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Klappentext
Das Geschehen am Hof Kaiser Rudolfs II., die magische Atmosphäre des Prager Gettos, das Leben und Treiben in den winkeligen Gassen, den Spelunken und Palästen dieser Stadt der Künste und der Wissenschaften, der Dämonen und Gottsucher, der Wahrsager, Hofschranzen und Narren wird zum Greifen lebendig in den novellenartigen Geschichten, die Leo Perutz hier zu einem Roman verbindet. Er handelt von der unmöglichen Liebe des kunstsinnigen böhmischen Kaisers zu Esther, der schönen Frau seines jüdischen Financiers Mordechai Meisl, die nur im Traum Erfüllung findet, wenn nachts der Rosenstrauch und der Rosmarin, die der wundersame Rabbi Loew gepflanzt hat, ihre Blüten zueinander neigen und der Kaiser vermeint, seine Geliebte in den Armen zu halten.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.12.2000
Nach dem Krieg war Leo Perutz vergessen, seine im Exil entstandenen Romane fanden gerade in Deutschland kaum einen Verleger - obwohl oder weil sie jüdisches Gettoleben schilderten. Stefan Berkholz bespricht den wohl berühmtesten Roman Perutz`, der nun wieder aufgelegt wird, sowie eine Biografie des nach Palästina emigrierten Dichters, der sein literarisches Comeback nicht mehr erleben konnte, wohl aber vorausgesehen hat.
1) Leo Perutz: "Unter der steinernen Brücke"
Auf den ersten Blick macht dieses Buch auf Berkholz nicht den Eindruck eines Romans, schon gar nicht eines historischen. Man habe das Gefühl einer Novellensammlung in Form alter Überlieferungen, nicht mal ein roter Faden gebe sich anfangs zu erkennen, nur der melancholische Grundton bleibe durchgängig. Jede der 15 Geschichten ist nach Berkholz ein in sich geschlossenes Kapitel, das von realen Personen wie dem Rabbi Löw und anderen verbürgten Figuren der mittelalterlichen Geschichte der Stadt Prag handelt. Eine Hommage des Schriftstellers an seine Heimatstadt, wie sie zur Entstehungszeit des Buches schon nicht mehr existiert hat. Zwar publizierte Perutz das erste Kapitel noch in den 20er Jahren in einer Literaturzeitschrift, die weiteren entstanden in den Jahren 1943 bis 1951 im palästinischen Exil, wie Berkholz berichtet. Er hat die Geschichten gern gelesen, die anschaulich und spannend erzählt seien, und deren innerer Zusammenhang sich dem gebannten Leser bei fortschreitender Lektüre allmählich enthülle.
2) Ulrike Siebauer: "Leo Perutz - `Ich kenne alles. Alles, nur nicht mich`"
Ein Urteil gibt Berkholz zu der Siebauerschen Biografie explizit nicht ab, zieht sie aber - wohl sachlich und anerkennend zur Kenntnis genommen - zur Besprechung des oben genannten Romans heran. Stichwortartig benennt er die Lebensstationen von Leo Perutz, der in den 20er Jahren ein Erfolgsautor war und Anerkennung bei Kisch, Ossietzky, Benjamin, Kracauer fand: 1882 in Prag geboren, Ende der 30er Jahre aus Wien nach Palästina emigriert. Siebauer zeichne ein langes und trauriges Ende des Autors nach, dessen Schaffens- und Lebenskraft seit dem Exil gebrochen war, behauptet Berkholz. Perutz war isoliert, fand sich in Palästina nicht zurecht und lehnte die Gründung des Staats Israel ab, weil ihm die Idee des Nationalstaats überhaupt zuwider war. "Die letzten 19 Jahre seines Lebens war er ein Überlebender", zitiert Berkholz Siebauer und weist darauf hin, dass sich der Autor in Briefen an verschiedene deutsche Verleger beinahe dafür rechtfertigen musste, dass er das Thema Antisemitismus - wenn auch historisch - behandelt habe. Verleger Zsolnay, berichtet Berkholz, sah "die deutsche Seele" für "Werke jüdischen Geistesguts" noch nicht wieder offen.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 27.05.2000
Volker Weidermann weist in einer Kurzkritik darauf hin, dass der Zsolnay-Verlag mit diesem Band eine Neuedition der Werke Perutz` beginnt - und er hofft, dass hiermit die fällige Wiederentdeckung des Autors einsetzt. Schon 1951 habe Perutz das Werk bei Zsolnay eingereicht, damals sei es mit dem Hinweis auf die jüdische Thematik abgelehnt worden. Perutz hatte 26 Jahre lang daran gearbeitet. Weidermann findet diesen Roman, der im jüdischen Prag des 16. Jahrhunderts spielt, "wunderbar".
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