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zuletzt aktualisiert 11.02.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Brigitte Kronauer

Verlangen nach Musik und Gebirge

Roman

Cover: Verlangen nach Musik und Gebirge

Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2004
ISBN-10 3608935711
ISBN-13 9783608935714
Gebunden, 390 Seiten, 22,00 EUR

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Klappentext

Daß die Welt nur als Begleitumstand einer Liebe zu ertragen ist, ist nur eine der Erkenntnisse dieses Romans. Ein Maskenball wird hier inszeniert, ein schnelldrehendes Schattenspiel zwischen den Geschlechtern vor dem Hintergrund zeitgenössischerAnblicke: Ferienburgen, Vergnügungs-Gigantomanie und Postkolonialismus. Das Wochenende führt die Gruppe in die Nachtcafes, das Ensor- Haus und zur Baustelle eines maritimen Luxusrestaurants. Wohl nie hat Brigitte Kronauer ihre Sprachmagie aufregender und raffinierter eingesetzt als hier. Von der Sehnsucht in allen und in allem handelt dieser große Roman, der uns mit tausend Verlockungen in seinen Bann zieht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.12.2004

"Wer kein Vergnügen an Entschlüsselungsarbeit hat", dem empfiehlt Ina Hartwig, Abstand von Brigitte Kronauers raffiniert von Referenzen durchsetztem Buch zu nehmen. Die verbleibende Leserschaft müsse zwar immer noch "eine streckenweise zähe Lektüre" bewältigen, werde aber für die Mühe reich belohnt. Und zwar nicht nur mit Motiven aus den Weken von Conrad und Proust, sondern mit einer veritablen Oper in Form eines Romans: Zum einen entpuppt sich Frau Fesch, die Erzählerin, als Verfasserin eines Opernlibrettos, zum anderen findet sich das Personal des Romans selber, "eine Gruppe zufällig zusammengewürfelter Touristen", in einem Hotel im belgischen Ostende zu einem Reigen des Begehren und der hohen Töne zusammen, der über die Bühne des "Schmierentheaters" geschickt wird (weil "die zeitgenössische Oper, damit ist Kronauers Frau Fesch d'accord" wie Hartwig schreibt, "ohne profane, läppische Anteile" nicht auskommt), um sich schließlich dort, wo "Kunst in Kitsch" umschlägt, aufzulösen. Furios, urteilt die Rezensentin - ein "ganz und gar europäischer Künstlerroman". Und: "Beim wiederholten Lesen gewinnt er die Leichtigkeit, die ihm gebührt."

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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 27.11.2004

Rezensentin Maja Rettig ist begeistert von dem "irritierend schillerndem Blick", mit dem Brigitte Kronauer - samt ihrer Erzählerin - auf eine erotisch verstrickte Zufallsgemeinschaft in einem Hotel des belgischen Urlaubsorts Ostende schaut, in deren Zentrum ein blutjunges und bildschönes italienisches Pärchen steht. Dabei, so die Rezensentin, ist die Erzählposition eine ganz besondere, wie schon Kronauers Gebrauch des Pronomen "man" nahelege: Zwar ist die Erzählerin als Figur präsent, doch sie weiß so viel über die anderen - aus ihrer Beobachtung und aus der sinnierenden Verlängerung dieser Beobachtung heraus -, dass sie schon einem auktorialen Erzähler gleicht, erklärt Rettig. Wunderbar findet sie, wie Kronauer "die Anfänge" der Balz beschreibt, wie sie im Verhalten der Personen die Floskeln des "erotischen Einmaleins" aufspürt. Doch Kronauers Prosa zeichne nicht nur fremde Erregungen in "glasklar-präzisem und zugleich feierlich-beschwingtem Stil" nach, sie sei selbst "Erregungsprosa", zumal sich letztendlich herausstelle, dass die Erzählerin ihrerseits auf die Ankunft ihres Librettisten und Geliebten wartet und sich ihr Blick als liebesgetränkt erweist.

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.11.2004

Brigitte Kronauers Roman "Verlangen nach Musik und Gebirge" hat bei Hubert Winkels nur eins ausgelöst: Langeweile. Warum also vergeudet Hubert Winkels soviel kostbaren Platz, den Aufmacher des Literaturteils? Wie auch immer: Winkels hat Kronauers ins heutige Ostende versetztem barocken Schäferspiel nichts abgewinnen können. Er schmäht den Roman als "nur schwach kontrollierten Exzess der Beschreibungsredundanz" und der "irrlichternden Stimmungsmalerei" (das Meer ist sehr grau und sehr unendlich!) und als ein "Ausufern der Liebesbedeutungsbehauptung". Mit den Personen - ein kompakter Muskelmann, eine manieristische Über-alles-Schönheit, ein gehbehinderter Junge und seine Oma, ein Antwerpener Parfümhändler - ist er zu keinem Zeitpunkt warm geworden, zu unglaubwürdig sind sie ihm als bloße "Träger von Verlangen und Leidenschaft" gezeichnet. Sein böses Verdikt: "Brigitte Kronauer will Kunst, und die muss offenbar künstlich sein."

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.10.2004

Brigitte Kronauers neuer Roman handelt von einer zufällig im Hotel "Malibu" im belgischen Nordseebad Ostende zusammentreffenden Gruppe von Reisenden, die sich nach kürzester Zeit in allerlei Liebeshändel verstricken, erklärt ein hingerissener Lothar Müller. Er freut sich an der "maliziösen Anrichtung der Liebesunordnung", die die Autorin entfaltet, und stellt klar, dass es sich bei dem Buch zwar um "Mummenschanz", aber angesichts der existentiellen Ausnahmesituationen der Figuren keineswegs um eine "Farce" handele. Besonders gut gefällt ihm auch die Erzählerin dieses Romans, Frau Fesch, die zu seiner Freude statt des "treuherzigen Augenaufschlags", den die Ich-Erzähler in der jüngeren deutschen Gegenwartsliteratur so gerne an den Tag legen, einen "bösen Blick" und eine "scharfe Zunge" bevorzugt. Einen "gefühlsklugen Roman" hat Kronauer hier vorgelegt, lobt der eingenommene Rezensent.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.09.2004

Wie alle von Brigitte Kronauers Werken, so die betörte Rezensentin Andrea Köhler, ist auch dieses eine "Erzählung über die Liebe als passionierte Erkenntnisform". In besonderer Ausprägung allerdings, denn hier gehe es um eine "Erotik der Wahrnehmung", um "die entflammte Aufmerksamkeit der Welt gegenüber". Handlung, so die Rezensentin, gibt es keine, es sei denn man wolle "zwei Ferientage in einem etwas heruntergekommenen flämischen Seebad" so nennen. Nein, die für Kronauer typische "ironisch abgefederte, taghelle Mystik" entfalte sich nicht aus irgendeiner Handlung, sondern aus der Perspektive der Frau Fesch, die aufgrund ihrer scharfen Beobachtungsgabe zu einer Art allwissender Erzählerin avanciere, ihre Beobachtungen aber stets mit dem "allgemeinsten Pronomen" formuliert: "man". Und so gelinge es Kronauer ein "spielerischer Bewusstseinsroman", ein "abenteuerliches Pandämonium der Blicke", das "Sarkasmus und Euphorie, zärtlichste Menschenliebe und bösen Blick" verbindet.

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