Bilddokumente aus den Gaskammern von Auschwitz gibt es so gut wie keine. Denn die Täter setzten alles daran, mögliche Zeugen und Dokumente des industriellen Massenmords zu vernichten. So wurden auch die Mitglieder der Sonderkommandos in Auschwitz vernichtet - Juden, die unter Aufsicht der SS die Arbeit in den Gaskammern erledigen mußten: die vergasten Mitglieder des eigenen Volkes "verwerten", rasieren, Goldzähne herausbrechen, zu den Krematorien schleifen, verbrennen, die Asche abtransportieren. Nur wenige dieser Sklaven der Gaskammer haben überlebt. Einer der Überlebenden war der Künstler David Olere, der unmittelbar nach der Befreiung begann, das Grauen künstlerisch zu verarbeiten und zu dokumentieren. Sein Sohn, der Schriftsteller Alexandre Oler, hat die Bilder seines Vaters zusammengestellt und Texte verfaßt, die in ihrer Ausdrucksstärke den Bildern nicht nachstehen. So ist mit Vergessen oder vergeben ein einmaliges Dokument entstanden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 27.01.2005
Ein "eindrucksvolles historisches und künstlerisches Dokument" hat David Olere der Nachwelt hinterlassen, schreibt Rezensentin Raphaela Kula. Der 1985 verstorbene Maler dokumentierte in mehr als 50 Zeichnungen die Nazi-Gräueltaten im Vernichtungslager Auschwitz. Sein Sohn Alexandre Oler hat nun das Werk seines Vaters in einem Bildband veröffentlicht. Die Bilder Oleres zeigen den Alltag des Sonderkommandos von Auschwitz, einer Häftlingsgruppe, die zur Zwangsarbeit in Krematorien und Gaskammern verurteilt worden war und als Mitwisser der Verbrechen kaum Überlebenschancen hatte. David Olere wurde "seinem Auftrag als Zeuge gerecht", betont die Kritikerin. Seine Zeichnungen sind "das einzige bildnerische Zeugnis" aus dem Inneren der Todeszone und daher "besonders wertvoll".
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