Das Jahrhundert der Aufklärung prägt eine "Dialektik" von Sehen und Nicht-Sehen weit mehr, als es wirkungsgeschichtliche Verblendung bislang wahrhaben mochte. Der Visionär Swedenborg fasziniert (nicht nur) den jungen Kant, die "ägyptische" Freimaurerei Cagliostros feiert Triumphe. Geheimbünde und Geisterseherei gehören ebenso zur Aufklärung wie Mesmers Fehldeutung des "animalischen Magnetismus". Mehr als Schiller war Goethe berufen, zwischen Anschauung und Begriff zu vermitteln. Auf satirischen Kupferstichen erkennt er auch als erster die postrevolutionäre Wende Frankreichs.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.02.2005
Alexander Kosenina teilt die Faszination des Autors für die abergläubische Kehrseite der Aufklärung: "Gerade mit wachsender Ernüchterung erfreuen sich Geistererscheinungen, Magnetismus oder Scharlatanerie zunehmender Beliebtheit." Klaus Kiefer ist ein ausgewiesener Spezialist für diese Verflechtung von Vernunft und Mummenschanz sowie ihren Niederschlag in der Literatur, etwa bei Goethe und Schiller. Dennoch ist der Rezensent nicht ganz zufrieden mit dieser Studie: Denn erstens ist es eigentlich keine solche, sondern eine Sammlung von Kiefers Aufsätzen und Vorträgen, die noch nicht einmal durch eine "integrierende Einleitung" gerahmt wurden; zweitens hat sich Kiefer nicht bemüht, den neuesten Forschungsstand zu referieren oder auch nur zu registrieren; und drittens bringt die bloße Aneinanderreihung der Texte so manche Wiederholung mit sich.
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