Bücher der Saison
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Klappentext
Herausgegeben von Hannes Böhringer, Helga Grebing und Beate Söntgen unter Mitarbeit von Arne Zerbst. Mit 331 s/w Abbildungen und einer CD-Rom mit Vorlesungen aus dem Nachlass. Angst, so Worringer ist das Movens der Kunst, zumindest der ersten, der abstrakten. Damit ist er zum Stichwortgeber für die Abstraktion in der modernen Malerei geworden. Worringers Kunstgeschichte ist eine spekulative Kunstgeschichte. Von der Psychologie und der Völkerpsychologie des 19. Jahrhunderts genährt fragt sie nach "Ausdrucksbewegungen" und den psychischen Erregungen, die diesen zugrunde liegen. Er verschärft den antiklassischen Affekt, der sich schon bei Riegl regt, er bekämpft das klassizistische Vorurteil der Kunstgeschichte und ihren "europazentrischen Blick". Seine Texte sind Essays, die Lehrmeinungen und sich selbst in Zweifel ziehen. Seine Denkbewegungen folgen mit Vorliebe den "nomadischen Linien" (Deleuze), die ihm als Zeichen der Angst gelten, von der Gotik bis zur Moderne.
Den Denker und Kunstschriftsteller Wilhelm Worringer (1881-1965) neu zu lesen, ist das Anliegen dieser Edition. Die nun vorliegenden Bände versammeln nicht nur bereits publizierte Schriften. Sämtliche Vorlesungsmanuskripte aus dem Nachlass, bislang unveröffentlicht, wurden für diese Edition transkribiert, in Auszügen gedruckt und vollständig als CD-ROM beigefügt.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2004
Ein so seltener wie erstaunlicher Fall ist es, stellt Rezensent Henning Ritter fest, dass eine Dissertation auch 100 Jahre nach ihrem Erscheinen verfügbar ist, und auch noch in mehreren Sprachen. Es ist der Fall von Wilhelm Worringers kunsttheoretischer Doktorarbeit mit dem fast schon geflügelten Titel "Abstraktion und Einfühlung". Die von Worringer vorgenommene Unterscheidung zwischen "nachahmender und formgesetzlicher Kunst" hatte weit reichende Wirkungen. Hier wird nun eine Sammlung kürzerer Texte Worringers vorgelegt, von denen der Rezensent den zu den "Künstlerischen Zeitfragen" von 1921 besonders eindrucksvoll findet. Der Autor erklärt darin den "Bankrott" der "zeitgenössischen Kunst im allgemeinen" - eine Ansicht, der sich Ritter in einem umfassenden Schlenker bis zur Gegenwart der "modernen Kunst" anzuschließen geneigt scheint. Die Zeiten der "großen Maßstäbe der Weltkunst", so Ritter nicht ohne Bedauern, sind vorbei. Umso begeisterter ist er von dieser "reichen und im Schlussteil sehr schön kommentierten Sammlung".
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