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Klappentext
Aus dem Tschechischen von Eva Profousova. Dort, wo die Berliner U-Bahn seit hundert Jahren ihre Netze spinnt und in ihrer Sehnsucht, irgendwo anzukommen, alle Menschen gleich sind - in diese Unterwelt gerät Petr Bem, ein junger Prager Deutschlehrer auf der Flucht vor familiären Bindungen. Im Zug nach Pankow lernt er Pancho Dirk kennen, der von Musik besessen ist. Die beiden gründen eine Band und nennen sie "U-Bahn", weil es um Schwärze, Krach und Tempo geht. Fast zeitgleich verliebt sich Petr in Katrin, die Tochter eines Zugführers. Erst durch sie erschließt sich ihm der Bauch der Stadt - jener Stadt, die sich an der Oberfläche rasend schnell verwandelt, während in ihren Tunneln unzählige Geschichten fortdauern. Wie Orpheus taucht Petr mit seiner Gitarre in die Schattenwelt ein, zollt Bob Dylan Tribut, kämpft gegen die John-Lennon-Friedensmafia und tröstet den Zugführer Günter, dem fünf Selbstmörder auf der Seele lasten.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.12.2004
Angenehm unaufgeregt findet Andreas Rosenfelder das Romandebüt des Tschechen Jaroslav Rudis, der seinen Helden als Straßenmusiker durch das wiedervereinigte Berlin schickt. Petr Bem, so heißt der Protagonist aus Rudis' "Himmel über Berlin", ist nicht etwa ein politischer Flüchtling, sondern ein Beziehungsflüchtling, stellt Andreas Rosenfelder gleich zu Anfang klar, um keine moralischen Illusionen über den Protagonisten aufkommen zu lassen. An Berlin interessiere Bem nicht das Westliche, sondern mehr der Osten im Osten oder auch das Urberlinerische, das er etwa im U-Bahnfahrermilieu des Vaters von Bems neuer Freundin antreffe, und zwar dort eher als bei deren Jungfilmerfreunden, die alle von Island schwärmten. In jedem Fall, stellt Rosenfelder erfreut fest, verzichte Rudis auf einen slawischen "Skurrilitätsbonus" und er pflege einen alltagsnahen Stil, dessen poetisches Talent sich vor allem in den Songtexten des Straßenmusikers Bahn bricht. Über einige Anfängerfehler guckt Rosenfelder gnädig hinweg, so etwa die ellenlangen Taxifahrermonologe oder die sichtbar recherchierten Passagen über die Berliner Unterwelt. Ansonsten besitze Rudis einen erfrischend neugierigen und unverbrauchten Blick auf Berlin, trotz aller poetischen Nachtschwärmerei, freut sich der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.10.2004
Ursprünglich aus einer Folge von E-Mails an Freunde entstanden, kann jedes der kurzen Kapitel dieses "rasanten Textes" auch als "selbständige Miniatur" gelesen werden, erklärt Rezensent Ulrich M. Schmid, bei dem man nicht genau weiß, ob er das Buch mochte, oder glaubt, es mögen zu müssen. Die unmittelbare, gesprochene Sprache weckt im Rezensenten Erinnerungen an Alfred Döblin, auch Jaroslav Rudis schlage jenen "Slang" an, der zum Erkennungszeichen der Berliner Stadtprosa geworden sei. Interessant ist das Buch für Schmid nicht wegen der kaum vorhandenen Handlung: der "literarische Reiz" liege vielmehr in den einzelnen Kapiteln, in denen schlaglichtartig das "impressionistische Lebensgefühl" der verschiedenen Protagonisten beleuchtet werde. Ebenso wie die Lebensläufe der vorkommenden Personen ständig unterbrochen werden, gibt es folgerichtig auch "keinen zusammenhängenden Text", so unser Rezensent.
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