Bagdad, Irak. Aus einem der wichtigsten Brennpunkte der Weltpolitik ereilen uns täglich Schlagzeilen und Terrorbilder. Doch nicht die Nachrichten, sondern die Schicksale der Menschen sind es, die politische Katastrophen erst begreifbar machen. Der erfahrene Nahost-Korrespondent Christoph Reuter durchstreifte Jahrhunderte entfernte Dörfer und hochmoderne Städte des Irak. Er begegnete zahlreichen Menschen und erhielt Einblick in zerstörte Leben und verstörte Seelen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.12.2004
Der Alltag im Irak ist geprägt von krassesten Gegensätzen. Deshalb ist es nur logisch, dass die Geschichten, die die Journalisten Christoph Reuter und Susanne Fischer auf ihrer Reise durch den Irak gesammelt haben, "sprunghaft" geraten sind und wie ein "Mosaik" aus Einzeleindrücken zusammengesetzt werden müssen, findet Peter Münch. Das ist keine Kritik, im Gegenteil: Münch ist äußerst angetan von den Anekdoten und Berichten der Autoren, die mit "viel Sympathie" und "scharfem kritischem Auge" gerade von Ereignissen berichten, die es nicht in die Schlagzeilen schaffen. Zum Beispiel vom alltäglichen logistischen Chaos im Land, das die Straßen im Verkehrschaos ersticken lässt, mit gigantischen Stromausfällen das Zweistromland zum "Keinstromland" macht und die Menschen mindestens genauso nachhaltig prägt, wie die Verhaftung Saddam Husseins. Natürlich werden auch die großen Themen "Öl", "kurdische Unabhängigkeit", "sunnitisch-schiitischer Konflikt" und "Besatzungsmacht USA" thematisiert. Dazwischen bleibt aber immer auch noch Raum für skurrile Geschichten, wie die Liebesbeziehung zwischen einer Irakerin und einem amerikanischen Soldaten, einer "neuzeitlichen Version von Romeo und Julia". Das Schöne: Durch diese Kombination wird das Chaos nicht nur in "spannenden Reportagen" beschrieben, sondern letztlich auch "entworren", resümiert Peter Münch begeistert.
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