Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Franz Hohler
Die Torte und andere Erzählungen
Klappentext
Den Kaffee hat er bezahlt, jetzt steht er vor dem Restaurant auf der Passhöhe, aber anstatt sich in sein Auto zu setzen und seinen nächsten Termin wahrzunehmen, schlägt er den Weg hinauf zu dem weiter oben gelegenen Denkmal ein. Eine kleine Wanderung wird ihm guttun - doch so beschwingt der Ausflug beginnt, dieser Mann wird nie mehr in seinen Alltag zurückfinden. Mit einem knapp einhundert Jahre alten Mann geht eine ebenso plötzlich einsetzende Veränderung vor, als er von der Bombe hört, die im Lago Maggiore gefunden wurde. Er muss wieder an seine Zeit als junger Mann bei den Kommunisten denken, denn bei dieser Bombe handelt es sich zweifellos um jene, mit der er in den 20er Jahren Europas Außenminister bei ihrem Treffen in Locarno in die Luft sprengen wollte - es bei der Absicht aber beließ.
Keineswegs nur mit dem Schrecken kommt die Familie davon, als eines Tages eine asiatisch aussehende Frau in ihrer Waschküche steht und kein Wort redet. Der befreundete Parapsychologe ist ratlos, und auch der Ehemann sucht vergeblich sein Heil in der Philosophie.
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.04.2005
Der Titel des Bandes ist typisch. Nicht weil es in den Erzählungen viel um Torte ginge, sondern weil ihre Titel alle so kru angebunden sind: "Die Torte", "Der Schimmel", "Die Mönchsgrasmücke". Sie sind dabei ganz unterschiedlichen Genres zuzuordnen, es gibt eine Gespenstergeschichte und Spannung und in einer Erzählung wird ein Derrida-Spezialist von einer Frau, die seiner Waschmaschine entsteigt, eines besseren belehrt. Das "Ungewöhnliche" hat auch sonst seine Auftritte, mit der Vernunft kommt man, so der Rezensent Gustav Mechlenburg, den Vorgängen bei Hohler eher selten bei. Als einzigen Mangel empfindet er es, dass "Themen wie Fremdenhass, Terrorismus und Wiedergutmachung allzu plakativ eingearbeitet" werden. Das Schöne aber sei es, dass die besseren der hier versammelten Geschichten "viele Schichten" haben - und das macht ihr Gelingen aus.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.10.2004
Franz Hohler hat zwei Berufe: Er ist Kabarettist und Schriftsteller, aber er schreibt, stellt Daniela Strigl klar, "keine kabarettistische Prosa". Seine Erzählungen seien eher altmodischer Natur, findet Strigl, stellenweise fühlt sie sich an die Schauergeschichten von Alexander Lernet-Holenia oder Hugo von Hofmannsthal erinnert. Das liegt an Hohlers fantastischem Realismus, erklärt Strigl, an seiner Nähe zur magischen Welt, die in seinen Erzählungen problemlos und eher beiläufig betreten werden darf , schnelle unaufgeregte Wechsel zwischen den Sphären ermöglichend. Da findet eine Ärztin in ihrer Tiefgarage statt des Autos ein Pferd vor, auf dem sie dann davon reitet, erzählt die Rezensentin und fand die Idee zunächst plump; aber bei Hohler gerate man so sehr in den "Strudel der Unwahrscheinlichkeiten", schwärmt sie, dass der Ritt als Zeitreise in die Vergangenheit völlig überzeuge. Nicht alle Erzählungen enthalten diese übersinnliche Dimension, so Strigl, in anderen seien es eher Banalitäten, die den Alltag aus dem Ruder laufen lassen. Immer aber sei es eine "hintersinnig-abgeklärte Liebe zum Leben", die Hohler in seine Geschichten einfließen lasse.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Von Lesern empfohlene Bücher
Petur Gunnarsson: punkt punkt komma strich
Aus dem Isländischen von Benedikt Grabinski. Eine isländische Kindheitsgeschichte, die am Ende des Zweiten ...
Moti Kfir, Ram Oren: Sylvia Rafael
Als bei den Olympischen Spielen in München im September 1972 elf israelische Sportler von einer palästinensischen ...
Archiv: Bücherschauen
Uangenehm plausibel
11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Joan Didion: Blaue Stunden
09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
Maria Sonia Cristoff: Unbehaust
06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen







