Bücher der Saison
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Franz Hohler
Die Torte und andere Erzählungen
Klappentext
Den Kaffee hat er bezahlt, jetzt steht er vor dem Restaurant auf der Passhöhe, aber anstatt sich in sein Auto zu setzen und seinen nächsten Termin wahrzunehmen, schlägt er den Weg hinauf zu dem weiter oben gelegenen Denkmal ein. Eine kleine Wanderung wird ihm guttun - doch so beschwingt der Ausflug beginnt, dieser Mann wird nie mehr in seinen Alltag zurückfinden. Mit einem knapp einhundert Jahre alten Mann geht eine ebenso plötzlich einsetzende Veränderung vor, als er von der Bombe hört, die im Lago Maggiore gefunden wurde. Er muss wieder an seine Zeit als junger Mann bei den Kommunisten denken, denn bei dieser Bombe handelt es sich zweifellos um jene, mit der er in den 20er Jahren Europas Außenminister bei ihrem Treffen in Locarno in die Luft sprengen wollte - es bei der Absicht aber beließ.
Keineswegs nur mit dem Schrecken kommt die Familie davon, als eines Tages eine asiatisch aussehende Frau in ihrer Waschküche steht und kein Wort redet. Der befreundete Parapsychologe ist ratlos, und auch der Ehemann sucht vergeblich sein Heil in der Philosophie.
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.04.2005
Der Titel des Bandes ist typisch. Nicht weil es in den Erzählungen viel um Torte ginge, sondern weil ihre Titel alle so kru angebunden sind: "Die Torte", "Der Schimmel", "Die Mönchsgrasmücke". Sie sind dabei ganz unterschiedlichen Genres zuzuordnen, es gibt eine Gespenstergeschichte und Spannung und in einer Erzählung wird ein Derrida-Spezialist von einer Frau, die seiner Waschmaschine entsteigt, eines besseren belehrt. Das "Ungewöhnliche" hat auch sonst seine Auftritte, mit der Vernunft kommt man, so der Rezensent Gustav Mechlenburg, den Vorgängen bei Hohler eher selten bei. Als einzigen Mangel empfindet er es, dass "Themen wie Fremdenhass, Terrorismus und Wiedergutmachung allzu plakativ eingearbeitet" werden. Das Schöne aber sei es, dass die besseren der hier versammelten Geschichten "viele Schichten" haben - und das macht ihr Gelingen aus.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.02.2005
Mit verhaltener Freude begrüßt Rezensentin Sabine Doering diesen neuen Erzählband des Schweizer Kabarettisten und Erzählers über irritierende Phänomene des Alltags. Denn in den zehn Texten des Bandes sieht sie pädagogischen Eifer überwiegen, der aus ihrer Sicht die Balance zwischen Didaktik und Unterhaltung zu Ungunsten des Letzteren stört. Auch Rekurse auf die französische Philosophie, insbesondere die von Jacques Derrida, entpuppen sich aus ihrer Sicht schnell als Taschenspielertricks. Der dekonstruktive Habitus sei nämlich nur Tarnung. Tatsächlich laufen die Erzählungen der Rezensentin zufolge stets auf die einfache Teilung der Welt in Gut und Böse hinaus. Am Überzeugendsten findet die Rezensentin Franz Hohler stets dort, wo er von den Gefährdungen des Alltags erzählt, ohne damit einen moralischen Appell zu verbinden. Hier berichtet die Rezensentin dann auch von sehr eindringlichen Erzählungen, die sie schließlich für manch andere Schwächen entschädigen können.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.10.2004
Franz Hohler hat zwei Berufe: Er ist Kabarettist und Schriftsteller, aber er schreibt, stellt Daniela Strigl klar, "keine kabarettistische Prosa". Seine Erzählungen seien eher altmodischer Natur, findet Strigl, stellenweise fühlt sie sich an die Schauergeschichten von Alexander Lernet-Holenia oder Hugo von Hofmannsthal erinnert. Das liegt an Hohlers fantastischem Realismus, erklärt Strigl, an seiner Nähe zur magischen Welt, die in seinen Erzählungen problemlos und eher beiläufig betreten werden darf , schnelle unaufgeregte Wechsel zwischen den Sphären ermöglichend. Da findet eine Ärztin in ihrer Tiefgarage statt des Autos ein Pferd vor, auf dem sie dann davon reitet, erzählt die Rezensentin und fand die Idee zunächst plump; aber bei Hohler gerate man so sehr in den "Strudel der Unwahrscheinlichkeiten", schwärmt sie, dass der Ritt als Zeitreise in die Vergangenheit völlig überzeuge. Nicht alle Erzählungen enthalten diese übersinnliche Dimension, so Strigl, in anderen seien es eher Banalitäten, die den Alltag aus dem Ruder laufen lassen. Immer aber sei es eine "hintersinnig-abgeklärte Liebe zum Leben", die Hohler in seine Geschichten einfließen lasse.
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