Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Die Unterweltreise (katabasis) ist in der Literatur und in der Vorstellungswelt des 20. Jahrhunderts erstaunlich präsent - als Trope, als Thema und als Modell des literarischen Unternehmens. Was aber macht den ursprünglich mythologisch-religiösen Topos so anschlussfähig für die Moderne? Welche Funktion übernimmt die katabasis? Wofür steht die Unterwelt im 20. Jahrhundert? Und wo liegt sie?
Isabel Platthaus untersucht in dieser Arbeit die strukturelle Funktion und die narrative Bestimmung des Topos der Unterweltreise. Indem sie die Entwicklungen des Motivs in literarischen wie außerliterarischen Diskursen verfolgt, entdeckt die Autorin einen kulturellen Imaginationsraum und ein narratives Modell, aus dem sie eine Poetik des Erzählens gewinnt. Damit ergänzt die Arbeit ihren literaturwissenschaftlichen Schwerpunkt durch eine kulturgeschichtliche Dimension.
Eine Vermittlerrolle spielt hierbei die Psychoanalyse, welche die Autorin als großes "Epos der Psyche" fasst und in Verbindung zu den klassischen Vertretern des epischen Kanons - Homer, Vergil und Dante - setzt. Den Fluchtpunkt der narratologischen Perspektive stellt jedoch James Joyces "Ulysses" dar, ein epischer Text, der anhand des Motivs der Unterweltreise die Strategien des Erzählens vorführt und auch über dessen Grenzen hinausweist.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 31.05.2005
Die Reise durch die Unterwelt ist stets ein klassischer Bestandteil des Epos gewesen, stellt Kai Wiegand fest, doch selbst in der Moderne, die nicht mehr an den Mythos glaube, trete das Motiv häufiger auf. Die Komparatistin Isabel Platthaus ist diesen Motivwandlungen in ihrer Studie "Höllenfahrten" nachgegangen - ein kluges Buch, stellt Wiegand schlicht fest. Den ersten Bruch im christlichen Weltbild, das von Höllenphantasien heimgesucht wurde, stelle Platthaus in der Zeit Galileis fest; die Entwicklung der Mathematik, der Geologie, später die industrielle Revolution trugen ihren Teil dazu bei, die ganze Welt (inklusive Unterwelt) zu entzaubern; dafür geriet die Industrie selbst zur Höllenmetapher, referiert Wiegand Platthaus' literarische Erkundungen. Spannend wird es dann noch mal, verrät der Rezensent, wenn es um Freud geht, der sich als Seelenarchäologe betätigte und die Innenwelt zur Unterwelt erklärte; darüber hinaus habe Freud den Mythos in die Psychoanalyse aufgenommen, woraus sich - zumindest für die Literaturwissenschaften - ein metapoetisches Programm ergab, das Platthaus selbst in ihren beiden Schlusskapiteln anwende: bei Joyce' "Ulyyses" und bei Thomas Pynchon, zwei lesenswerte Exegesen, meint Wiegand, die die Unterwelt als anarchischen Raum definierten.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Von Lesern empfohlene Bücher
Petur Gunnarsson: punkt punkt komma strich
Aus dem Isländischen von Benedikt Grabinski. Eine isländische Kindheitsgeschichte, die am Ende des Zweiten ...
Moti Kfir, Ram Oren: Sylvia Rafael
Als bei den Olympischen Spielen in München im September 1972 elf israelische Sportler von einer palästinensischen ...
Archiv: Bücherschauen
Uangenehm plausibel
11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Joan Didion: Blaue Stunden
09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
Maria Sonia Cristoff: Unbehaust
06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen







