Jaromir Balcar

Politik auf dem Land

Studien zur bayerischen Provinz 1945 bis 1972.
Cover: Politik auf dem Land
Oldenbourg Verlag, München 2003
ISBN 9783486565980
Gebunden, 584 Seiten, 39,80 EUR

Klappentext

Zwischen dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Ölkrise der siebziger Jahre lag eine Periode atemberaubender Veränderungen, die auch die agrarisch-strukturschwachen Regionen Westdeutschlands mit voller Wucht erfassten. Am Beispiel bayerischer Landkreise beleuchtet diese Studie den Strukturwandel der ländlichen Gesellschaft und seine Auswirkungen für die "Politik auf dem Land". Der Autor untersucht das Sozialprofil der politischen Elite, beschreibt das Vordringen der Parteien in die agrarischen Regionen, vor allem die "Landnahme" der CSU und die Schwierigkeiten der SPD, im bäuerlich-kleinstädtischen Milieu Fuß zu fassen, und analysiert die politische Praxis sowie die Handlungsspielräume von Kommunalpolitikern. Der Blick von unten ergänzt die Geschichte der Bundesrepublik um ein wichtiges Kapitel: Er verdeutlicht, wie sehr die ländliche Gesellschaft in der Phase des "Wirtschaftswunders" ökonomisch umgepflügt und dabei auch aus ihrem politischen "Dornröschenschlaf"gerissen wurde; erzeigt aber auch, dass das Land - allen Umbrüchen zum Trotz - einen Teil seines "Eigensinns" behalten hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.09.2004

Das Dorf und die ländliche Gesellschaft sind keine Unbekannten auf der historischen Landkarte, behauptet Rezensent Michael Hollmann und setzt hinzu, dass der Bereich der Kommunalpolitik allerdings immer ausgespart blieb. Balcars Studie schaffe da begrüßenswerter Weise Abhilfe, zumal sie trotz großen statistischen Aufwands äußerst lesenswert und lesbar ausgefallen sei. Balcar hat die Aufbereitung seines Materials durch kleine Miniaturen beziehungsweise Porträts durchbrochen, um die differenzierte Realität hinter den simplen Fakten zu zeigen, wie Hollmann vermutet. Auch der Rezensent steuert einige Fakten bei: der Untersuchungszeitraum erstreckt sich auf die Jahre 1945 bis 1972, als eine Gebietsreform Bayern neu ordnete; die Ortsbürgermeister waren nach dem Krieg meist selbständige Bauern, die sich in freien Wählergemeinschaften organisierten und ihr Amt nur in der Freizeit ausübten; viel wichtiger wurden deshalb, führt Hollmann aus, die Landräte, die gewählt und bezahlt und so zu "Matadoren der Modernisierung" wurden, zitiert er Balcar. Warum sich die CDU auf dem Land so gut etablieren konnte und die SPD nicht, zeichne Balcar ebenfalls glaubhaft nach; die SPD blieb auf die städtische Arbeiterschaft konzentriert. Fazit: ein trockenes Thema, interessant aufbereitet.
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