Bücherschau der Woche
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Klappentext
Herausgegeben von Paul Michael Lützeler. Über die Beziehung zwischen Hermann Broch und Thomas Mann ist bisher wenig bekannt geworden. Die einschlägigen Biographien über Thomas Mann kommen nicht auf Broch zu sprechen, und auch für die Kenner des Werkes von Hermann Broch ist dessen Verbindung zu Thomas Mann ein nur selten diskutierter Aspekt. Für Broch war die frühe Lektüre von Manns Tod in Venedig ein lange nachwirkendes Erlebnis; die Besprechung des Buches war seine erste Publikation überhaupt. Spuren dieser Lektüre sind noch in seinem Spätwerk, dem Tod des Vergil auszumachen. In der Mitte seiner literarischen Laufbahn waren es Thomas Manns Josephs-Romane, die Broch wegen der romanhaften Gestaltung mythischer Geschichten faszinierte, und die damit indirekt einen Einfluß auf sein Buch Die Verzauberung hatten. Broch begann, wie er selbst sagte, den Einstieg in die Literatur mit der Rezension über den Tod in Venedig, und er hätte seinen Abschied von ihr gerne mit einem Essay über den Doktor Faustus beendet. Dazu kam es zwar nicht, aber die häufige Erwähnung des Buches in der Korrespondenz seiner letzten Lebensjahre belegt, wie stark ihn die theologischen Aspekte und musikalischen Themen in dem Buch ansprachen. Broch kannte alle Romane Thomas Manns und die meisten seiner Essays, und umgekehrt hatte Thomas Mann "Die Schlafwandler und den Tod des Vergil" sowie eine Reihe der damals zugänglichen literarischen und politischen Studien Brochs gelesen. Die Beziehung zwischen den beiden Autoren erschöpfte sich nicht im gegenseitigen Wahrnehmen ihrer dichterischen und essayistischen Publikationen.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.08.2005
Erfreut zeigt sich Rezensent Wolfgang Schneider über diesen von Paul Michael Lützeler herausgegebenen Band, der das Verhältnis von Thomas Mann und Hermann Broch dokumentiert. Schneider hebt hervor, dass Lützeler, der "profundeste Broch-Kenner dieser Welt", neben dem Briefwechsel, den Mann und Broch über zwei Jahrzehnte aufrecht erhielten, alles versammelt, was die beiden je übereinander schriftlich äußerten. "Gründlich kommentiert" und mit einem "glänzenden, sehr gerecht austarierten Einführungsessay" versehen, lobt Schneider, werde so ein "Kapitel der Literaturgeschichte des zwanzigsten Jahrhunderts" nachgetragen. Die im Titel des Bandes angekündigte Freundschaft zwischen den beiden Autoren scheint ihm Lützeler den Dokumenten allerdings "manchmal etwas gewaltsam" abzulesen. Schneider spricht vorsichtiger von einer "schwierigen Freundschaft". Er berichtet über die gemeinsame Frontstellung der beiden Autoren gegenüber Nazideutschland, die ihre Beziehung intensivierte, und hebt hervor, dass sich Mann für Broch einsetzte und ihm zur Emigration verhalf. Als "noblen Zug" wertet er auch Brochs Vermittlungsversuche nach der Rückkehr Manns nach Deutschland im Streit zwischen Exil und innerer Emigration, der zugleich ein Streit um und mit Thomas Mann war.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 31.01.2005
Jürgen Heizmann findet diesen 31. Band der Thomas-Mann-Studien, den Paul Michael Lützeler herausgegeben hat und der sich der Beziehung von Hermann Broch zu Thomas Mann verschrieben hat, sehr informativ und lobt ihn überschwänglich als "mustergültig ediert". Er enthält neben der gesamten Korrespondenz der beiden Schriftsteller auch alle Briefe, Aufsätze und Essays, in denen der andere Erwähnung findet sowie einen informativen Kommentar und ein "umfassendes Personenverzeichnis", lobt der Rezensent zufrieden. Der Band macht deutlich, wie er angetan bemerkt, dass der eher antibürgerliche Broch trotz aller Differenzen Thomas Mann als großen Schriftsteller verehrte und "akzeptierte". Eine wirkliche Freundschaft dagegen, wie es der Titel suggeriert, mag der Rezensent in dem Verhältnis der beiden Schriftsteller nicht erkennen, wohl eher eine Schicksalsgemeinschaft, die sich im Protest gegen die Nationalsozialisten und im amerikanischen Exil einander annäherten. Insgesamt aber lobt Heizmann dieses Buch als "guten Einblick" in das literarische, das politische und das ganz alltägliche Leben der Schriftsteller und empfiehlt allen Interessierten den Erwerb dieses Bandes.
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