Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Rafik Schami erzählt die dramatische Geschichte der Liebe zwischen Farid Muschtak und Rana Schahin, die in Damaskus von Verfolgung und Mord bedroht wird. Er spannt einen weiten Bogen über ein Jahrhundert syrischer Geschichte, in dem Politik und Religionen ein Volk nicht zur Ruhe kommen lassen. Ein Roman von ungeheurer Wucht und zugleich eine Liebeserklärung an seine Heimatstadt Damaskus.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.11.2004
Trotz der stattlichen 900 Seiten, die sein neuer Roman "Die dunkle Seite der Liebe" auf die Waage bringt, gelingt es Rafik Schami, beim Leser den Eindruck zu hinterlassen, er habe ihn keine Zeit gekostet, sondern ihm Zeit geschenkt, so die angetane Rezensentin Angelika Overath. Eines hat Overath bei der Lektüre überrascht, und zwar wie "leicht zu lesen" Schamis arabische Variante von Romeo und Julia ist, und wie schwer nachvollziehbar sie dennoch bleibt. Es könne daher nicht von Zufall die Rede sein, wenn der Roman schließt mit der Figur des alten und weisen Meisters der Kalligrafie, dessen eigentliche Leidenschaft jedoch dem Mosaikbauen gilt. Hier meint die Rezensentin zugleich den Autor selbst und das Strukturprinzip seines Romans zu erkennen. Die Bruchstellen des Mosaiks verlaufen jedoch in Damaskus und in Arabien ganz anders als in der abendländischen Welt des Lesers: Der "Sinn des Geschehens" ist nicht durch den Einzelnen, sondern durch das "tradierte Gesetz der Sippe" vorgegeben, erklärt sie. Dies gelte gleichermaßen im privaten wie auch im öffentlichen Leben. So erfährt der Leser viel über "den Geist arabischer Despotien" und über die "soziokulturellen Brüche und Neuansätze in der arabischen Welt", lobt Overath. Mit seinem "modernen arabischen Sitten-Tableau", so das Fazit der Rezensentin, hat Schami einen Roman geschrieben, "der so unpolitisch und politisch ist wie die Liebe".
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.10.2004
Dass Fritz J. Raddatz auf seine alten Tage über einen Roman noch so außer sich geraten kann! Und zwar vor Begeisterung. "Sie werden eine Scheherazade miterleben in blitzender Farbigkeit", verspricht der sinnengesättigte Raddatz dem Leser von Rafik Schami. Der Autor habe einen "Zauberteppich" geknüpft aus "Blutrache, Stammesfehden und Familienzwist" und natürlich der Liebe. Er habe ein Opus geschaffen, das dem Handlungsschauplatz, dem großen Mosaik mit Namen Damaskus, ebenbürtig sei. "Schlechterdings bewundernswert" findet Raddatz, wie Schami über ganze 868 Seiten hinweg das Niveau hält, so dass es für den Leser "keinen Moment des Ermüdens" gibt. Außerdem erzähle der auf Deutsch schreibende Schami, als wäre er Teil seiner eigenen Geschichte. Durch diese Technik der "Teilhaftigkeit" erreiche er einerseits ein "Fluidum des Verstehens" seitens des Lesers, der sich in der für ihn fremden Welt mühelos einfinde, andererseits werde Schami, und das ist laut Raddatz "nicht hoch genug anzurechnen", dadurch nie langweilig. Dieses Buch sieht unser Rezensent als hoffnungsvolles Anzeichen, dass eine neue Erzählergeneration von Deutsch schreibenden, aber nicht deutschstämmigen Autoren entstehen könnte, die frischen Wind in den hiesigen Literaturbetrieb bringt. Aber selbst wenn nicht, diese Roman zumindest ist für Raddatz ein "veritables Mirakel".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.10.2004
Dreißig Jahre hat Rafik Schami gebraucht, erzählt Ulrich Baron, um diese syrische Romeo-und-Julia-Geschichte aufzuschreiben, die ihm seine Mutter 1971 mit auf den Weg ins deutsche Exil gegeben habe. Schon in der dritten Generation nämlich bekriegen sich in "Die dunkle Seite der Liebe" die Schahins und die Muschtaks, obwohl beides christliche Familien sind, aber orthodox die einen, katholisch die anderen. Beides sind vom arabisch-islamischen Ehrbegriff und Clandenken geprägt, so dass ihre jüngsten Sprösslinge, die sich ineinander verliebt haben, eine abenteuerliche Flucht wagen und schließlich den Gang ins Exil antreten müssen. Schami hat diese Liebesgeschichte aus den siebziger Jahren nicht eins zu eins rekonstruiert, so Baron, sondern in ein kunstvolles Mosaik verwandelt, in welchem er orientalische und eher zweidimensional anmutende Erzählmuster aufgreife, die zunächst auf psychologische Tiefe und den großen historischen Bogen zu verzichten scheine - alles Bestandteile, die für uns Westler zu einem richtigen Epos gehören. Schamis Romankonstruktion ist ausgesprochen kleinteilig, beinahe ornamental, meint Baron, aber so geschickt ausgeführt, dass er Figuren und Schauplätze immer wieder in neuen Konstellationen zusammenführe und auf diese Weise doch ein großes Panorama der Geschichte Syriens vom Osmanischen Reich bis in die siebziger Jahre dieses Jahrhunderts entwickle.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.10.2004
896 Seiten, 303 Kapitel, mehrere Generation, unzählige Schicksale, beinahe ebenso viele Genres und "einmal durch die Hölle der Welt in den überkonfessionellen Himmel" - Rafik Schami mangelt es nicht an Ambition, doch Petra Kohse nimmt ihm seinen "enzyklopädischen Anspruch" nicht übel. Denn wenn einer so erzählen kann! Außerdem war es ein Jugendtraum: "Man müsste (...) einen Roman über alle Spielarten der verbotenen Liebe in Arabien schreiben", dachte Schami als 16-jähriger und schreibt das hier im letzten, sozusagen dem "Making-of-Kapitel" auf, nachdem er den alten Plan gerade zum krönenden Abschluss gebracht hat, erzählt Kohse. Es geht nicht um Kritik an bestimmten Religionen, erläutert sie, es geht um den Fanatismus allgemein, und um eine Fülle spezieller Liebesgeschichten, die davon gefährdet werden. Schami, der "natural born Erzähler", rollt sie alle aus und folgt ihnen bis in Verästelungen weit ab vom Stamm der Erzählung - "zurückgelehnt, liebevoll ironisch und gleichmäßig präsent", lobt unsere Rezensentin.
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Uangenehm plausibel
11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
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09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
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06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen







