Die Gedichte von Luisa Famos sind Gedichte des Abschieds, vom geliebten Du in den Liebesgedichten, vom Leben in den Gedichten des Todes. Ihre Bilder sind die des Ursprungs allen Lebens. Belebt wird diese Welt von luftigen Wesen, von Vögeln, für Luisa Famos allen voran von Schwalben, ihrem deklarierten Alter Ego: Sie ist die Schwalbe, die immer weiter und höher kreist, die schwarze Schwalbe, die ihre letzten Kreise am weissen Haus zieht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 05.01.2005
Ein reizender und wohl wahrer Satz zu Beginn: "Die Dichterin Luisa Famos dürfte nur wenigen bekannt sein." Außer im rätoromanischen Sprachraum der Schweiz, wo sie eine Ikone ist, obwohl sie in ihrem Leben lediglich zwei Bände mit Gedichten veröffentlichte - die vorliegenden stammen aus dem Nachlass. Die Rezensentin Cornelia Jentzsch ist hinter den Zauber gekommen und schwärmt von der "seltenen Mischung aus alltagssprachlicher Klarheit, religiöser Weite sowie äußerster Verdichtung und Effizienz im Wort"; wie Kristalle sei die Poesie der Famos - "rein und durchsichtig, mit geraden klaren Kanten und von lichter Schönheit." Die Kraft dahinter heißt Religiosität, nicht als Gottesanbetung, sondern als Anerkennung der "Urkraft des Lebens", die Luisa Famos mit der Gabe kombinierte, "mit allen Sinnen neu zu sehen", so die hingerissene Rezensentin. Das jedoch - und hier folgt das große "Aber" dieser Rezension - sei in dieser Ausgabe nur mit großen Einschränkungen nachvollziehbar. Denn es handelt sich, so Jentzsch, um Entwürfe, die Famos wohl auch nach Ansicht des Verfassers des Vorwortes nicht veröffentlicht hätte, ohne an ihnen zu schleifen, bis sie ihre perfekte, kristalline Sprachform erhalten hätten.
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