswegs anonym bleibenden Kräften herumschlagen. Zwölf Jahre habe Pamuks Protagonist Ka, ein Schriftsteller, im Ausland gelebt und kehre nun in eine Kleinstadt im Nordosten der Türkei zurück, um dort Selbstmordgeschichten junger Mädchen zu recherchieren, wobei er, wie könnte es anders sein, in politische Streitigkeiten, Intrigen und Machenschaften zwischen Staatstreuen, Sozialisten, Atheisten und Islamisten hineingerät. Der Roman ist ganz und gar kein Politkrimi, auch wenn er aus tiefer Sorge um die politische Gegenwart und die junge Generation der Türkei entstanden ist, meint Carbe, denn "Schnee" sei vor allem auch ein "erzählerischer Coup", der mystische und rationale Elemente mischt. Erst gegen Ende des Romans gewinne die distanzierte Haltung des Ich-Erzählers Oberhand über die mystischen Anteile an der Geschichte.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.02.2005
Lothar Müller würdigt Orhan Pamuks neuen Roman als ein Stück großer - und europäischer - Literatur. Und als Teil eines weiter reichenden Projekts des Autors: "mit der Form des Romans wie mit einem magischen Auge die Türkei der Gegenwart zugleich aus der Weltperspektive und aus der Nahsicht zu erfassen". Sein Gewährsmann ist hier der Schriftsteller Ka, der 1992 aus seinem Frankfurter Exil erstmals wieder in die Türkei reist - nach Kars, einem Ort so weit im Osten des Landes, dass der Besucher gleich doppelt als jemand aus dem Westen erscheint. Und das ist nur der Beginn der Ambivalenzen: Pamuk erfasst die Türkei "an der Schwelle zum 21. Jahrhundert" als ein Land, dem mit eindeutigen Zuordnungen nicht beizukommen ist. Eingeschneit in Kars, wird der Besucher zu einem Teil von Ereignissen, in denen es um Politik und Religion geht, doch: "Weder sind die Islamisten in diesem Roman vormoderne Gestalten noch die Anwälte des Säkularen Demokraten." Und der Schnee des Titels ist nicht nur ein "Symbol für die Strenge, Härte und Mitleidlosigkeit der politischen Welt", sondern auch "eine alltägliche Form des Wunders, ein stilles Tuch, gewebt aus unendlich vielen Flocken mit einer kristallinen Struktur" - politische Parabel und Inspiration zur Poesie. Darüber hinaus trifft Ka in Kars nicht nur auf ein manchmal täuschend schillerndes politisches Mosaik, sondern auch auf seine Jugendliebe - wie Turgenjew, meint Müller, verschränkt Pamuk "Gesellschaftsporträt und melodramatische Liebesgeschichte", um ein Land "der tiefen Verzweiflung und des unbändigen Glücksverlangens" zu porträtieren.
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Uangenehm plausibel
11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
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09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
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06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
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02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen








