Ein Biofakt ist ein semiartifizielles Lebewesen, begrifflich gefaßt als Verschmelzung von "Leben? (gr. bios) und "Artefakt?. Damit wird ein neuer Begriff eingeführt, mit dem die vage Grenze zwischen Natur und Technik in bezug auf bio-, nano- und informationstechnische Methoden deutlichere Konturen bekommt. Vor dem Hintergrund der philosophischen Anthropologie, die gegenwärtig versucht, den Menschen als Hybrid zwischen Techniknutzer und Naturwesen zu beschreiben, spielt das Phänomen des Wachstums eine entscheidende Rolle. Denn Natur ist dasjenige, das sich von selbst bewegt, das wächst - Technik und Kunst ist dasjenige, das von außen bewegt und geschaffen wird. So zog schon Aristoteles die Unterscheidung zwischen Natürlichkeit und Künstlichkeit, eine Unterscheidung, die durch moderne Techniken zunehmend problematisch wird. Autoren aus verschiedenen Perspektiven und Disziplinen gehen dieser Unterscheidung auf den Grund.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 05.01.2005
Biofakte sind Zwitter: "sowohl gemacht als auch geworden". Das Interesse des Rezensenten Andreas Brenner hat Nicole C. Karafyllis, Heraus- und Stichwortgeberin dieses Sammelbandes, damit definitiv erweckt. Am Ende bleibt er etwas enttäuscht zurück, obwohl die disziplinäre Vielfalt, mit der das Phänomen von künstlich in Gang gesetztem Leben durchexerziert wird, nichts zu wünschen übrig lässt. Lobend weist er beispielsweise auf einen Beitrag zum Thema Doping im Sport hin, der ausgehend von der Beschreibung der mittlerweile möglichen Eingriffe in die genetische Einheit des Körpers die ethisch relevanten Kategorien der Natürlichkeit und der Potenzialität in Frage stellt und mit dem Begriff der "Biowürde" eine neue Kategorie vorschlägt, eine juristisch anzuerkennende Person zu definieren. Was den Rezensenten stört, ist die theoretische Umrahmung der Beitrage: Die hält er nämlich für eng - immer schön ehrfürchtig um Karafyllis Begriff der "Biofakte" gezogen - und intellektuell etwas schwachbrüstig (was ist mit dem Husserlschen Begriff vom "Leib", will er wissen). Also: Eine interessante, aber etwas homogene Sammlung mit dem "Charakter einer selbstbestellten Festschrift".
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