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zuletzt aktualisiert 16.03.2010, 14.04 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Konrad H. Jarausch

Die Umkehr

Deutsche Wandlungen 1945-1995

Cover: Die Umkehr

Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2004
ISBN-10 3421056722
ISBN-13 9783421056726
Gebunden, 504 Seiten, 29,90 EUR

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Klappentext

Nach Weltkrieg und Trennung ist das gelungen, was die Deutschen immer sein wollten: eine Nation unter Gleichen. 1945 schien das völlig unmöglich geworden zu sein. Das Buch beschreibt den Weg der Deutschen zurück in die Zivilisation. Die alliierte Befreiung der KZ am Kriegsende machte das ganze Ausmaß des durch die NS-Verbrechen begangenen Zivilisationsbruchs deutlich. Ein halbes Jahrhundert danach gilt Deutschland als ein Musterbeispiel für eine gelungene Demokratisierung. Drei Etappen markieren die Übergänge: 1945/1949, 1968 und 1989/1990. Anhand von individuellen Selbstzeugnissen und öffentlichen Auseinandersetzungen wird verdeutlicht, wie es die Deutschen vermochten, aus ihrer dunklen Vergangenheit hinaus Wege in eine moderne, liberale Gesellschaft zu finden.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 27.01.2005

Die Mischung aus "Distanz und Sympathie", die in Konrad Jarauschs Buch den Ton bestimmt, ist Rezensentin Elke Schubert besonders positiv aufgefallen. Der gebürtige Deutsche und Wahlamerikaner hat sich in einer "detailreichen" Untersuchung mit der Resozialisierung der Deutschen nach 1945 beschäftigt und die Perspektiven von Sieger und Besiegtem vereint. Gestützt auf Tagebücher, Autobiografien und Gespräche versuche Jarausch nachzuweisen, dass neben den alliierten Entnazifizierungsmaßnahmen besonders die Studentenrevolte und der Mauerfall den Durchbruch hin zu einer "soziokulturellen Veränderung" markierten - Thesen, die man laut Schubert zwar "kritisieren" kann, die aber zumindest "streitbare Diskussionsbeiträge" lieferten. Weniger gut findet die Kritikerin dagegen Jarauschs ökonomische Analysen: sein "durchweg unkritisches Verhältnis zur Marktwirtschaft" und die "zu starke Orientierung" an der amerikanischen Perspektive lassen sie mitunter an der "Ausgewogenheit" des "transatlantischen Blicks" zweifeln.

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.11.2004

Diese "gedankenreiche" Studie von Konrad Jarausch kann Axel Schildt nur empfehlen. Denn sie biete nicht nur "pointierte" Zeitgeschichte voller "wertvoller Anregungen", sondern stelle auch einen politischen wie moralischen Ansatz vor, "dessen liberale Weltoffenheit beeindruckt". Das Kernthema der "Wandlungen" ist die Rückkehr Deutschlands zur Zivilgesellschaft, die sich vor 1933 schon auszubilden begonnen hatte, dann aber durch den Nationalsozialismus weitgehend verschwunden war. Jarausch beschreibe diese mehrstufige "Aufhellung der politischen Kultur" mit dem Überblick eines Beobachters von außen, ergänzt durch eine "intime Kenntnis" der deutschen Forschung, der Quellen und Diskussionen, aber auch der "außerwissenschaftlichen Alltäglichkeit". Rundum gelungen also, meint der Rezensent, dem auch der "fragend diskursive" Stil des Autors gefällt, der zur Diskussion anregt.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.10.2004

Recht kritisch geht Rezensent Andreas Rödder mit Konrad H. Jarauschs Geschichte der "Deutschen Wandlungen 1945-1995" ins Gericht. Die entscheidende Entwicklung der deutschen Geschichte nach 1945 sehe der Autor, Direktor des Zentrums für Zeithistorische Forschung in Potsdam, in der "Abwendung von aggressiven Tendenzen und vom autoritären Habitus" (Jarausch), die sich in drei Liberalisierungsschüben vollzogen habe: die Befreiung vom Nationalsozialismus durch die Alliierten und die Zivilisierungsprogramme vor allem der Amerikaner, die 68-Revolte und schließlich die "Bürgerrevolution" 1989/90. Ausführlich erzählt Rödder diese drei Schritte nach. Im Grunde gehe es dabei um die "sozialkulturelle Entwicklung des Wertewandels", den bereits die zeitgenössische Soziologie thematisiert habe, um die Verschiebung des Gefüges allgemein akzeptierter Normen und Werte von "Pflicht- und Akzeptanzwerten" zu "Freiheits- und Selbstentfaltungswerten". Allerdings berücksichtigt Jarausch zu Rödders Bedauern die Ergebnisse dieser Wertewandelsforschung ebenso wenig wie andere "wesentliche Erkenntnisse" der zeitgenössischen Sozialwissenschaften. Generell moniert er, dass das Buch auf "teils unebenen, teils wackeligen Fundamenten" stehe. So zitiere Jarausch unkommentiert aus einer Fülle von Selbstzeugnissen und Zeitungsartikeln, vernachlässige wichtige Literatur zum Thema und bleibe immer hinter dem Stand der Forschung zurück.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.10.2004

Zufrieden zeigt sich Godehard Weyerer mit Konrad Jarauschs Buch über den beschwerlichen demokratischen Neubeginn im Nachkriegsdeutschland. Anhand der Etappen 1945/49, 1968 und 1989/90 zeichne der Autor, Direktor des Zentrums für Zeithistorische Forschung in Potsdam, den Weg Deutschlands von der "Barbarei in die Zivilisation" nach. Jarauschs Beschreibung von Entnazifizierung und Umerziehung anhand von Tagebüchern, Biografien und Gesprächen mit Zeitzeugen lobt Weyerer als "eindrucksvoll". Bei seinen Ausführungen zum Neubeginn in der Ost-Zone schöpfe der Autor dagegen aus dem "großen Fundus der Fachliteratur" und verliere sich "allzu häufig in eine recht allgemeine und oberflächliche Schilderung der sozio-ökonomischen Gesellschaftsgeschichte", moniert der Rezensent. Von der 68-Revolte zeichne Jarausch ein "durchaus kritisches und distanziertes Bild", entziehe dem Jugendprotest das "Verklärende und Mythische". Im dritten Teil des Buches schildere Jarausch das Scheitern des realsozialistischen Experiments. Zudem mache er Gedanken über demokratischen Verfassungspatriotismus, über den Streit um Einwanderung, über Prüfsteine der Zivilität. "Dem Leser bleibt nach der Lektüre die Gewissheit", resümiert Weyerer, "dass in Deutschland in den vergangenen Jahren ein gehöriges Maß an demokratischem Selbstverständnis herangewachsen ist."

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