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Roberto Zapperi
Der wilde Mann von Teneriffa
Die wundersame Geschichte des Pedro Gonzalez und seiner Kinder
Klappentext
Aus dem Italienischen von Ingeborg Walter. Dies ist die Geschichte eines Mannes von den Kanarischen Inseln, dessen Gesicht und Körper dicht von Haaren bedeckt war. Sie spielt im 16. und 17. Jahrhundert und führt an die Fürstenhöfe in Frankreich, Deutschland und Italien, wo der Haarmensch und seine behaarten Kinder als merkwürdige Wunder der Natur bestaunt werden.
Roberto Zapperi erzählt vom Schicksal eines Eingeborenen aus Teneriffa, der mit einer sehr seltenen Krankheit geschlagen war. Lange pelzartige Haare bedeckten sein Gesicht und seinen Körper und gaben ihm das Aussehen eines Tiers. Die Geschichte beginnt in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts und setzt sich am französischen Hof König Heinrichs II. fort, dem Pedro Gonzalez - so ein spanischer Name - als Kind geschenkt wurde. Der König ließ ihn studieren; in Paris heiratete er eine schöne Französin, die ihm mehrere zum Teil ebenfalls behaarte Kinder schenkte. Politische Wirren führten die Familie später nach Italien, an die Höfe der Farnese in Parma und Rom, bis der älteste Sohn seinen Eltern und Geschwistern schließlich in einem abgelegenen Dorf am See von Bolsena eine neue Bleibe verschaffte, wo sie endlich jenes normale Leben führen konnten, das ihre Anomalie ihnen bis dahin verweigert hatte.
Die labile Grenze, die den Menschen vom Tier trennt und beide zugleich unwiderstehlich anzieht, ist der rote Faden des ganzen Buches. Es erzählt davon, wie Fürsten den behaarten Menschen Schutz gewährten, sie jedoch gleichzeitig wie wilde Tiere ausstellten.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Der wilde Mann von Teneriffa - mehr bei C.H. Beck
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.11.2004
Hans-Volkmar Findeisen ordnet diese Veröffentlichung in eine Tendenz des Zeitgeistes ein, die nach den "Grenzen zwischen Kultur und Wildnis, zwischen Mensch und Tier" sucht, beziehungsweise nach der Verwischung genau dieser Grenzen. Der Privatgelehrte Roberto Zapperi ist nun bei der Familie des Don Pedro Gonzalez fündig geworden, die im 16. Jahrhundert eine europäische Attraktion war: Aufgrund einer - wie man heute weiß - genetischen Anomalie waren nämlich alle Familienmitglieder ganzkörperbehaart - und wurden so zum "Synonym für das Wilde, Andere und Bedrohliche". Zapperi erzählt die Geschichte der Familie Gonzalez nicht nur als historische, sondern auch als "Bildgeschichte". Dies und die "zum Teil fulminanten Interpretationen" sorgen für eine beträchtliche Dynamik, begeistert sich der Rezensent, und machen die Lektüre zu einem "fesselnden" Erlebnis.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2004
Der wilde Mann von Teneriffa war am ganzen Körper behaart, er litt unter der Krankheit Hypotrichose - aber wild war er sehr schnell nicht mehr, denn am Hof in Parma lernt er Latein, wird verheiratet und zeugt Kinder, auch sie zum Teil ganzkörperbehaart. Zum Mythos vom "wilden Mann" kommt so, wie der Rezensent Heinz Dieter Kittsteiner schreibt, "das Märchen La Belle et la Bete". Die Familiengeschichte des Don Pedro Gonzalez und seiner Kinder rekonstruiert dieses Buch, und zwar "sorgsam". Was allerdings fehlt und vom Rezensenten auch schmerzlich vermisst wird, ist der größere Zusammenhang, ist die Geschichte der "Monstren" und ihrer "weit gefächerten Signifikanz". Um darüber mehr zu erfahren, muss man sich an andere Bücher wenden, so Kittsteiner, insbesondere an Lorraine Dastons und Katharina Parks "Wonders and the Order of Nature" ("Wunder und die Ordnung der Natur", Eichborn 2002). Dass der Autor dieses Werk offenkundig nicht zu Rate gezogen hat, sei bedauerlich. Aber immerhin: als "detektivische Detailforschung" ist Zapperis Studie von Interesse, so Kittsteiner.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.10.2004
Roberto Zapperi ist gemäß Rezensent Robert Jütte ein Geschichtsschreiber vom Schlage eines Carlo Ginzburg, dem Begründer der Mikrohistorie; allerdings fehle ihm als Geschichtenschreiber etwas von den Fähigkeiten eines Clifford Geertz, der als historischer Anthropologe immer viel "dichte Beschreibung" lieferte. Auch Roberto Zapperi ist Kulturhistoriker, der einem seltsamen und seltenen Phänomen nachgegangen sei: den "Haarmenschen" von Teneriffa, Ureinwohnern der Insel in Gestalt der Familie von Pedro Gonzalez, die von einer fast pelzartigen Ganzkörperbehaarung befallen war. Ein genetischer Defekt, der mittlerweile wissenschaftlich notiert ist, wie Jütte weiß. Pedro Gonzalez wurde vom spanischen König zwangsverheiratet und mitsamt seinen ebenfalls übermäßig behaarten Kindern an verschiedene andere Höfe weitergereicht. Ob als Wilde oder Naturwunder, jedenfalls wurden sie in Öl gemalt, gezeichnet und ihr Bildnis später in Drucken vervielfältigt. Die Original- Bildersammlung befindet sich heute noch in Schloss Ambras bei Innsbruck, so Jütte. Zapperi sei es mit der Rekonstruktion dieser erstaunlichen Familiengeschichte gelungen, die "heute noch faszinierenden Porträts" von Ambras mit Leben zu füllen. Darüber hinaus hätte sich der Rezensent allerdings etwas mehr Informationen über medizinische Sachverhalte und kulturelle Deutungsmuster des haarigen Problems gewünscht.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.10.2004
Als "wohltuend" hat Thomas Macho die Lektüre des "anspruchsvoll wie bescheiden verfassten Buchs" von Roberto Zapperi empfunden. Der erzähle die Geschichte des Pedro Gonzalez, des bekanntesten Haarmenschen am Pariser Hof, ruhig und differenziert, unter Vermeidung jeglicher "Ausrufung des Spektakulären". Einen nachhaltigen Eindruck hat auch Zapperis Sorgfalt bei den Details hinterlassen. Es gelingt ihm, so Macho, die Reisen des "wilden Manns von Teneriffa" zu rekonstruieren, seine zahlreichen Kontakte zu Höfen und Herrschern bloßzulegen, den Einfluss auf populäre Mythen wie den von der Schönen und dem Biest nachzugehen oder den medizinischen Hintergrund der Krankheit zu erklären. Ein "besonderes Verdienst" sieht Macho in der Schilderung der verschiedenen und komplexen "kulturellen Bezugssysteme", innerhalb derer Gonzalez und seine Familie von der zeitgenössischen Gesellschaft wahrgenommen wurden.
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