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Klappentext
Aus dem Polnischen von Renate Schmidgall. Im Roman "Der Zauberberg" von Thomas Mann findet sich der Satz, dass die Hauptfigur Hans Castorp einige Semester in Danzig studiert habe - Pawel Huelle hat diese Bemerkung zum Ausgangspunkt für einen Bildungsroman über Castorp in Danzig gemacht. Im Oktober 1904 kommt Hans Castorp nach Danzig, um dort Schiffbau zu studieren. Die Stadt, vor deren melancholischem Sog ihn sein Onkel, Konsul Tienappel, noch gewarnt hatte, zieht den knapp Zwanzigjährigen sofort in ihren Bann. Im benachbarten Zoppot verliebt er sich in eine junge Polin, Wanda Pielecka, die allerdings in eine Affaire mit einem jungen russischen Offizier verstrickt ist, in die auch Castorp am Ende mit hineingezogen wird. Um sich aus seiner Gefühlsverwirrung zu befreien, sucht Castorp Hilfe bei einem Psychologen, findet Trost bei Schopenhauer, dessen Spuren in Danzig er folgt. Am Ende kommt er bereichert und gereift, gestärkt durch eine erste, wenn auch unerfüllt gebliebene Liebe, nach Hamburg zurück.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Castorp - Pawel Huelle bei C.H. Beck
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.09.2005
Pawel Huelle erzählt mit seinem Roman die Vorgeschichte Hans Castorps, der durch den "Zauberberg" von Thomas Mann eine der "wenigen echten literarischen Berühmtheiten" darstellt, wie Katharina Döbler erklärt. Der polnische Autor lasse seinen jungen Protagonisten zum Studium nach Danzig aufbrechen, wodurch er die deutsche Perspektive auf den Osten als "Kolonialgebiet" in den Blick rücke, fasst die Rezensentin zusammen. Die Figuren, denen dieser Castorp begegnet, verwickeln ihn in "nicht minder grundsätzliche" Diskussionen wie schon bei Mann, zeigen aber nicht die gleiche "Weitschweifigkeit", wie die Rezensentin mit Erleichterung feststellt. Allerdings sieht sie gerade in der Parallelität zum "Zauberberg" das "Problem" dieses Romans. Denn während sie die Beschreibung des Danzig vor hundert Jahren insbesondere in ihrem "Lokalkolorit" und in den "überwältigend genauen" Einzelbeobachtungen sehr gelungen findet, bemerkt sie auf der anderen Seite kritisch, dass Huelle keine "eigene Geschichte" zu erzählen hat. Die These von Danzig als Teil der deutschen Kolonialgeschichte sei zwar "wenig anerkannt", dabei aber dennoch nicht neu und überhaupt könne man auf Thesen keinen Roman mit "unverwechselbarem Gesicht" aufbauen, so Döbler unzufrieden, die irgendwie das Gefühl hat, dieses Buch kenne sie längst.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 02.08.2005
Rezensent Werner Jung ist ganz aus dem Häuschen vor Begeisterung. "Unangestrengt" und gleichzeitig auf "hohem Niveau" erzähle beziehungsweise erfinde Pawel Huelle die Vorgeschichte von Thomas Manns Romanheld Hans Castorp, als dieser, noch ein Student in Danzig, sich in die Polin Wanda verliebt. Ein "historischer Roman" sei so entstanden, dicht gepackt mit Zeit- und Diskursanspielungen, der ganz nebenbei auf "elegante Art" den Zauberberg kommentiere. Pawel Huelle habe nicht allein seine Version eines Castorp-Romans geschrieben, in den "Lücken und Leerstellen" sei auch ein Roman zum "großen Thema" der verpasste Liebe angerissen. Als Vergleichsgewicht führt Werner Jung hier nichts Geringeres als Flauberts "Lehrjahre des Gefühls" an. Am Ende der Geschichte fahre Hans Castorp bei Pawel Huelle in eine "prosaische Heimat" zurück.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.03.2005
