Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Aus dem Französischen von Beate Thill. Nach zwanzig Jahren in Frankreich kehrt Berkane nach Algerien zurück. In einem Haus am Meer, später reisend, fotografierend, will er wieder Fuß fassen. Die Straßen und Plätze seiner Erinnerungen sind fremd und bedrohlich geworden, tastend versucht er, sich der spannungsvollen, turbulenten Realität zu nähern. Die Briefe an Marise, die französische Schaupielerin, mit der er zusammenlebte, schickt er nicht ab. Dass er Tagebuch schreibt und an einem Roman arbeitet, wissen nicht einmal seine Freunde. Erst die drei Nächte mit Nadjia holen ihn in die Gegenwart zurück.
In diesem erotischen Taumel ohne Zurückhaltung erwacht die Sprache der Kindheit wieder in ihm. Die Bilder, Gedanken und Wörter werden im Dialekt seiner Mutter lebendig. Doch dann ist Berkane verschwunden. Tage später wird sein Wagen gefunden, ganz in der Nähe des einstigen Gefangenenlagers, in dem er als Jugendlicher Monate verbracht hatte. Seinen Freunden eröffnet sich erst jetzt, aus seinen Aufzeichnungen, das Drama von Berkanes Rückkehr.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.03.2005
Sehr berührt ist Ludwig Ammann von diesem Roman, in dem die große Assia Djebar einen Trauergesang anstimmt, eine "versfreie, selbstbeherrschte und gerade darum ergreifende Elegie" wie Ammann schwärmt. Djebars Trauer gilt dem Verschwinden der französischen Sprache, die Algerien zusammen mit den frankophonen Intellektuellen verlassen hat, die Anfang der 90er Jahre der islamischen Heilsfront fliehen mussten. Zärtlich und voller Hingabe erzähle Djebar die Geschichte eines Mannes, Berkane, der kurz vor den entscheidenden Wahlen im Herbst 1991 aus Paris nach Algier zurückkehrt. Hier beginnt er sich zu erinnern, an die Schrecken des Freiheitskampfes, an Folter, Mord und Terror in der "Sprache des Gedächtnisses", auf französisch, an Liebe und Intimität auf arabisch. Nie erzähle die polyglotte Djebar einseitig, nie im Tonfall der Empörung, immer ruhig, staunt Ammann, dafür mit sehr viel Gespür für die Zerrissenheit des Zweisprachigen .
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 06.10.2004
Martin Zähringer gefällt dieser Roman, der voll unterschiedlicher "Schwingungen" steckt, "seien sie sinnlicher, symbolisch-sprachlicher, ironischer oder selbstreferenzieller Natur". Nach Meinung des Rezensenten ist es ein Leichtes, diesen Roman über die Rückkehr aus dem französischen Exil zu unterschätzen, wenn man sich zu sehr auf den "melodramatisch anklingenden Ton" konzentriert. Das Fazit, das die Autorin Assia Djebar in diesem "Drama der Menschwerdung unter der Knute des französischen Kolonialismus" über eine prototypische algerische Biografie entwickelt - eine solche Biografie zeichnet sich dadurch aus, dass man von einem Desaster zum nächsten stolpert - ist deprimierend: "Ein gutes Ende gibt es nicht".
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.09.2004
Auch in diesem Roman der algerischen Autorin Assia Djebar, in dem ein Mann nach 20 Jahren französischen Exils wieder nach Algerien zurückkehrt und es "grässlich verändert" vorfindet, konzentriert sich alles auf eine Sprachkrise, befindet Karl-Markus Gauß. Der Held konstatiert bei seiner Rückkehr einen "verheerenden Sprachzerfall", der ihm als Indiz für die politischen und kulturellen Veränderungen gilt, die Algerien in den letzten zwei Jahrzehnten durchgemacht hat, so der Rezensent weiter. Dabei seien die politischen Verhältnisse allerdings nur die Hintergrundfolie für die Geschichte eines alternden Mannes, der sich durch die Liebe zu seiner Pariser Geliebten und zu einer jungen algerischen Frau seiner selbst zu vergewissern sucht, erklärt Gauß, der zwar mit Lobesworten geizt, insgesamt aber sehr eingenommen wirkt.
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