Bücher der Saison
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Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Giovanni und Ditte Bandini. Mouse erwacht in Betten fremder Männer, ohne sich an den Weg dahin erinnern zu können. Andrew hingegen teilt seinen Körper mit einem sexbesessenen Teenager, einer tollen Tante, grummeligen Cousins und anderen Gestalten. Matt Ruff erzählt die Geschichte zweier junger Menschen mit multipler Persönlichkeitsstörung...
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.01.2005
Dass der Autor des von multipler Persönlichkeitsstörung (MPS) handelnden Romans "Ich und die anderen" seine "Effekte" beherrscht, gesteht ihm Rezensent Christoph Bartmann gerne zu. Für die unterschiedlichen Seelen des Protagonisten Andrew Gage verwendet Matt Ruff gekonnt "Sätze, deren Sprecher sich bis zum nächsten Punkt schon längst von einer Seele in die nächste verwandelt haben, tausend der Seelenlage angepasste Tonlagen und Redeweisen". Es sei eine "atemberaubende Menagerie von Stimmen und Charakteren auf der Suche nach Ordnung". Dass der Autor aber den umstrittenen Zusammenhang zwischen Inzest und MPS offensichtlich ohne Zweifel anerkennt, stört den Rezensenten. Ruff lässt Andrew Gage und seine ebenfalls an MPS leidende Freundin Penny - inklusive "einem Dutzend Seelen auf dem Rücksitz" - von Seattle nach Michigan reisen. Dort will Gage den "bösen Geist" des verstorbenen Stiefvaters aufsuchen und so seinen Seelenfrieden wiederfinden. Der Autor ist ein "menschenfreundlicher" und "gutmütiger" Erzähler, der "den Zynismus offenkundig verabscheut", bemerkt Bartmann. So sei ein "bizarres Roadmovie" das Ergebnis, eine "zarte und dreieckige Liebesgeschichte" (allerdings erfährt man nicht, zwischen wem) sowie eine "rührselige und manchmal auch rührende Selbstfindungsgeschichte mit Inzest-Motiv".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 06.10.2004
Frank Schäfer hatte seinen Spaß an Matt Ruffs neuem dickleibigen Roman "Ich und die anderen". Er findet, dass Ruff sich sehr geschickt seine Versiertheit als Plotter zunutze macht, um den Leser in das Innenleben gespaltener Personen zu versetzen und so das Wesen einer dissoziativen Persönlichkeitsstörung zu veranschaulichen. Dabei zeigt sich: diese Form von Erkrankung ist in erster Linie "eine kreative Leistung". Ein "menschenfreundlicher" Standpunkt also, den Ruff einnimmt. Es gibt gleichwohl natürlich viel Gewalt in dem Roman, in den verschiedensten Formen, körperlich, sexuell, seelisch. Zwei multiple Persönlichkeiten machen sich auf zu den Ursprüngen ihres Leidens. "Roadtrip" nennt Schäfer dies. Die Handlung wird aus wechselnden Blickwinkeln dieser beiden Protagonisten - und von deren alter egos - präsentiert. Das sorgt für Abwechslung, nutzt sich aber auch ab mit der Zeit, wird zur Masche, so dass der Rezensent meint, ein paar Seiten weniger hätten es womöglich auch getan. Aber wie auch immer - eine Empfehlung, das in jedem Fall.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.09.2004
Bisweilen "brüllend komisch" und dann wieder tieftraurig fand Rezensent Andreas Platthaus die Geschichte von zwei Menschen, die an Symptomatik der "multiplen Persönlichkeit" leiden. Beeindruckt geht er auch vor dem Kunststück auf die Knie, wie im Roman auf höchstem literarischen Niveau Unterhaltungslektüre entstanden ist. Das Buch beschreibt Platthaus zufolge die gegenläufige Entwicklung seiner beiden Protagonisten Andrew und Penny, die durch traumatische Erfahrungen jeweils ein Heer von vollwertigen Nebenpersönlichkeiten produziert hätten. Ruff nun macht nach Ansicht des immer wieder staunenden Rezensenten die Persönlichkeitsvielfalt der beiden zu einem so selbstverständlich erzählten Motiv, dass ihm beim Lesen eher die Normalen als anormal erschienen sind. Wie Autor Matt Ruff den Wechsel von einer zur anderen Persönlichkeit innerhalb einer Figur beschreibt, fand der Rezensent gelegentlich schon zirkusreif. Bisweilen geschehe das mitten im Satz und es obliege dann der Findigkeit des Lesers zu bestimmen, welche Persönlichkeit den Körper des entsprechenden Protagonisten gerade in der Hand habe. Insgesamt hat Platthaus das Buch als "Abenteuerfahrt durch das, was man gerne als Wahnsinn abtut", gelesen. Bei Matt Ruff habe es allerdings die Bezeichnung "Wahrsinn" verdient.
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