Keinen Prolog im Himmel, sondern einen Prolog in Danzig hat Pawel Huelle geschrieben. Doch einen Prolog wozu? Doch nicht etwa zu Thomas Manns "Zauberberg"! Doch. Was als schiere Ketzerei durchgehen könnte, ist laut Rezensent Jörg Magenau in Wirklichkeit ein geniales Unterfangen. Huelle erfindet Hans Castorp eine Vorgeschichte als Danziger Student. Zwangsläufig begebe sich Huelle damit auf gefährliches Terrain, so der Rezensent. Nicht nur, weil sich der Prolog stilistisch und psychologisch stimmig zum "Zauberberg" verhalten muss, sondern auch weil ein solches Werk leicht zum bloßen Kunststück, zum "epigonalen Rankenwerk" gerinnen kann. Doch Huelle sei nicht nur mit großem Spaß, sondern auch mit großem Talent am Werk, und überhaupt verfolge er ein ganz eigenes Projekt: einen "Roman über das deutsch-polnische Verhältnis". Dabei gehe Huelle nicht nur das "Wagnis" ein, "Danzig als deutsche Stadt zu zeigen", in der eher über die Polen (die Misstrauen erregenden Polaken) geredet wird, als dass sie selbst zu Wort kämen, sondern er schreibe "das Polnische ins Zentrum der deutschen Kultur hinein". Der Roman legt nahe, dass die erzpolnische Melancholie, von der Castorp in Danzig erfasst wird, zum Keim des "Zauberbergs" wird. All das vor der intellektuellen Kulisse des Jahres 1905, das gleichzeitig Einsteins Relativität und Freuds Unbewusstes entdeckt, schwärmt der Rezensent und fügt hinzu, dass es sich bei "Castorp" zwar zugegebenermaßen um einen Bildungsroman handelt, dass Huelles Elan aber meilenweit entfernt ist von bildungsbürgerlicher Ehrerbietung.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.03.2005
Hinzufügungen vertragen Romane schwer, weiß Lothar Müller, und so hält er es für klug, dass der "gewitzte" Pawel Huelle sich von Thomas Manns "Zauberberg" nur den Protagonisten Hans Castorp leiht, ohne allzu deutliche Verbindungen mit der Handlung des Rahmenromans zu knüpfen. Nur einmal verweist Huelle in seiner Schilderung der vier Semester Castorps als Schiffsbaustudent in Danzig auf die nachfolgende Zeit in Davos, und dann recht dezent in einem Alptraum, in dem Tote auf Schlitten hinab nach Danzig fahren. Müller sieht den Roman sowieso nicht als Vorbereitung von Castorps Davoser Episode, sondern als "Zauberberg" in "verkleinertem Maßstab". Alles ist schon da, "was dort die Bergluft, treibt hier das Seeklima hervor - und der Osten". Die "überaus stilsichere" Übertragung Renate Schmidgalls wirkt auf den Rezensenten wie eine "anachronistische (und gelegentlich nostalgische) Hommage" an Theodor Fontane und Thomas Mann, die aber am Ende durchbrochen wird, als Danzig nicht mehr als Danzig, sondern als "Gdansk" erscheint.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.03.2005
"Im Schatten des Zauberbergs" sieht Rezensentin Marta Kijowska den Roman "Castorp", Pawel Huelles Huldigung an Thomas Mann. Wie sie berichtet, knüpft Heulle darin an den Hinweis in Manns Zauberberg an, Hans Castorp habe vier Semester in Danzig studiert, um daraus einen "kleinen Bildungsroman" zu bauen. Huelle lasse Castorp im Herbst 1904 nach Danzig kommen, wo er sich in die schöne und reiche Polin Wanda Pilecka verliebt - eine Liebe die unerfüllt bleibt. Das glaube man dem Autor sofort, befindet Kijowska. Gern lässt sie sich von ihm in die nostalgische Stimmung der Belle Epoque versetzen. Auch bewundert sie die Selbstdisziplin, mit der sich Huelle an die Vorlagen seines großen deutschen Schriftstellerkollegen halte. Allerdings merkt sie an, dass die Stadt, in der Huelle Castorp herumführe, nicht wirklich das Danzig sei, das er am liebsten zum Schauplatz seiner Prosa gemacht habe, etwa in seinem umjubelten Erstlingsroman "Weiser Dawidek". Dieses "andere Danzig" und diesen "kraftvolleren Stil" von Huelle vermisst sie in "Castorp" ein wenig. Manches erscheint ihr hier "künstlich" und "bemüht". Huelles Auffassung, "dass die Grenze zwischen dem, was real ist, und dem, was wir als metaphysisch empfinden, eines der faszinierendsten Themen des menschlichen Denkens ist", finde sich auch in diesem Roman. "Nur ist diesmal die Figur, an der er es zu demonstrieren versucht, aus einem anderen, fremden Holz geschnitzt."
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