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Paul Celan, Rudolf Hirsch
Paul Celan - Rudolf Hirsch: Briefwechsel
Klappentext
Herausgegeben von Joachim Seng. Der Briefwechsel zwischen Paul Celan und Rudolf Hirsch, dem langjährigen Geschäftsführer des S. Fischer Verlags, Redakteur der Neuen Rundschau und für kurze Zeit auch Leiter des Insel-Verlages, bietet eine neue Perspektive auf Leben und Werk des Dichters. Er ermöglicht erstmals Einblicke in die Beziehung Celans zu einem Verleger. Entstehung und Publikation seiner Werke erscheinen damit in einem neuen Licht. Hirsch war in einem von Celan gewünschten Sinne "aufmerksam": Von ihm fühlte er sich als Dichter verstanden, bei ihm suchte er Rat und Hilfe, ihm vertraute er seine Werke an. Neben bedeutenden Übersetzungen erschienen die Lyrikbände "Sprachgitter" und "Die Niemandsrose" sowie die Büchner-Preis-Rede "Der Meridian" bei S. Fischer. So sind die 207 erhaltenen Briefe, Karten und Telegramme, welche die beiden zwischen 1954 und 1964 wechselten, Zeugnisse einer langsam wachsenden tiefen Freundschaft, bis sie tragisch zerbrach: Bedrängt und gequält von den in der "Goll-Affäre" erhobenen, unberechtigten Plagiatsvorwürfen, wandte sich Celan schließlich auch gegen seinen Verleger, glaubte ihn als Drahtzieher eines "doppelten Spiels" zu durchschauen und zog sich ins Schweigen zurück.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.12.2004
Einen Seufzer stößt Helmut Böttiger aus, wenn er verlauten lässt, einen Verlagslektor wie Rudolf Hirsch gäbe es heute kaum noch! Einer, der die gesamte abendländische Bildungstradition intus hatte! Einer, der es mit Paul Celan intellektuell aufnehmen konnte! Rudolf Hirsch, wie Celan Jude und während der NS-Zeit in Amsterdam untergetaucht, war von Mitte der 50er bis Anfang der 60er Jahre als Lektor beim S. Fischer-Verlag der Ansprechpartner Celans, der dort nicht nur eigene Gedichte, sondern auch Übersetzungen Rene Chars oder Alexander Bloks veröffentlichte. Der gesamte Briefwechsel zwischen Celan und Hirsch ist laut Böttiger ein erschütterndes Dokument, da er das Zerwürfnis zwischen den beiden festhält, das von Celans Empfindlichkeiten und dem realen Intrigenspiel Claire Golls vorangetrieben wurde. Für Celan war es schwer, stellt der Rezensent fest, zwischen Antisemitismus und den "üblichen Machenschaften im Literaturbetrieb" zu unterscheiden, er witterte überall Verrat, so auch bei Hirsch. Gleichzeitig werde aber auch klar, betont Böttiger, dass Celan nicht nur überempfindlich reagierte, sondern sein Misstrauen gegen den Fortbestand nationalsozialistischer Strukturen im Adenauer-Staat durchaus berechtigt war. Nicht allerdings bei Hirsch, weshalb der Kritiker den Briefwechsel als Zeugnis einer "schicksalhaften Verstrickung" bezeichnet.
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