84 Seiten; mit zahlreichen Abbildungen und einem farbigen Stadtplan von 1804 mit 55 Adressen, zu denen Schiller eine nachweisbare Beziehung hatte. Mit der Ausstellung "Schiller in Berlin - Mai 1804" erinnerte das Literaturarchiv an einen zweiwöchigen Besuch des Dichters in der Hauptstadt und gibt Einblick in die Marbacher Bestände und Sammlungen, die seit dem 19. Jahrhundert kontinuierlich aufgebaut wurden. Die Marbacher Sammlungen stellen eine der umfänglichsten Dokumentationen der Schiller-Rezeption und -Verehrung dar. In ihrer Konzeption folgte die Ausstellung Schillers Kalendereinträgen in Berlin: In knapper Form notierte der Dichter, wen er wann traf, wo er dinierte, und welche Theater- und Opernaufführungen er besuchte. Die ausgestellten Objekte kommentieren die Aufzeichnungen und ergänzen sie insbesondere dort, wo die Verhandlungen über Schillers Berufung nach Berlin das Thema sind. Ebenso werden Weimar und Berlin um 1800 im Kontrast vorgestellt. Weitere Bild- und Textzeugnisse belegen die Reaktion, die Schillers Tod auf die preußische Hauptstadt hatte. Am Ende stehen Zeugnisse der Schillerverehrung, die in der Einweihung von Begas' Marmordenkmal auf dem Gendarmenmarkt gipfelte. Ein besonders wertvolles Stück, das in Berlin entstand und 1937 aus Schloss Greifenstein, dem Sitz der letzten Nachkommen Schillers aus der Familie von Gleichen-Rußwurm, nach Marbach gelangte, ist eine Vase mit dem Schiller-Porträt aus der Königlichen Porzellanmanufaktur Berlin. Zu Schillers hundertstem Geburtstag 1859 hatte sie die Kronprinzessin Augusta den Nachkommen zum Geschenk gemacht. Mit der Berliner Ausstellung kehrte das wertvolle Einzelstück erstmals an den Ort seiner Entstehung zurück.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.09.2004
Eine "kleine, feine Publikation" nennt Hanno Helbling Michael Bienerts "Schiller in Berlin", was man als aufmunternden Beifall verstehen kann. Geschildert werden zwei Wochen im Mai des Jahres 1804. Gesundheitlich schon arg angeschlagen, setzt sich der idealistische Dichterphilosoph in diesem Zeitraum der preußischen Metropole aus, und das kulturelle Deutschland neigt sich zu ihm hin. Bienert zeigt, zeitgenössisch illustriert, wie Berlin damals noch dominiert wurde von französischem Theater und italienischer Oper, wie, angeknüpft an die Person Schillers, eine "romantisch-nationale Neuorientierung" in die Wege geleitet wurde, vorsichtig, begrüßt von der Königin und abgelehnt vom König. Weiterreichende Überlegungen tauchen auf: Kann man Schiller gar zum Berliner machen? Nicht mehr; 1805 stirbt er.
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