Andrei S. Markovits

Amerika, dich hasst sich's besser

Antiamerikanismus und Antisemistismus in Europa
Cover: Amerika, dich hasst sich's besser
Konkret Literatur Verlag, Hamburg 2004
ISBN 9783930786459
Gebunden, 240 Seiten, 15,00 EUR

Klappentext

Was Umfragen behaupten, bestätigt jede Europareise: Die Aversion gegenüber Amerika wird größer, lauter, entschiedener. Sie eint die Westeuropäer inzwischen mehr als jede andere politische Emotion - die gemeinsame Antipathie gegenüber Israel ausgenommen. Im heutigen Europa gehören diese beiden eng miteinander verwandten Aversionen und Ressentiments zum guten Ton. Sie sind im Diskurs der politischen Klassen wie der kulturellen und medialen Eliten, aber auch in der Gesellschaft selbst von London bis Athen, von Stockholm bis Rom präsent und salonfähig, auch wenn europäische Politiker bei ihren Besuchen in Washington und europäische Professoren auf internationalen Tagungen über Antiamerikanismus und Antisemitismus sich heftig bemühen, den Befund zu leugnen oder schönzureden.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.01.2005

Insgesamt "lesenswert" findet Rezensent Martin Altmeyer diese Aufsatzsammlung von Andrei Markovits zum europäischen Antiamerikanismus und Antisemitismus, die er als "kritischen Kommentar zum neu erwachten Selbstbewusstsein Europas" versteht. Überzeugt haben ihn insbesondere Markovits' Ausführungen über die mentale Abhängigkeit, die Europa und die USA von jeher miteinander verbindet. Markovits registriere zunächst einen Überschuss im amerikafeindlichen Konsens der europäischen Eliten, gebe dann einen historischen Überblick über antiamerikanische Affekte in Europa und analysiere im dritten Kapitel die Verwendung des Begriffs "Amerikanisierung", der als projektive Drohvokabel gerne zur Abwehr aller möglichen Entwicklungen (im Gesundheitswesen, der Sozialpolitik, Kultur, Medien, ja in der gesamten Arbeits- und Lebenswelt) verwendet werde. Vor allem hier findet Altmeyer den Autor "erhellend" und "aufklärerisch". Nicht so überzeugt zeigt sich er sich dann aber von Markovits' These, der neue Antisemitismus in Europa sei ein Epiphänomen des Antiamerikanismus. Zwar überschneiden sich Antiamerikanismus und Antisemitismus gelegentlich, räumt Altmeyer ein, aber sie seien nicht das Zwillingspaar, das Markovits konstruiere.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.12.2004

Eine mit "hoher Sensibilität, mit Besorgtheit und Sachkunde" verfasste Bestandsaufnahme hat Andrei S. Markovits vorgelegt, schreibt Rezensent Hans-Ulrich Wehler. Markovits zeige sich darin "tief bestürzt" über die Welle des Antiamerikanismus, die das Meinungsklima in Europa, besonders aber auch in Deutschland präge. Mit "geschärftem" Blick analysiert er die Geschichte und stellt fest, dass sich europäische Eliten stets USA-kritisch gegeben hätten, in der heutigen Zeit dieser Trend jedoch in Kombination mit der Massenstimmung und einem wachsendem Antisemitismus eine gefährliche Mischung bildeten. Bei allem Respekt vor einem "der besten amerikanischen Deutschlandkenner" hält der Rezensent diese Schreckensvision doch für übertrieben und mahnt "Differenzierungen" an. Schließlich habe "dumpfer Antiamerikanismus" nichts mit "legitimer Kritik" an Bushs Kriegspolitik zu tun. Dennoch fordert er die Leser auf, sich der "beschwörenden Kritik" des Autors trotz mancher "zu pointierter" Urteile zu stellen: Denn Markovits rege zum "selbstkritischen" Nachdenken an, was allemal besser sei, als den "Kopf abzuwenden".

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