Perlentaucher - Das Kulturmagazin

Anmelden | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 20.03.2010, 13.13 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Werner Herzog

Die Eroberung des Nutzlosen

Cover: Die Eroberung des Nutzlosen

Carl Hanser Verlag, München 2004
ISBN-10 3446204571
ISBN-13 9783446204577
Gebunden, 335 Seiten, 21,50 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Juni 1979: Werner Herzog bricht auf, um im südamerikanischen Dschungel "Fitzcarraldo" zu drehen, die Geschichte eines Mannes, eines Traumes und seiner abenteuerlichen Verwirklichung. Auch die Dreharbeiten geraten zu einem Abenteuer: Werner Herzogs Tagebuch ist das Protokoll einer existenziellen Erfahrung und des fortwährenden Konflikts mit seinem Hauptdarsteller Klaus Kinski, der sich immer tiefer in seine Rolle des Fitzcarraldo hineinsteigert.

Möchten Sie dieses Buch kommentieren?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.02.2005

Herzogs Reise ins "Herz der Finsternis", sein persönlicher Trip "ins Unbewusste" - so charakterisiert Thomas David dieses Buch und stellt damit klar, dass es sich keineswegs um eine bloße Dokumentation der Dreharbeiten zu "Fitzcarraldo" handelt, auch nicht um gewöhnliche Tagebuchaufzeichnungen. Sondern um "innere Landschaften, aus dem Delirium des Dschungels geboren" (Herzog), die als "literarisches Meisterwerk" dem Film "ebenbürtig zur Seite" stehen, so der Rezensent. Trotzdem fragt er sich bei der Lektüre, wie in drei Gottes Namen der Film überhaupt fertiggestellt werden konnte. Trotz Leiche, trotz Urwald und Vogelspinnen, und vor allem: trotz Kinski. Eine der Antworten ist: wegen Kinski, der zugleich "letzter Verbündeter" und schlimmster Feind des Regisseurs war. "Kinskis Porträt", schreibt David, "gehört zu den unvergesslichsten Bildern" dieses Buches, das er zu Herzogs großen Werken zählt.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.01.2005

Zwischen bezwingendem Pathos und glasklarer Nüchternheit oszilliert nach Ansicht von Rezensent Hannes Hintermeier Werner Herzogs Prosa in diesem Tagebuch, dass der Regisseur vor vierundzwanzig Jahren während der Dreharbeiten zu seinem Film "Fitzcarraldo" schrieb. Es handelt sich Hintermeier zufolge nicht um ein Buch zum Film. Auseinandersetzungen mit Schauspielern kämen nur am Rande vor. Vielmehr habe Herzog im Wesentlichen sein unversöhntes Verhältnis mit der Natur, dem Urwald, beschrieben, in dem der Film entstand. Im Abgeschnittensein von der Zivilisation sieht der Rezensent Erinnerungen an die oberbayrische Kindheit des Regisseurs und wilde Träume aufsteigen, die für ihn "den gleichen Realitätsgrad haben wie die Gegenwart des Drehorts am Oberlauf des Amazonas", die Herzog als umgeben von Tod und Verwesung beschreibe. Zwar hätte der Rezensent gerne gewusst, ob Herzog das Manuskript nachträglich bearbeitet hat, doch die literarische Qualität des Textes lässt ihn den Einwand ebenso vergessen wie sein Staunen über die Schilderungen selbst.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.11.2004

Mit dem Alltag will der Extremfilmer Werner Herzog nichts zu tun haben. Er sucht die Herausforderung in der Ferne, im Unzugänglichen oder, wenn es sein muss, in den "Halbirren", mit denen er es zu tun bekommt. Will sagen: Klaus Kinski. Der allerdings spielt, wie Merthen Wortmann fast etwas verwundert feststellt, gar keine zentrale Rolle in Herzogs Tagebuchaufzeichnungen, die während der Dreharbeiten zum Film "Fitzcarraldo" entstanden. Wind, Wetter, amazonische Naturgewalten treten prominenter auf, auch Jason Robards und Mario Adorf, die Weicheier, die sich alsbald vom Set verabschiedeten. Herzog freilich jagte weiter seiner "großen Metapher" hinterher, vom Schiff, das über den Berg muss - und hatte zuletzt erstaunlicherweise Erfolg. Der Rezensent ist, wie es scheint, abwechselnd beeindruckt und genervt von Herzogs Schilderungen seines "Urkampfs des Menschen". Ein "glücklicher Sisyphos", resümiert Wortmann, wenn es unter den Regisseuren einen gibt.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Bücher von Lesern empfohlen

Buch: Das andere Ende der LeinePatricia B. McConnell: Das andere Ende der Leine
Aus dem Englischen von Gisela Rau. Dies ist eigentlich kein Buch über Hundeerziehung, sondern eines über ...

Buch: Sozialistische GesetzlichkeitMichael Stolleis: Sozialistische Gesetzlichkeit
Dieses Buch bietet eine erste Gesamtdarstellung der Staats-, Verwaltungs- und Völkerrechtslehre in der DDR. ...

Archiv: Bücherschauen

Vexierspielkünstler

20.03.2010: Die FAZ hat Denis Johnsons Thriller "Keine Bewegung!" gelesen und freut sich über das Gespür des Autors für kriminelle Loser. Die FR folgt der zehnjährigen Dora durch Jacques Roubauds Abenteuer und Geheimnis verheißenden "Verwilderten Park". Sehr anregend findet die NZZ Eric Hobsbawms Buch über "Globalisierung, Demokratie und Terrorismus". Die taz spürt einen Hauch von Erlösung in Don DeLillos Roman "Der Omega-Punkt". Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Francois Walter: Katastrophen

15.03.2010: Für die Natur gibt es keine Katastrophen, nur für die Menschheit. Der Schweizer Historiker Francois Walter hat eine Kulturgeschichte ihrer Bewältigung geschrieben und der Sinnsuche des Menschen: Strafe Gottes, Prüfung der Gottesfürchtigen sowie Ansporn zu neuen technischen Entwicklungen. Hier eine Leseprobe aus "Katastrophen". Mehr lesen

Betina Gonzalez: Nach allen Regeln der Kunst

11.03.2010: Im Erstlingsroman der Argentinierin Betina Gonzalez begibt sich eine Tochter auf die Suche nach den Spuren ihres Vaters, eines mittelmäßigen Bildhauers, und nimmt Kontakt mit seinen Geliebten auf. Hier eine Leseprobe aus "Nach allen Regeln der Kunst". Mehr lesen

Necla Kelek: Himmelsreise

08.03.2010: Passend zum 8. März: Necla Kelek kämpft in ihrem neuen Buch für eine aufgeklärte Lesart des Koran, informiert über Entstehung und Hintergründe und stellt fest: Auf den Koran kann sich nicht berufen, wer für Kopftuch und fünf Pflichtgebete am Tag plädiert. Lesen Sie hier ein Kapitel aus "Himmelsreise". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren