Sind Gene unser Schicksal? Die sozialwissenschaftliche und philosophische Diskussion der Ergebnisse der Genomforschung ist eigentümlich verzerrt. Meist wird die Gefahr eines genetischen Determinismus beschworen, der Selbstbestimmung und Freiheit der Subjekte bedrohe. Diese Studie zeigt die Grenzen dieser Kritik. Sie macht deutlich, dass die Arbeit von Selbsthilfegruppen im Bereich genetischer Krankheiten neue Formen personaler Identität und kollektiver Vergemeinschaftung schafft. Das genetische Wissen führt nicht zu einer "Biologisierung des Sozialen", sondern verändert die individuelle Erfahrung von Schwangerschaft, Familie und Partnerschaft ebenso grundlegend wie gesellschaftliche Institutionen. Der Band wird abgerundet durch ein Glossar und eine Liste nützlicher Internetadressen, die einen Einstieg in die Diskussion ermöglichen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.09.2004
Als "weithin gelungen" empfindet Carlo Caduff Thomas Lemkes "Veranlagung und Verantwortung". In der Studie setzt der Frankfurter Soziologe sich anhand der Erbkrankheit Chorea Huntington (Veitstanz) mit der Frage auseinander, ob bei gendiagnostischen Verfahren tatsächlich ein "Rutschbahneffekt" zu erwarten ist - das heißt also, ob, sind solche Verfahren erst einmal etabliert, ihre Anwendung sofort um sich greift, unbesorgt um moralische Einwände. Lemke konstatiert, dass von den potenziell Betroffenen des Morbus Huntington nur zehn Prozent die Möglichkeit eines Gentests in Anspruch genommen haben. Das ist das Ergebnis einer vom Deutschen Konsortium für molekulargenetische Diagnostik von 1993 bis 1997 durchgeführten Untersuchung. Statt dass gendiagnostische Durchleuchtung in Anspruch genommen wurde, hat sich, so Lemkes Erkenntnis, vielmehr ein reiches soziales Biotop aus Selbsthilfegruppen und Interesseverbänden um die Gefährdung herum entwickelt. Als weniger gelungen empfindet der Rezensent Lemkes ethisch-kritisches Schlusswort. In diesem falle der Autor, so Caduff, sogar hinter seinen eigenen Wissensstand zurück - als Verfasser einer Studie über das Spätwerk Foucaults ebenso wie als Urheber der vorliegenden Arbeit.
Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Florian Illies: Träume aus Feuer Tauchen wir ein in die großen Träume eines großen Mannes: Johannes Kunckel ist ein Magier und Alchemist, der daran glaubt, Gold zaubern zu können. Der brandenburgische Kurfürst…