Franz Rosenzweig war einer der bedeutendsten jüdischen Philosophen des 20. Jahrhunderts. Wie alle Philosophen hat er nach Wahrheit gesucht. Aber er hat sie auf andere Weise gesucht als die meisten Philosophen. Sie begegnete ihm in seinem Leben, und in seinem Leben versuchte er sie zu bewähren. So ist sein epochemachendes, auf Feldpostkarten in den Schützengräben des Ersten Weltkrieges entworfenes Hauptwerk "Der Stern der Erlösung" mehr als ein abstraktes Gedankengebäude. In ihm spiegelt sich Rosenzweigs Erfahrung seines Jude-Seins, die er im Laufe seines Lebens gewonnen hat und die ihn schließlich auf eine glänzende akademische Karriere verzichten und die Leitung des jüdischen Lehrhauses in Frankfurt übernehmen ließ. Diese Erfahrung ernstnehmend entfaltet Rosenzweig im Stern ein gegenüber den idealistischen Bewegungen der Philosophiegeschichte neues Denken, das eine komplementäre Verschränkung von existentieller Lebenserfahrung und systematischer Reflexion verkörpert.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.11.2004
Gleich drei Neuerscheinungen befassen sich mit Franz Rosenzweigs im Schützengraben an der makedonischen Front entstandenen religionsphilosophischen Schrift "Stern der Erlösung". Diese erklärt Kilcher als einen "umfassenden philosophischen Entwurf, der eine eigenständige Systematik und Sprache entfaltet figurativ angelegt um den sechsstrahligen Stern". Dabei denke Rosenzweig die Welt nicht aus dem Menschen heraus, sondern Welt, Mensch und Gott in einer dynamischen Relation zueinander. An Martin Frickes Dissertation schätzt er die verständliche Darstellung von Rosenzweigs "anspruchsvoll formulierter philosophischer Synthese". Sehr gut herausgearbeitet findet er "das Neue" an Rosenzweigs "neuem Denken". Mit Bedauern stellt Kilcher allerdings fest, dass diese Werkinterpretation wenig neue Aspekte liefere.
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