Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
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- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Französischen von Regina Keil-Sagawe. Die "Bar des Amis" in Algier ist Treffpunkt einer fröhlichen Truppe: ein Schriftsteller, ein alter Widerstandskämpfer, ein Verliebter, Doc Tarik und andere. Bei Zigarettenrauch und endloser Trinkerei kursieren die unglaublichsten Geschichten. Hier wird Algerien neu erfunden: zwischen Traum, Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht und dem Elend des Alltags - längst weiß man nicht mehr, was wohin gehört. Die nackte algerische Wahrheit klingt so irreal, daß niemand sie glauben würde. Zum Beispiel die Geschichte von Tarik, dem Arzt, dessen Erlebnisse vom Kampf gegen die Cholera und Krankenhausverwaltung über Begegnungen mit der Staatssicherheit und Gefängnis dorthin führen, wo die Welt zuende ist. Tariks Bericht wird zu einer Bestandsaufnahme des heutigen Algerien zwischen Farce und Alptraum ...
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.04.2005
Mit ungeheuer viel Sympathien hat Joseph Hanimann diesen Roman des Algeriers Boualem Sansal gelesen, der zwar zum ausufernden Erzählen neige, den Rezensenten aber doch immer wieder mit seinem "abgründigen Witz" fesseln konnte. Ausgangspunkt ist wie immer die "Bar des amis" in Algier, in der "Träumer, Verschwörer, Versager" auf enttäuschte Intellektuelle und die Absolventen der Moskauer Patrice-Lumumba-Universität treffen. Zu allem Unglück muss der Arzt Tarik diesmal auch noch in die Provinz hinaus, um die nach Frankreich und Schweden emigrierten Cousinen zur sterbenden Mutter zu bringen. In Sansals Erzählung verspürte Hanimann abwechselnd "aufgekratzte Traurigkeit" und "deprimierende Lähmung", dann fand er wieder das "Arabisch der Apparatschik", den "Islam der Ajatollahs" mit einem selbstironisch gefärbten Humor verbunden, der Hanimann getrost über die schwachen Passagen des Romans hat hinweglesen lassen. Großes Lob geht schließlich noch an die Übersetzerin Regina Keil-Sagawe, die das "redselige Stimmengewirr erneut wunderbar" übertragen habe.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.02.2005
Ludwig Ammann weiß nicht, über wen er sich mehr ärgern soll. Über Boualem Sansal, der "auf dem Ticket des kritischen Intellektuellen" herumreist und allen erzählt, was ihn seine literarischen Tabubrüche gekostet haben. Oder über die Kritiker, die sich mehr für Politik als für Literatur interessieren und ein "derartiges Pamphlet" tatsächlich für eine differenziertes Porträt der algerischen Gesellschaft halten. Nein, Assmann sieht in den regimekritischen Reden, die Sansal seinen Alter Egos in den Mund legt, nicht mehr als den "Wortschwall eines zotengeilen Lästermauls". Nur "schale Witze" über die weit verbreitete Korruption ergeben noch keinen Roman, schimpft der Kritiker. Und bloß ein einziges Mal blitzt aus einer Passage mit "intensiven" Kindheitserinnerungen auf, was aus diesem Buch hätte werden können.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.10.2004
Hans-Peter Kunisch zeigt sich ein wenig gespalten, was Boualem Sansals neuen Roman angeht. Sansal sei den Qualitäten seiner vorherigen Romane insoweit treu geblieben, als es ihm auch dieses Mal gelinge, "ein poetisches Porträt des ganzen Landes, das in die Tiefe geht", zu zeichnen. Allerdings bestehen nach Ansicht des Rezensenten doch erhebliche Qualitätsunterschiede zwischen den verschiedenen Geschichten, die im Verlauf des Romans erzählt werden: manche seien leider nur gut gemeint, andere tatsächlich gut geworden. Bedauerlicherweise mache die Übersetzung von Regina Keil-Sagave häufig den Lesegenuss zunichte, da nicht nur zahlreiche vermeidbare Fehler lauerten, sondern zudem auch die (zugegebenermaßen schwierige) Übersetzung der Alltagssprache oft nur mäßig gelungen sei. Immerhin sind die klassischen, eher literarischen Passagen überaus geglückt, tröstet sich der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 06.10.2004
Dem Rezensenten Reiner Wandler gefällt der Blick, den der ehemalige Staatsbedienstete Boualem Sansal - in den Neunzigern, während des bewaffneten Konfliktes mit den Islamisten traute er sich oft nicht auf die Straße und begann das Schreiben als eine "Art von Selbsttherapie" - auf seine algerische Heimat wirft. Seinen Stil, der sowohl "Ironie" als auch "magischen Realismus" enthält, findet der Rezensent "eigen" und auch die Lebensrealität des Landes glaubt Wandler gut getroffen. Sansal entwirft "wortreich Prototypen der heutigen algerischen Gesellschaft: kleine Ganoven, Islamisten, Schwarzmarkthändler, Bürokraten, Nutten und Zuhälter", die sich mit dem beschäftigen, was in Algerien - wo die Zeit zäh läuft - das geistige Überleben sichert: "langen Gesprächen". In Wandlers Augen ist das Buch eine "eigenwillige Hommage" an Algerien.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.10.2004
"Seit Celine und Malaparte hat man eine ähnliche Wut nicht mehr gelesen." Thomas Fitzel bespricht den neuen Roman von Boualem Sansal als das Werk eines der auf mehrerlei Weise radikalsten Schriftsteller der arabischen Welt. Zunächst mal: Sansal lebt noch immer in Algerien - trotz des Terrors, trotz der toten Freunde, trotzdem er seinen Job verlor. Er schreibt, so Fitzel, um sich zu erklären, was da passiert, und heraus kommt eine furiose, exorzistische Anstrengung, ein Sprache gewordener Zorn wider die "kollektive Amnesie". Als Gegenmittel will Sansal die Tradition des Mündlichen bewahren und schreibt deshalb, so Fitzel, einem "Kauderwelsch" aus Französischem, Algerischem und Berbersprachen: "So stürzt auf den Leser eine wüste Suada herab, die halluzinatorische dann wieder ganz klare Passagen enthält, im freien Fall wird er über Wortkaskaden und -katarakten hinab gerissen." Die Fäden der Handlung verliert man dabei oft, erklärt der Rezensent - deshalb schreibt er auch kaum etwas darüber. Bemerkenswert am vorliegenden Buch sei dagegen, dass Sansal dieses Mal für seine Verhältnisse "fast schon heiter" erzähle, auch über seine "eigene Zerrissenheit als Schriftsteller". Doch dann gehe er wieder der Gewalt auf den Grund, wütend die Tabus brechend. Das Problem dabei: "Der zornige Blick (...) sieht keine Unterschiede mehr, ob islamistischer Terror, Staatsterror, Kolonialkrieg oder antikolonialer Befeiungskampf - die Grenzen verwischen."
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