Aus dem Italienischen von Bruno Genzler. Der Zauber eines schönen Gesichts im blauen Computerbildschirm, der Eigensinn eines sterbenden Großvaters, die Aufregung um ein vergessenes Holzbein, ein arbeitsloser Heiliger. In seinen Miniaturen - viele waren Reportagen für Zeitungen - entführt Sandro Veronesi den Leser in Pelzgeschäfte, Bingosäle, auf Hundefriedhöfe, in Autobahnschnellrestaurants oder ins Haus seiner Familie. Es sind taghelle Momentaufnahmen aus dem heutigen Italien.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.01.2005
Volker Breidecker muss sich mit zerstörten Illusionen herumschlagen: Das "andere Italien", das ihm im Untertitel von Sandro Veronesis Buch versprochen wurde, scheint es nicht zu geben. Stattdessen werden dem Rezensenten in den Reportagen Einblicke in eine Gesellschaft gewährt, "die sich dem Spektakel verschrieben hat", so dass er am Ende das Gefühl hat, er hätte sich genau so gut vor den Fernseher setzen können. Dies mag auch daran liegen, dass sich Veronesi zwar als vergnügter, lebhafter Beobachter zeigt, dabei allerdings auch immer etwas distanzlos bleibe, was der Rezensent umso mehr beklagt, als der Gegenstand der Beobachtung eigentlich eine gewisse Bissigkeit erforderlich mache.
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