Die drei Regierungsjahre der Großen Koalition zwischen 1966 und 1969 waren Wendejahre in der Geschichte der Bundesrepublik mit folgenreichen außen-, sozial- und wirtschaftspolitischen Weichenstellungen. Die drei Regierungsjahre der Großen Koalition von CDU/CSU und SPD (1966-1969) waren jenseits des "Mythos 1968" eine Phase der Neuorientierung in wichtigen Politikfeldern.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.07.2005
Klaus Schönhovens "überzeugende Studie" zeigt nach Ansicht von Rezensent Dietmar Süss, dass sich die Leistungsbilanz der viel geschmähten Großen Koalition 1966-1969 durchaus sehen lassen kann. Als Erfolge des Bündnisses nennt er die Neuregelung der bundesstaatlichen Finanzverfassung, das liberalisierte Strafrecht, die Bewältigung erster Krisen des Arbeitsmarktes mittels umfassender keynesianischer und korporatistischer Steuerungsmodelle und die Expansion sozialstaatlicher Leistungen, etwa das Gesetz über die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Süss hält fest, dass sich die SPD als innovative und verlässliche Regierungspartei präsentierte, auch wenn sich das Reservoir an Übereinstimmung mit der CDU/CSU 1969 erschöpft hatte, was, wie Schönhoven eindringlich zeige, nicht zuletzt daran lag, dass sich die SPD in einem tiefgreifenden Wandlungsprozess befand. Weit entfernt von einer Glorifizierung der SPD lasse Schönhoven keinen Zweifel daran, dass die Große Koalition mehr war als eine Verlegenheitslösung oder Phase des Übergangs. Süss erscheint die Große Koalition als ein Bündnis, das deutlich machte, "wie erfolgreich parlamentarische Konsensfindung auf Zeit sein kann". "Ein Befund", resümiert er, "der in der jetzigen Debatte um den 'Standort Deutschland' wie ein Stück aus einem fremden Universum klingt - und deshalb umso lesenswerter ist."
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 09.12.2004
Ein "vorzüglicher Beitrag" zur Historisierung einer entscheidenden Phase in der Geschichte der Bundesrepublik sei Klaus Schönhoven da gelungen, applaudiert Christoph Klessmann. Schönhoven hat sich vorgenommen, mehr als nur eine Geschichte der SPD in den Jahren der Großen Koalition zu schreiben, nämlich die Wendejahre als eine für die gesamte Bundesrepublik wichtige Übergangsphase darzustellen. Dieser Anspruch wird "überzeugend eingelöst", konstatiert der Rezensent. Nichtsdestotrotz stehe die Politikgeschichte im Mittelpunkt, "detailliert" beschreibt der Autor die parteiinternen Diskussionen über die Große Koalition, "mit scharfem Blick" führt er die Debatten der damaligen Zeit "auf ihren Kern" zurück. Eine "besondere Stärke" sind die Einsichten in das "Innenleben" der Partei. Klessmann ist mit der Darstellung rundum zufrieden. Denn "alles wird gründlich mit abwägenden Urteilen in einem präzisen und gut lesbaren Stil vorgeführt".
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